Alumni-Vereinigungen in Österreich orientiert sich an internationalen Vorbildern

Frühlingstreffs und Sommerfeste von Absolventenvereinen haben gerade Hochsaison. Übers Jahr betrachtet, ist die Kultur der Alumni-Vereinigungen in Österreich aber gerade erst dabei, sich internationalen Vorbildern folgend zu entwickeln.

Welche Vorteile habe ich, wenn ich Alumnus werde? Das ist die Frage, die Jungakademiker in Österreich zumeist unverblümt stellen, wenn Vertreter von Absolventenvereinen sie für eine Mitgliedschaft in einem solchen Alumni-Club begeistern wollen.

So muss ein Club schon mit einer ganzen Palette an Attraktionen aufwarten können, will er neue Mitglieder für sich gewinnen. „Als wir den Verein 1995 gegründet haben, waren wir uns alle nicht sicher, ob sich eine derartige Organisation in Österreich überhaupt etablieren kann“, sagt Verena Ulrich, Geschäftsführerin des WU-Alumni-Clubs. „Unsere Jungakademiker wollten – jedenfalls bis vor kurzem – nach Abschluss ihres Studiums die ersten Jahre lieber nichts mehr mit ihrer Ausbildungsstätte zu tun haben“, so Ulrich.

Ganz anders ist das in den USA: Für amerikanische Studenten ist es eine Selbstverständlichkeit, mit ihrer Universität auch nach Ende der Ausbildung in Verbindung zu bleiben und Kontakt mit Kollegen und Professoren zu pflegen.

Import einer US-Tradition

Diese Tradition gab es in Österreich nicht. Und die wenigen, die ihrer Alma Mater gerne treu geblieben wären, hatten dazu kaum Möglichkeit. Nur die Technische Universität Graz kann sich hierzulande eines schon seit 1887 bestehenden Alumni-Verbands rühmen. Eine krasse Ausnahme. Der Großteil der Absolventenvereinigungen anderer Hochschulen wurde erst in den letzten zehn Jahren aus der Taufe gehoben.

Umso mehr bemühen sich die Clubs heute, nicht nur Jungakademiker für sich zu gewinnen, sondern auch die älteren Semester unter den Absolventen an Bord zu holen. „Ich bin erst seit letztem Jahr Mitglied des WU-Alumni-Clubs, dafür aber mit großer Begeisterung“, erzählt Irene Szimak, Geschäftsführerin der Beiersdorf Holding. Während die Jungen gerne der Community beitreten, um neue Kontakte zu knüpfen, schätzt es Szimak, Verbindungen zu früheren Kollegen wiederaufleben lassen zu können: „Es ist schön, schlummernde Kontakte wieder aufzufrischen. Genauso wichtig ist es mir, zu erfahren, wie der Unibetrieb heute läuft und wie die Studierenden ausgebildet werden. Der Austausch ist für beide Seiten interessant.“

Service für Mitglieder

Die eigenen Mitglieder bestmöglich zu servicieren, das hat sich der Alumni-Club der Fachhochschule Wien zum Ziel gesetzt. Der erst fünf Jahre alte Club finanziert sich nicht nur durch die Beiträge seiner Mitglieder, sondern wird auch von der FH selbst unterstützt. „Wir machen nicht erst nach dem Studium auf uns aufmerksam, sondern bieten viele Veranstaltungen an, zu denen wir auch Studierende einladen“, sagt Silke Cubert, Geschäftsführerin des Absolventenvereins der FH Wien. Abende, an denen trainiert wird, wie man sich am besten bei einem Bewerbungsgespräch verhält, wie man einen Lebenslauf richtig verfasst oder Spezialführungen durch bekannte Unternehmen werden von den Alumni und denen, die es bald sein werden, gut angenommen.

