Business-Studenten sammeln Führungserfahrung beim Outdoor-Training

Wie Business-Studenten durch Outdoor-Aktivitäten lernen, ihre Führungsfähigkeiten realistisch einzuschätzen und weiterzuentwickeln.

"Sie alle haben die Ambition, nach ihrer Ausbildung führende Managementpositionen zu erreichen", sagt Michael Schmitz, Professor für Psychologie und Management an der Lauder Business School in Wien, über jene Studenten, die sein Leadership-Seminar im Rahmen ihres Master-Studiengangs absolvieren. Um ihnen das notwendige Rüstzeug dafür mitzugeben, vermittelt er im Seminar die wissenschaftlichen Grundlagen von Führungstheorien, konfrontiert die Studenten anhand von Publikationen in der „Harvard Business Review“ mit aktuellen internationalen Forschungsschwerpunkten zu Managementthemen und nutzt seinen Zugang zu den berühmten Harvard Case Studies, um die Umsetzung des Theorie-Inputs in konkreten Problemstellungen zu üben.

Aber Schmitz weiß auch: „Management ist wie Fahrradfahren.“ Und damit seine Schützlinge trotz ihres theoretisch fundierten Wissens später keine Stützräder an ihre ersten Chefsessel montieren müssen, organisierte er eine Österreich-Premiere: den Einsatz eines Outdoor-Aktivitätsprogramms im Rahmen einer Management-Lehrveranstaltung, bei dem Studenten das Thema Führung trainieren, erleben und beobachten konnten.

31. Mai 2011: Bei sonnigem Frühsommerwetter finden sich auf dem baumbestandenen Campus der Lauder Business School in der Hofzeile in Wien-Döbling zwei Dutzend – ob ihrer lockeren Freizeitkleidung nicht sofort als solche kenntliche – ambitionierte Management-Eleven nebst ihrem gleichfalls leger gewandeten Professor ein. Der hat bei dieser Lehrveranstaltung hochkarätige Unterstützung: Hans Fruhmann, Österreich-Chef von Outward Bound, Weltmarktführer für Outdoor-Lernevents, und Dieter Reinig, Geschäftsführer von Outward Bound Professional in Deutschland, sowie mehrere ihrer Profitrainer, die bei solchen Programmen bereits Studenten der Elitehochschule Insead in Fontainebleau betreut haben.

Managementaufgabe: Strippen ziehen

Los geht’s mit einer typischen Managementaufgabe – an Strippen ziehen. Jeder Jungmanager hält die seine in der Hand. Das Problem dabei: Sie alle sind mit einem Ring verbunden, auf dem ein Ball liegt. Der soll nicht nur dort bleiben, sondern auch durch einen Parcours getragen und an einem bestimmten Ziel abgelegt werden. Koordination und Absprache sind gefragt. Dann eine Verschärfung – einige Strippenzieher agieren mit verbundenen Augen. Sie müssen von Kollegen geführt werden und sich auch führen lassen, damit die Übung gelingt.

Schmitz beobachtet: „Dabei sieht man schon von außen, wer Angst hat, die Kontrolle abzugeben, aber auch, wer Angst hat, Verantwortung für andere zu übernehmen.“ In der Reflexionsrunde mit den Studenten werden weitere Aspekte hervorgearbeitet: Wer sehr fixiert und ergebnisorientiert ein Ziel ansteuert, läuft Gefahr, das Gefühl für die Situation und die Befindlichkeit des Geführten zu verlieren! Führungspersonen müssen in der Lage sein, Orientierung zu geben. Und das gelingt nur mit Kommunikation und Aufbau von Vertrauen. „Natürlich kennen in der Theorie alle die Unterschiede zwischen einem aufgabenorientierten und einem personenorientierten Führungsstil“, sagt Schmitz, „hier wurden sie körperlich erlebbar und fühlbar.“

Dann eine viel komplexere Herausforderung: die Simulation der Bergung von „toxischen“ Stoffen an drei verschiedenen Orten mit knappem Equipment und unter Zeitdruck. Eine Aufgabe, die zunächst die Auswahl eines zentralen Führungsteams erfordert und die Bildung von Task Forces, die von einem „mittleren Management“ geführt werden. Ganz wie im „richtigen“ Wirtschaftsleben fehlt einigen der operativen Mitarbeiter, von denen letztlich das Gelingen abhängt, noch dazu der Überblick – ihnen sind wiederum die Augen verbunden. „Hier gibt es viele Analogien zu tatsächlichen Managementaufgaben. Hinter dem spielerischen Aspekt stehen Herausforderungen, die in der Geschäftswelt vorkommen“, kommentiert Schmitz das Szenario.

Betriebswirtschaft statt Adventure

Aufgearbeitet werden die Erfahrungen mit Trainern, die selbst Managementerfahrung haben. Genau durch diese Kompetenz will sich Outward Bound von den sich auf den Schreibtischen von Personalverantwortlichen stapelnden Angeboten der immer zahlreicheren Erlebnis-, Adventure- und Outdoor-Seminaranbieter abheben.

Ein Aspekt, der auch für Schmitz im Zentrum steht: „Es geht nicht um Abenteuertraining, Eventcharakter oder Unterhaltungsprogramm. Aktivität ist hier nicht Selbstzweck. Es geht um den ‚Aha-Effekt‘, dass in der Theorie Gelerntes praktische Relevanz hat.“ Das Outdoor-Programm dürfte ihn überzeugt haben – er wird es auch in seinem nächsten Leadership-Seminar wieder einsetzen.

– Michael Schmid

Sparen ist out, Geld ausgeben ist angesagt. Wer schlau ist, investiert auch in die eigene Karriere.
 

Karriere

Investieren statt sparen: 5 Tipps, die persönliche Rendite bringen

Die Angebote für Mietbüros, die alle Stückeln spielen, werden immer größer. Eine FORMAT-Übersicht: Was sie können, was sie kosten, wo sie zu finden sind.
 

Erfolg

"Co-Worken" ist in – Eine Übersicht über die besten Mietbüros

 

Erfolg

Co-Working-Spaces – alle Details