Der Jobhopper-Report

Der Jobhopper-Report

Zwei Personalberaterinnen ließen erheben, was Jobwechsler in Österreich wirklich antreibt. Obwohl Arbeitsplatzsicherheit und Betriebsklima wichtig sind, bleibt mehr Geld ein entscheidendes Wechselmotiv.

Ein Jobwechsel bringt für jene, die sich dazu entschließen, oft doch eine recht drastische Veränderung der Lebenssituation mit sich. Nicht umsonst wird dieser Schritt daher meist sorgsam überlegt. Eine Ermunterung für Unschlüssige liefert nun die aktuelle IMAS-Studie "Jobwechsler in Österreich“: Die Chance auf eine Veränderung zum Besseren ist beim Jobwechsel weitaus größer als die Gefahr, dabei vom Regen in die Traufe zu geraten. Fast zwei Drittel der Jobhopper geben an, der Schritt habe sich auf jeden Fall gelohnt. Elf Prozent meinen dagegen, sie wären im alten Job doch glücklicher gewesen.

"Ziel der Studie war, Gründe für einen Jobwechsel, Einflussfaktoren auf die Entscheidung, das Such- und Informationsverhalten sowie auch das Image von Personalberatern zu erfassen“, erklärt die Auftraggeberin der Untersuchung, Susanne Seher, geschäftsführende Gesellschafterin von Seher + Partner Personalconsulting. Sie hat das auf die Besetzung von kaufmännischen Managementpositionen spezialisierte Beratungsunternehmen 2010 zusammen mit Helga Töpfl gegründet.

Finanzielle Verbesserung

Um zu erkennen, wie die Jobwechsler wirklich ticken, bedarf es manchmal eines zweiten Blicks auf die Studie. So führen zwar bei den Anforderungen an einen Arbeitsplatz die Jobsicherheit und das positive Betriebsklima die Kriterienliste an - noch vor dem Gehalt. Allerdings scheint das unausgesprochene Motto der Jobhopper auch zu lauten: "Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts.“ Bei den ganz konkreten Gründen für den Jobwechsel liegt nämlich ein zu niedriges Gehalt beim alten Arbeitgeber doch an der Spitze aller Nennungen: Bei mehr als der Hälfte der Abgänge spielte das Geld zumindest mit eine Rolle (siehe Grafiken oben rechts).

"Bei den Gründen für Jobwechsel haben wir es aber sicher mit einem Verbund an Motiven zu tun“, interpretiert Expertin Seher die Ergebnisse. "Ein neues, spannenderes Aufgabengebiet, neue Herausforderungen, aber auch unzureichende Anerkennung durch den Chef sind größere Motivatoren für den Umstieg als etwa fehlende Extras wie Laptop, Diensthandy oder Gratisparkplatz.“ Mehr als die Hälfte der Jobwechsler, exakt 53 Prozent, hat sich finanziell aber jedenfalls verbessert, ein Drittel verdient gleich viel wie am alten Arbeitsplatz, und 13 Prozent mussten Abstriche machen - das entspricht bezeichnenderweise genau dem Prozentsatz derjenigen, die zum Jobumstieg gezwungen waren, weil sie gekündigt wurden.

Schnelle Entscheidung gefragt

Bei jener überwiegenden Mehrheit, die aus eigenem Antrieb gekündigt hat, ortet Paul Eiselsberg, Senior Research Director bei IMAS International, unterschiedliche Verhaltensmuster: "Die Häufigkeit von Jobwechseln hängt auch mit dem Alter und der Bildung zusammen - unter anderem deswegen, weil einfach Gebildete schon länger beruflich tätig sind und tendenziell länger in einem Unternehmen verweilen.“ Der logische Umkehrschluss sollte Personalchefs, die für die demografisch drohende Fachkräftelücke vorsorgen müssen, eigentlich zum Jubeln bringen: Jüngere und hoch qualifizierte Mitarbeiter sind auch die wechselwilligsten!

Um derart begehrte Fachkräfte tatsächlich an Bord zu holen, müssen die Personalabteilungen allerdings ganz schön fix sein. Das "Window of Opportunity“ dafür ist nämlich relativ klein. "Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass Schnelligkeit ein wesentlicher Faktor ist, will man gute Leute einstellen. Vor allem bei aktiv suchenden Personen ist die Übergangsphase vom alten zum neuen Job sehr kurz“, analysiert Susanne Seher. "Rund die Hälfte will einen Wechsel binnen zwei Monaten über die Bühne bringen“, ergänzt Helga Töpfl und weiß aus der Praxis: "Das deckt sich jedoch häufig nicht mit den Entscheidungswegen für Personalbesetzungen in den Unternehmen.“ Fazit: Firmen mit bürokratischen Personalprozessen und langen Entscheidungswegen gehen die begehrtesten Talente durch die Lappen.

Blinde Flecken bei Jobsuche. Verbesserungsmöglichkeiten bei der Planung und Vorbereitung eines Jobwechsels haben die beiden Personalberaterinnen aber auch aufseiten der Arbeitnehmer ausgemacht. Das gilt vor allem für die Auswahl der Informationsquellen und Suchkanäle. Dabei setzen laut Studie sieben von zehn Jobsuchern auf direkte Gespräche im Bekannten- und Freundeskreis. Rund zwei Drittel informieren sich via Jobinserate in den Tageszeitungen über ihre Chancen. Internet und Social Media sind dagegen - noch - unterrepräsentiert. "Diese Kanäle haben vor allem für unter 30-Jährige und Höhergebildete Bedeutung“, sagt Töpfl.

Dass sich nur fünf Prozent der Wechselwilligen direkt an Personalberater wenden, ist ihr naturgemäß ein Dorn im Auge. "Wir sind nicht nur Ansprechpartner für Unternehmen, sondern übernehmen auch Karrierecoaching für Arbeitssuchende“, betont die Personalexpertin.

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