Champions im Job: Berufsweltmeisterschaft für junge Fachkräfte startet in Kanada

In Calgary eroberte Österreichs Skiteam 1988 drei olympische Goldmedaillen. Bei der Berufsweltmeisterschaft in der kanadischen Stadt könnten heimische Facharbeiter dieses Resultat übertreffen.

Mirna Jukics Bronzemedaille bei der Schwimm-WM im Rom ging me­dial wohl etwas in den Disco-Eskapaden ihres Mannschaftskollegen Markus Rogan unter. Doch üblicherweise zollt Österreichs Öffentlichkeit Medaillengewinnern im Sport doch den ihnen zustehenden Respekt. Von Skiassen wie Hubert Strolz oder Anita Wachter – vor mehr als 20 Jahren Olympiasieger in Calgary – haben wahrscheinlich sogar junge Leuten schon einmal gehört, die damals noch in den Windeln lagen. Genau dieser Generation gehören jene 26 jungen Österreicher an, die in den nächsten Tagen in die als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1988 bekannt gewordene kanadische Stadt reisen werden, um es dort den Olympioniken gleichzutun und Österreichs Farben würdig zu vertreten.

Berufsweltmeisterschaft
Sie treten dort allerdings nicht in sportlichen Bewerben an, sondern messen ihre beruflichen Fähigkeiten mit Kollegen aus aller Welt. 48 Wettbewerbsdisziplinen stehen bei der 40. Berufsweltmeisterschaft („WorldSkills“) vom 1. bis 6. September in Calgary auf dem Programm. Junge Fachkräfte bis zum Alter von 22 Jahren können daran teilnehmen. Österreich wird in 24 Berufen mit insgesamt 26 Teil­nehmern – vom Netzwerktechniker über den Formenbauer bis zum Koch, Floristen oder Anlagentechniker – in Kanada am Start sein. Viele von ihnen zählen zu den heißesten Medaillenanwärtern. Österreichs­ Facharbeiter konnten sich nämlich bei den World­Skills bisher immer ganz hervor­ragend in Szene setzen und landeten im Medaillenspiegel meist auf einem der Spitzenplätze: Bei 25 WorldSkills-Teilnahmen erreichte das Job-Nationalteam mit insgesamt 393 Teilnehmern bisher 162 Medaillen.

Harte WM-Qualifikation
Diese hervorragende Bilanz ist nicht zuletzt auch eine Bestätigung für das heimische duale Berufsausbildungssystem (Ausbildung in Betrieb und Berufsschule), das sich dort sowohl mit Ländern mit rein schulischen Systemen (vor allem Nordeuropa und Asien) als auch etwa mit dem rein betrieblichen Bildungssystem in den USA messen muss. „Das Engagement für die Facharbeiterausbildung zählt zu unserer Basis­arbeit“, betont WKO-Vizepräsidentin Renate Römer. Die Wirtschaftskammer organisiert den Auswahlprozess und die nationalen Qualifikationsveranstaltungen für die Berufsweltmeisterschaft. „Gerade in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs lohnen sich Investitionen in die Qualifikation der Jugend“, sagt Römer, die sich von den Teilnehmern auch heuer wieder „die eine oder andere Medaille“ erwartet. „Wir fördern diese jungen Fachkräfte deshalb ganz bewusst, weil sie auch das Potenzial haben, zu Unternehmensgründern zu werden“, so Römer.

Prüfung auf Herz und Nieren
Um ein erfolgreiches Abschneiden zu gewährleisten, sind die Anforderungen bei den nationalen Vorausscheidungen nicht gerade gering und erfordern daher ein entsprechendes Engagement – nicht nur seitens der Teilnehmer, sondern auch von den Betrieben, bei denen sie beschäftigt sind. So mussten etwa bei den dreitägigen ­Qualifikationswettkämpfen für mehrere Berufsgruppen in Salzburg die Maurer ein verputztes Hochziegelmauerwerk mit Figuren wie Sonnenuhr oder Schriftzügen nach Plan herstellen. Spengler hatten maßgenau ein Blechdach mit Kaminteil, Ablaufrohr und Dachentlüftung zu fertigen, die CAD-Maschinenbauer hatten Getriebe­teile am Computer nachzuzeichnen und ein Gussgehäuse für Getriebe zu entwickeln. Alle jungen Fachkräfte, die sich bei diesen Bewerben für das Nationalteam qualifiziert haben, wurden in weiterer Folge intensiv auf die Wettkämpfe in Calgary vorbereitet. „Das ist nur möglich, weil die Betriebe die Teilnehmer für die spezielle Vorbereitung mit erfahrenen Experten bis zu einem Monat freistellen“, erklärt Katrin Eichinger-Kniely von der bildungspolitischen Abteilung der WKO, die offizielle Delegierte für den Wettbewerb.

Von Klein bis Groß
Von vielen kleineren Handwerks- und Gewerbebetrieben bis zur voestalpine reicht das Spektrum der Unternehmen, deren junge Mitarbeiter jetzt ihr Können auf einer internationalen Bühne präsentieren werden. Mit dem CNC-Dreher Benjamin Poredos und dem Formenbauer Lukas Winkler entsendet der Vorarlberger Beschlägespezialist Julius Blum sogar Teilnehmer in zwei Wettkampfdisziplinen. „Ich freue mich schon auf die Möglichkeit, zur WM zu fahren, und werde alles mir Mögliche tun, um Österreich gut zu vertreten. Meine weiteren Ziele sind die Meisterprüfung und mich in Fremdsprachen weiterzubilden, da man sie doch oft überraschend brauchen kann“, sagt die 21-jährige Floristin Michaela Glawogger. Neben dem intensiven berufsspezifi­schen Training sowie einem Teamcoaching­seminar stand auch ein Englischkurs im WIFI Niederösterreich auf dem Vorbe­reitungsprogramm des Team Austria.

Anerkennung für Fachkräfte
Unterstützt werden die World- Skills-Teilnehmer auch von Sponsoren aus der Wirtschaft wie dem Montagesystem- und Werkzeughändler Würth. In dessen Firmenzentrale in Böheimkirchen wurde das Team kürzlich offiziell verabschiedet. Manfred Reichhold, Würth-Geschäftsführer für den automotiven Bereich, ist dem WorldSkills-Bewerb schon lange intensiv verbunden und stattete bei dieser Gelegenheit Teilnehmer mit brandneuen Werkzeugsets aus. Reichhold verbindet damit nicht nur ein unternehmerisches, sondern auch ein gesellschaftliches Anliegen: „Facharbeitern sollte mindestens genauso viel Respekt gezollt werden wie dem schulischen und akademischen Bereich oder Sportlern.“

Von Michael Schmid

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