Capital Connection 2008: Business-Speed-
Dating zwischen Start-Ups und Kapitalgebern

Auf der Capital Connection 2008 hatten Unternehmer die Chance, Geldgeber im Rahmen eines Speed-Datings binnen 15 Minuten von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen. FORMAT sah sich vor Ort um.

90.000 Euro und 5.500 Arbeitsstunden, sagt René Adamo, habe er in seine Geschäftsidee bereits investiert. Dafür hat er – im Gegensatz zu den meisten anderen Kapital suchenden Firmengründern auf der Capital Connection im Wiener Hotel Marriott – aber auch schon etwas mehr vorzuzeigen als papierene Konzepte und gedruckte Unterlagen: Adamo schleppt ein halb mannshohes Verkaufsdisplay durch die Hotelhallen. An dessen Ende schwebt eine transparente Schale in Form einer fliegenden Untertasse. Dort drinnen endlich liegt das Ergebnis seines kreativen Schaffens: „Ufo Burger“. (Zu den einzelnen Start-Ups siehe auch die Bildergalerie .)

Vision: eine Million Ufos
Wiewohl es der Name nicht unbedingt nahelegt, handelt es sich dabei um einen Schoko-Snack – rund wie ein Ufo und von einer Waffelschicht umgeben. Unter dieser, man schmeckt es beim ersten Bissen, findet sich eine spezielle Schokoladenmischung mit zugesetzten Vitaminen, Taurin, Guaraná und Koffein. „Diese Mischung macht Müde munter und aktiviert den Zellstoffwechsel“, so der Erfinder, der aus eigener finanzieller Kraft die Verbreitung über viele Tankstellen und fünf Metro-Filialen in Ostösterreich bewerkstelligt hat und nun für einen landesweiten Rollout bis zu 500.000 Euro an Kapital aufstellen möchte. Seine Vision: In zehn Jahren sollen weltweit eine Million Verkaufs-Ufos herumhängen. Kein Problem, denn: „Ufo versteht weltweit jeder, Burger auch.“

Forum für Erstkontakte
Eine – nicht repräsentative – Testverkostung bringt differenzierte Ergebnisse, wie gut Adamos Chancen auf Geld von Risikofinanzierern stehen, ist am Ende der Veranstaltung noch nicht abzusehen. Die vom Konferenz- und Seminarveranstalter Business Circle organisierte Capital Connection 2008 versteht sich nämlich bewusst als Forum für Erstkontakte. Es ist ein Business-Speed-Dating: Gerade 15 Minuten stehen zur Verfügung, um den Kapitalgeber zumindest davon zu überzeugen, die Geschäftsidee näher zu prüfen.

Chance in der Krise
Die Finanzkrise ist natürlich auch auf der Capital Connection ein beherrschendes Thema. Ihre Auswirkungen spüren sowohl Kapitalgeber als auch -suchende. Geld für Venture-Finanzierungen ist rarer geworden. „Im Gegensatz zu den letzten Jahren gibt es nun nicht mehr den Wettbewerb zwischen den Private-Equity-Firmen um die besten Projekte. Fonds, die jetzt noch Geld haben, haben vielmehr die Qual der Wahl. Wer jetzt einen guten Riecher hat, wird viel verdienen“, fasst Harald C. Klien, Managing Partner des M&A-Beraters CD Invest Consult, die Lage zusammen. „Wir müssen davon ausgehen, dass weniger Kapital zur Verfügung stehen wird. Das Interesse an Realinvestitionen wird aber deutlich steigen“, meint Raiffeisen-International-Vorstand und Private-Equity-Experte Peter Lennkh.

Innovative Konzepte
Doch die Auswahl für die Venture-Finanzierer reicht weit über Schokoladenerzeugung hinaus. So hat etwa Rudolf Preyer ein innovatives Konzept entwickelt, das es älteren Immobilienbesitzern ermöglichen soll, das in ihrer Wohnung gebundene Kapital zu mobilisieren, ohne deshalb gleich ausziehen zu müssen. „Ich kaufe die Wohnungen und ziehe den Wert des lebenslangen Wohnrechts vom Preis ab“, erklärt er das Prinzip. Wie hoch der Preisabzug ausfällt, hängt vom Lebensalter – eigentlich von der restlichen Lebenserwartung – des Verkäufers ab und wird nach versicherungsmathematischen Grundsätzen errechnet. „Ich habe das im Kleinen schon selbst praktiziert“, erzählt Preyer, „aber um das Geschäft im großen Stil aufzuziehen, braucht man rund 100 Immobilien.“ Das Geld dafür versucht er nun von Private-Equity-Investoren zu bekommen.

Virtuelle Welten und Baumaterial
Für sein „Flying Infotainment“-Business würde Martin Döller gerne etwa 880.000 Euro aufstellen. Der Marketingexperte will damit der in der Firma TiscMedia vorhandenen Technologie zum „Erfliegen“ virtueller Welten viel breitere Anwendungsmöglichkeiten eröffnen. Aufgehängt in einer Spezialvorrichtung, soll der Anwender damit als „menschlicher Joystick“ das Gefühl bekommen, durch virtuelle Fantasiewelten, aber auch nachgebaute „reale“ Städte und Landschaften oder sogar Gemälde zu fliegen.
Handfest hingegen ist die Innovation, die Peter Kozeschnik senior und junior präsentieren: Sandstein aus Sand. Klingt nicht so sensationell – der Baustoff lässt sich aber tatsächlich aus Sandkörnern herstellen und härtet durch einen speziellen Zusatz ohne Energieaufwand an der Luft aus. Die Kozeschniks streben die Baustoffzulassung an und suchen einen Investor, der überzeugt ist, die nötigen 300.000 Euro damit nicht in den Sand zu setzen.

Mehr Information zu den Start-Ups in der
Bildergalerie zur Capital Connection 2008 .

Von Michael Schmid

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