Biotech: Intercell wird vom World Economic Forum als "Technology Pioneer 2009" geehrt

Das World Economic Forum zeichnet mit der ­Biotech-Firma Intercell erstmals ein heimisches Unternehmen als weltweiten „Technology Pioneer“ aus.

Das weltgrößte Gipfeltreffen und bedeutendste Networking-Event von Wirtschaft und Politik findet vom 28. Jänner bis 1. Februar 2009 statt: Dutzende Staats- und Regierungschefs und Hundertschaften von Wirtschaftslenkern werden beim Jahresmeeting des World Economic Forum (WEF) in Davos zusammentreffen. Mitten unter ihnen: Gerd Zettlmeissl, CEO des heimischen Biotech-Unternehmens Intercell. Dass er zu diesem exklusiven Zirkel ­geladen ist, verdankt der Biotech-Manager einer Auszeichnung, die Intercell vom Veranstalter des Davos-Meetings erhielt: Intercell wurde als eine von weltweit acht Biotech-Firmen mit dem Titel eines „Technology Pioneer 2009“ geehrt. Und mit diesem Award verbunden ist eben auch die Teilnahme am prestigeträchtigen Meeting im Schweizer Nobelwintersport­ort.

Austro-Pionier
Das Gütesiegel „Technology Pioneer“ wird vom WEF seit einem Jahrzehnt jährlich an insgesamt rund 30 Firmen aus den Zukunftsbranchen Biotech/Gesundheit, Energie/Umwelt sowie IT vergeben. Allein heuer hatten sich nicht weniger als 320 ­innovative Unternehmen darum beworben, von denen eine aus 44 Technologieexperten bestehende Jury rund ein Zehntel als würdig befand. Die Kür von Intercell ist eine Premiere für die gesamte österreichische Wirtschaft: Noch nie zuvor wurde ein heimisches Unternehmen mit dem inter­national begehrten Titel gewürdigt. „Wir sehen damit unsere Vision, Intercell als innovatives Biotech-Unternehmen im Impfstoffbereich zu positionieren, anerkannt“, so Zettlmeissl zur Auszeichnung.

Einzige Biotech-Aktie an Börse Wien
Pionierleistungen sind für Intercell aller­dings nichts Außergewöhnliches. Der weltweit renommierte Molekularbiologe Alexander von Gabain ( im Bild ), damals Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Universität Wien, wechselte 1998 mit der Gründung der Intercell ins riskante Jungunternehmerfach. Zusammen mit Finanzchef Werner Lanthaler gelang es ihm, internationale Venture-Finanzierer zu gewinnen und das Unternehmen 2005 als ersten und bisher einzigen Biotech-Wert an die Wiener Börse zu bringen. Die Aktie erwies sich zunächst als Highflyer und in den letzten Monaten als vergleichsweise resistent gegen krisenbedingte Kursrutsche. Eine für heimische Maßstäbe beeindruckende Erfolgsliste – doch österreichische Rekorde sind, das weiß man bei Intercell, im globalen Biotech-Business nicht viel wert. Dort zählt nur Weltklasse, und zwar in vielerlei Hinsicht:

Strategie
Von Anfang an positionierte sich das Unternehmen im Bereich Impfstoffe, der jährlich um rund 15 Prozent wächst, und setzte dort auf die Entwicklung von Stoffen gegen klassische Infek­tionskrankheiten, für die hoher medizinischer Bedarf gegeben ist. Das erste Produkt, ein Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis (JE), steht unmittelbar vor der Marktzulassung. Zettlmeissl: „Wir rechnen damit in Europa, den USA und Australien noch im Dezember 2008.“

Technologie
Technologisch steht Inter­cell auf drei Beinen. Erstens das Antigen-Identifizierungs-Programm (AIP), eine einzigartige Methodik zur Definition neuer Impfstoffe. „Wir lernen dabei von der Immunabwehr von Menschen, die Infektionen erfolgreich abgewehrt haben“, erklärt Zettlmeissl. Zweitens die Adjuvans-Technologie. Dabei handelt es sich um Zusatzstoffe, die mit dem Antigen verabreicht werden und dessen Wirkung verbessern. Diese Grundlagen machen Intercell zur globalen Größe bei der Entwicklung und Verbesserung von Impfstoffen. Drittes Standbein ist die weltweit führende Impfpflaster-Technologie, die Intercell heuer durch die Übernahme der US-Firma Iomai erwarb. „Wir werden die erste Firma mit einem Pflasterimpfstoff am Markt sein“, kündigt Zettlmeissl an. Das Anwendungsgebiet Reisedurchfall verspricht sogar Blockbuster-Potenzial.

Kooperationen & Lizenzen
Obwohl das erste eigene Produkt, der JE-Impfstoff, erst 2009 Markterlöse bringen wird, erzielt Intercell schon jetzt beträchtliche Umsätze aus Lizenzen für den Einsatz von Technologien bei Produktentwicklungen. Wichtigster Partner ist Novartis. Der Schweizer Pharmakonzern überwies bisher insgesamt 270 Millionen Euro an Intercell und hält auch rund 15 Prozent der Aktien. Kooperationen in der Impfstoffentwicklung laufen aber auch mit Unternehmen wie Merck, Sanofi Pasteur, Kirin, Path und Wyeth.

Pipeline
Hinter der marktreifen JE-Impfung stehen bei Intercell weitere vielversprechende Projekte: Gegen Reisedurchfall (vor Start der Phase III im dreistufigen Zulassungsprozess) und pandemische Grippe (vor Phase II) setzt man auf die Pflastertechnologie. Auch zwei Bakterien als Auslöser von Hospitalinfektionen sind im Visier der Forscher: Staphylococcus aureus (Kooperation mit Merck) und Pseudo­monas. „Beide Impfstoffe sind schon im klinischen Test“, verrät ­Zettlmeissl, „so weit fortgeschritten ist weltweit sonst niemand.“ Dazu kommen die Projekte einer therapeutischen Hepatitis-C- sowie prophylaktischer Grippe-, Tbc-, Malaria- und Meningitis-Impfungen mit verschiedenen Pharma- und Impfstoffpartnern.

Finanzstärke
Nachhaltiges Wachstum und Potenzial zur Marktführerschaft sind neben der Technologie weitere Kriterien für die WEF-Nominierung. Finanzkraft ist bei Intercell jedenfalls vorhanden: Durch den Börsengang und die Lizenzeinnahmen verfügt man auch nach der Iomai-Übernahme über rund 200 Millionen Euro Cash. „Nicht nur die Aufmerksamkeit für das Thema Impfstoffe steigt, auch die Bemühungen, sie Menschen in betroffenen Entwicklungsländern zugänglich zu machen“, konstatiert Zettlmeissl. Einer, der sich dafür mit seiner Stiftung engagiert, ist Bill Gates. Den könnte Zettlmeissl bald treffen, Gates ist nämlich Stammgast in Davos.

Von Michael Schmid

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