Auszeit vom Job: gut für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Viele sehnen sich danach, doch gerade Führungskräfte sehen für sich selbst kaum die Chance dafür: Sabbaticals als Auszeit vom Job. Dabei rechnet sich das Aufladen der Batterien für Arbeitnehmer und Arbeitgeber – FORMAT präsentiert Beispiele.

Solomon Islands, ein kleiner Inselstaat im Südwesten des Pazifiks – das war der Ort, an den sich Christoph Lindinger, Managing Partner der internationalen Law Firm Schönherr, Anfang 2009 mit dem festen Vorsatz zurückzog, einfach einmal einige Wochen nichts zu tun. Gar keine leichte Sache für jemanden, der seit Jahren gewohnt war, täglich bis zu 16 Stunden durchzuarbeiten. Dass Lindingers Wahl auf die entlegenen Inseln am anderen Ende der Welt fiel, war nota bene alles andere als Zufall: „Mir war ganz wichtig, dass ich während meines Sabbaticals nicht erreichbar bin, und zwar weder per Mail noch am Handy. Und auf den Solomon Islands gibt es keine Internetcafés und auch keinen Netzempfang. Der beste Ort, um abzuschalten.“

Ab auf die Insel: Was der Anwalt für sich umgesetzt hat, ziehen laut dem aktuellen Hernstein Management Report zum Thema Auszeit allerdings nur die allerwenigsten österreichischen Führungskräfte für sich in Betracht. Zwar geben zwei Drittel aller Befragten an, dass Sabbaticals in ihrem Unternehmen möglich seien, jedoch können sich vier von fünf befragten Managern in Österreich ein Timeout für sich selbst überhaupt nicht vorstellen.

Angst vor Aussteiger-Image

Ein Ergebnis, das durchaus nachdenklich machen sollte, findet Hernstein-Institut-Leiterin Katharina Lichtmannegger: „Die Angst vor Prestige- und Einkommensverlust spielt teilweise eine Rolle. Aber um bis zum Pensionsalter arbeitsfähig zu bleiben, sind Pausen – gerade für hochbelastete Manager – unumgänglich. So gesehen wäre sogar eine verpflichtende Auszeit ab dem Alter von 45 durchaus sinnvoll.“

Das allzu oft strapazierte Argument, man sei gerade unabkömmlich, gehe immer wieder nach hinten los, beobachtet Lichtmannegger: „Viele meinen, Kunden und Geschäftspartner würden ein paar Monate Abwesenheit nicht tolerieren. Wenn jedoch jemand aufgrund eines Burnouts oder einer anderen Erkrankung plötzlich ausfällt, trifft das alle Beteiligten unvorbereitet. Eine gut geplante Auszeit ist da doch die weit bessere Option.“

Positive Klienten-Resonanz

Bestätigt wird diese Einschätzung von Christof Pöchhacker. Der Rechtsanwalt und Partner der Wirtschaftssozietät Freshfields berichtet über die Reaktionen, als er seine Klienten über sein anstehendes Timeout für drei Monate informierte: „Selbstverständlich habe ich alle meine Mandanten von meiner Auszeit in Kenntnis gesetzt, und ich kann nur sagen, dass alle positiv reagiert haben und die Idee super fanden.“ Voraussetzung für das Gelingen eines solchen Vorhabens: ein gutes Team im Hintergrund, das die Arbeit fortführt.

Anders als in so manch anderen heimischen Unternehmen steht man bei Freshfields der Idee von Sabbaticals durchaus positiv gegenüber. Pöchhacker: „Letztlich profitiert nicht nur derjenige, der sich eine Zeit lang ausklinkt, sondern genauso das Unternehmen. Wer mit vollem Tank zurückkommt, bringt sich mit noch mehr Elan als zuvor ein.“ Wichtig, so der Wirtschaftsanwalt, sei dabei, dass man nicht erst dann an ein Sabbatical denkt, wenn die Arbeit vor lauter Anstrengung schon keine Freude mehr macht. „Sonst kann man sich nicht auf die Rückkehr freuen, und das ist schlecht“, so der Aussteiger auf Zeit.

