Zurück zur Natur: L’Oréal-Managerin Andrea Schmoranzer-Jerabek zieht es in die Berge

Andrea Schmoranzer-Jerabek, General Manager für die L’Oréal-Luxusprodukte, tankt ihre Energie in den Bergen. In der Wüste philosophiert sie über das Leben. Und mit Hund Jasper holt sie sich den täglichen Frischekick.

Andrea Schmoranzer-Jerabek, 47, hat einen Taum­­job. Zumindest viele Frauen werden das so sehen. Als General Manager bei L’Oréal ist sie zuständig für alle Luxusprodukte des internationalen Konzerns wie Lancôme, Biotherm, Helena Rubinstein, ­Giorgio Armani oder Diesel. Die promovierte Handelswissenschaftlerin rückt aber gleich zurecht: „Der Job hat zwar viele angenehme ­Begleiterscheinungen, aber letztendlich ist es egal, welches Produkt man vermarktet, im Endeffekt geht es um Zahlen.“

Karrierestart bei Unilever
Der Karriereweg der Kosmetikmanagerin war alles andere als ein Spaziergang. Sie wusste immer, was sie wollte. Hatte ihr Ziel klar vor Augen. Und erreichte es schlussendlich auch. Ihre ersten beruflichen Erfahrungen machte Schmoranzer-Jerabek Ende der 80er bei Unilever, wo sie als erste weibliche Key-Account-Managerin gegen die letzten männlichen Bastionen ankämpfte. Sieben Jahre später wurde sie für die Vertriebsdirektion der Luxusab­teilung bei L’Oréal abgeworben. 1998 wurde ihr Sohn geboren. „Ich bin acht Wochen nach der Geburt wieder arbeiten gegangen“, erzählt sie von bewegten Zeiten.

Unterstützung vom Ehemann
Wenn man als Frau so agiert, ruft man auch Kritiker auf den Plan. „Ich musste mit dem Bild leben, eine beinharte Karrierefrau zu sein. Und es ist ein langer Weg, bis man damit leben lernt“, lässt Schmoranzer-Jerabek Revue passieren. Die Mühe hat sich gelohnt. „Ich mag meinen Job sehr und habe heute trotzdem Zeit, mein Privatleben zu genießen.“ Nicht zuletzt, weil sie ihr Ehemann stark unterstützt. Dem Sohn bäckt sie die Geburtstagstorte immer selbst. „Das muss sein. Er soll doch nicht darunter leiden, dass ich berufstätig bin“, scherzt sie. „Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft, da schöpfe ich meine Kraft.“

Hoch oben in Lech
Der Spagat gelingt der Managerin nach ihren Vorstellungen ganz gut. Ihre Energietankstelle ist die Natur. Die in Linz und Hinterstoder aufgewachsene Frau zieht es deshalb oft in die Berge. „Wenn ich da oben stehe, werden die Sorgen kleiner, verlieren die Bedeutung.“ Ihr Lieblingsgebiet ist Lech am Arlberg, wo sie viermal im Jahr weilt und die schönsten Wanderwege begeht. Zur Auswahl stehen insgesamt 350 Kilometer.
Seil und Pickel braucht die Managerin nicht, denn sie ist nicht ganz schwindelfrei und meidet daher richtiges Klettern. „Dort oben wird man auch demütig, kommt wieder im wahrsten Sinne des Wortes auf die Erde zurück.“ Das gelingt auch, wenn sie auf den Spuren der Kindheit in Hinterstoder wandelt.

In der Oase Tamanrasset
Schmoranzer-Jerabek mag aber zum Beispiel auch die algerische Wüste. „Ab und zu ist es wichtig, dass man sein Leben hinterfragt. Schaut, ob man bis jetzt alles richtig gemacht hat. Und da eignet sich so ein Ort der Ruhe wie die Oase Tamanrasset hervorragend. Jesus ist auch in die Wüste gegangen, um nachzudenken“, erklärt die Managerin. Seit kurzem hat sie den Ansporn, täglich noch mehr Frischluft zu genießen: mit dem neuen Familienmitglied, dem Hund Jasper, einem schwarzen Hovawart, der noch ein Baby ist und viel Auslauf braucht.

Trotz Krise gewachsen
Wichtig ist ihr jedenfalls, regelmäßig ihre Festplatte zu löschen und die Speicher neu aufzufüllen. Dann ist alles im grünen Bereich. Das Familienleben und der Job. Umsatz und Gewinn sind bei L’Oréal trotz Wirtschaftskrise gewachsen. In Österreich erwirtschafteten 210 Mitarbeiter 125 Millionen Euro. „Wir haben in unserem kleinen Land den Vorteil, dass wir viele Produkte hier als Erster ausprobieren können, weil wir schnell die Nähe zum Kunden herstellen können“, erzählt Schmoranzer-Jerabek, die trotz Wirtschaftskrise noch keine Mitarbeiter einsparen musste. Das tut sie lieber beim Material. So hat sie etwa bei ihren Abteilungen einen Preis für die geringsten Kopierkosten ausgeschrieben, Motto: „Think about the environment before you print“.

Mit Grillparzer durchs Leben
Ob sie eine strenge Chefin ist? „Ich möchte nicht geliebt, sondern respektiert werden“, antwortet sie. „Disziplin und Zielstrebigkeit haben Zeit meines Lebens eine große Rolle gespielt“, lautet die Selbsteinschätzung. Das Sparen hat sie von ihrem Vater. Während des Studiums hat sich Schmoranzer-Jerabek häufig von Linsen aus der Dose und Kartoffeln ernährt. Und mit der Großmutter hat sie um Geld Rummy gespielt, um besser über die Runden zu kommen. Noch heute ist sie ein Rechenfuchs. Ihr Leitspruch stammt von Franz Grillparzer: „Sei immer du, und sei es ganz“.

Gabriela Schnabel

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