„Mittlerweile sind 14 Prozent aller Absolventen aktive Mitglieder. Das ist im Vergleich ein sehr guter Schnitt“, sagt Cubert. Roland Schrempf, Personalchef von Coca-Cola Österreich, wundert das nicht: „Während der schulähnlichen Ausbildung hat man mit dem gesamten Jahrgang intensiven Kontakt, und daraus entwickelt sich Loyalität.“ Für FH-Wien-Absolvent Schrempf, der immer wieder selbst Vorträge für Clubmitglieder hält, steht bei allen Aktivitäten die soziale Komponente im Vordergrund: „Man trifft auf viele verschiedene Menschen, die alle ihren Weg gehen. Ich selbst profitiere auch sehr von den Erfahrungen der anderen. Man hört von Tipps und Tricks, die auch für die eigene Karriere brauchbar sein können. Aber wer mit Berechnung an die ganz Sache herangeht, ist hier fehl am Platz.“

Stanford in Österreich

Von der fordernden Erwartungshaltung, mit der Alumni hierzulande häufig Absolventenvereinigungen beitreten, ist auch Laurence Yansouni befremdet. Sie ist Stanford-Absolventin und gründete 2007 den österreichischen Alumni-Club der US-Uni: „Keiner von uns würde fragen: Was bringt mir die Mitgliedschaft? Sondern vielmehr: Was können wir zu dem Club beitragen? Und was können wir unserer Universität zurückgeben, nachdem wir dort so viel Gutes bekommen haben?“ Alleine im vorigen Jahr, so Yansouni, habe Stanford 450 Millionen Dollar an Schenkungen von Alumni erhalten.

„Manchmal kontaktiert uns das Stanford Admission Office und bittet uns, Bewerber aus Österreich hier zu interviewen“, sagt Thomas Meinl, Absolvent der Stanford University und Exportdirektor für die USA bei Julius Meinl Austria. „Wenn Stanford-Alumni nach Österreich ziehen und Tipps benötigen, ist es ganz selbstverständlich, dass wir für sie da sind“, berichtet Meinl. „Jeder hier ist bereit, die Stanford University und deren Community zu unterstützen.“

Jus-Alumni im Aufbau

„Von den exklusiven Netzwerken, die es an amerikanischen Elite-Unis gibt, kann man hier nur träumen“, sagt Heinz Mayer, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien und selbst deren Alumnus. „Aber mir ist es sehr wichtig, dass wir endlich beginnen, diese Idee aufzubauen.“ Von der Universität erhält der Club der Jus-Alumni keinerlei finanzielle Unterstützung, was den Start nicht leichter machte.

„Anfänglich ist der Club so vor sich hin gedümpelt. Heute ist das anders. Und unser Engagement macht sich durch stark steigende Mitgliederzahlen bemerkbar“, sagt Mayer. Junge Kollegen freuten sich vor allem über die Offenheit, mit der namhafte Richter, Anwälte und Professoren ihnen bei diversen Diskussions- und Fortbildungsveranstaltungen begegnen. Nicht zu vergessen: das Sommerfest. „Gute Gespräche ergeben sich leichter, wenn man zwanglos an einem Tisch zusammensitzt. Wir achten auch sehr darauf, dass sich die Leute untereinander bekannt machen“, so Mayer, „aber wir sind nicht dazu da, Leute in Karrieren zu vermitteln.“

Das sollte sich wohl auch niemand erwarten, der zum Alumni-Club der Medizinischen Universität Wien stößt. Für den Neurochirurgen Camillo Sherif waren die Treffen mit Kollegen – gerade als er von einem längeren Auslandsaufenthalt in der Schweiz zurückkam – dennoch besonders wertvoll: „Es war für mich eine gute Möglichkeit, rasch wieder Anschluss zu finden und Einblick zu bekommen, wie die Abläufe hier funktionieren. Wenn man von extern kommt, ist es für das Fortkommen sehr wichtig, die realen Machtverhältnisse zu begreifen.“

– Judith Hecht

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