Flexible Sabbatical-Modelle

Arbeitsüberlastung war jedoch nicht der Grund dafür, dass Paulina Reimann, Personaljuristin in der Erste Bank, bei ihrem Arbeitgeber ein einmonatiges Kurzsabbatical in Anspruch nahm. Im Gegenteil: „Ich wollte genügend Zeit haben, um meine Hochzeit in Ungarn vorzubereiten und dennoch nachher eine Hochzeitreise machen zu können. Dank der verschiedenen Modelle, die in unserem Hause angeboten werden, war all das unter einen Hut zu bringen“, berichtet Reimann.

Tatsächlich bietet das Geldinstitut seinen Mitarbeitern gleich sechs verschiedene Möglichkeiten an, sich für längere Zeit Luft vom Job zu verschaffen. „Am beliebtesten ist die sogenannte 9-plus-1-Variante“, so Reimann. Dabei verpflichten sich die Mitarbeiter, für neun Monate 100 Prozent ihrer normalen Arbeitszeit zu leisten, erhalten jedoch während dieses Zeitraums lediglich 90 Prozent ihrer gesamten Bruttobezüge. Dafür haben sie dann zu ihrem normalen Urlaubsanspruch noch einen weiteren bezahlten Monat zu ihrer freien Verfügung. Wer an mehr als einen Monat Extra-Urlaub denkt, kann sich bei der Erste Bank aber auch für Modelle entscheiden, die eine längere Rahmenzeit und eine dementsprechend längere Freizeitphase vorsehen.

Weshalb sich die Großbank für derartig flexible Lösungen entschieden hat, ist kein Geheimnis. „Entstanden sind diese Sabbatical-Modelle während der Finanzkrise. Kostenreduktion wurde da einfach zu einem wichtigen Thema“, erklärt Birgit Payer, Teamleiterin Placement und Recruiting, ganz offen. „Aber das ist nur ein Beweggrund. Als Arbeitgeber ist es uns sehr wichtig, dass Mitarbeiter erst gar nicht in die Nähe eines Burnouts kommen. Eine Auszeit zum richtigen Zeitpunkt ist eine gute Prävention. Wir wollen unseren Leuten die Möglichkeit geben, sich einfach einmal Zeit für die Dinge zu nehmen, die ihnen wichtig sind“, so die Personalexpertin der Erste Bank.

Selbstbewusst ins Sabbatical

Die überwiegende Anzahl der Sabbatical-Interessenten wollen laut Hernstein-Report ohnehin keine extremen Kapriolen schlagen, sondern sich verstärkt ihren Familien und ihren Hobbys widmen. Das bestätigt auch Reimann: „Ein Kollege ist in sein neues Haus gezogen und wollte die erste Zeit so richtig genießen. Eine andere Mitarbeiterin wollte ihren Mann, der für einige Zeit der Arbeit wegen ins Ausland gehen musste, dorthin begleiten.“ Auch Anwalt Christof Pöchhacker verbrachte seine Zeit recht unspektakulär: „Wir entnehmen während unseres Sabbaticals die vollen Partnerbezüge, könnten also gut und gerne auf der ganzen Welt herumreisen. Aber danach war mir gar nicht zumute. Am meisten habe ich es genossen, den Alltag mit meiner Familie stressfrei zu leben. Für die Kanzlei erreichbar war ich nur, wenn es wirklich wichtig war.“

Für Christoph Lindinger wäre nicht einmal das eine Option gewesen: „Wenn man in Notfällen zur Verfügung steht, brennt jeden Tag der Hut. Darum habe ich gleich alle Geräte zuhause gelassen.“ Auf die Frage, ob er Angst gehabt hätte, nach der viermonatigen Pause keine Akten mehr auf seinem Schreibtisch vorzufinden, meint er: „Ich glaube, man muss genug Selbstbewusstsein haben, wenn man sich auf eine Auszeit einlässt. Wenn man ein Team hat, auf das man sich verlassen kann, geht man davon aus, dass so etwas nicht passiert. Wenn doch, dann muss man eben wieder von vorne anfangen.“

– Judith Hecht

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