Zu Gast bei Albertina Direktor Klaus Albrecht Schröder

Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder hat nur ein kleines privates Zeitbudget. Das verbraucht er am liebsten mit Sohn Konstantin im Prater, beim Fechten oder beim Kicken. Seine schrägste Leidenschaft ist das Zeitunglesen um fünf Uhr früh.

Klaus Albrecht Schröder, 55, der Direktor der Albertina, ist quasi rund um die Uhr für sein Museum tätig. Trotzdem sieht er sich nicht als Workaholic. „Ist es Arbeit, wenn ich mit Sammlern durch die Kunstmesse in Basel streune, wenn ich im Vatikan den Apoll und den Torso von Belvedere genießen kann oder im Centre Georges Pompidou den Maler Georg Baselitz treffe?“, überlegt er. „Nein“, lautet seine Antwort. Die Albertina „okkupiert“ zwar sein Denken weitestgehend, und er „sondiert unentwegt“ Situationen, in denen er etwas für sein Museum tun kann, doch die Übergänge zwischen Job und Passion sind fließend. „Die Albertina ist für mich Beruf, Leidenschaft und Privileg“, schließt er. Privileg ist für den Kunstmanager, berühmte, bedeutende Sammler und Künstler zu treffen. Und auch diese Privilegien nutzt er für sein Museum.

Die Hälfte des Jahres ist der Kunstbesessene auf Reisen. Die Zeit, in der der Mann vollkommen abschalten kann, ist in der Tat begrenzt. Schröder ist auch immer wieder erstaunt, dass Menschen in leitenden Positionen oftmals sehr zeitaufwendige Hobbys betreiben. „Entweder bin ich schlecht organisiert, oder mein Unternehmen ist so klein, dass es noch mehr auf mich angewiesen ist“, so sein Resümee.

Doch auch Schröder findet Zeit-Schlupflöcher, in denen er abschalten kann. Meist nutzt er diese Job-Abstinenz, um mit seinem Filius Konstantin, 7, in den Prater zu gehen, Rad zu fahren, zu fechten oder Fußball zu spielen. Ab und an findet der Museumsdirektor gar den Weg ins Fitnesscenter, wo er, lässig in Abercrombie & Fitch gestylt, sein Workout betreibt. Der dezente Hinweis auf legere Kleidung ist Schröder wichtig, denn es gebe immer Menschen wie zuletzt einen prominenten Künstler, der meinte: „Du hast wohl immer nur Anzüge an.“ „Natürlich bin ich sonntags mit Shorts unterwegs, ich bin ja kein Trottel“, lässt er seinem Ärger freien Lauf.

Wenn jemand an Schröders Intelligenz zweifelt oder, noch schlimmer, ihn jemand seiner ohnedies knapp bemessenen Zeit beraubt, kann er in die Luft gehen. Erst kürzlich wollte er seinem Sohn Konstantin eine Freude bereiten und besuchte mit ihm das Stadionbad im Prater. Doch der Schwimmbadbesuch wurde für Schröder zum Alptraum. Eine halbe Stunde in der prallen Sonne um Karten anstehen und dann im überfüllten Schwimmbad einen Platz suchen, das war zu viel für Vater und Sohn. „Wir sind nach zwanzig Minuten geflüchtet. Auf Facebook habe ich dann geschrieben, dass ich jetzt wahrscheinlich in der Wirklichkeit angekommen bin und meine Sehnsucht nach den Malediven groß ist.“ Dafür entschädigte Schröder seinen Sohnemann dann mit einem fünfstündigen Besuch im Dianabad. Die Frage, ob ihm das ein größeres Vergnügen bereitete, ließ er unbeantwortet.

Trotzdem: „Konstantin liebt das Dianabad“, und das ist Grund genug, das Bade-Eldorado zu besuchen.

Das offene Wort im Social Net

Facebook nutzt Schröder einerseits, um das Interesse der Öffentlichkeit an seiner Person zu befriedigen. „Ich gebe hier gewisse Einblicke in Theaterstücke und Filme, die ich gesehen habe, und Reisen, die ich gemacht habe. Das interessiert die Menschen.“ Auf Facebook konnte man etwa nachlesen, dass es Schröder „fremd und unaufgeklärt“ vorkommt, wenn japanische Frauen vor ihm niederknien. Er beschrieb auch all die Tiere auf seinem Teller, den Geschmack und „ihre Bewegungen während ihrer Todeszuckungen“. Dass er im weltweiten Netz möglicherweise zu viel von sich preisgibt, davor hat der Museumsdirektor keine Angst. „Ich veröffentliche ja keine Nacktfotos, wo ich mir in zwei Jahren denken müsste, mein Gott, damals hast du dich ausgezogen.“ Übrigens: Für die Facebook-Einträge wendet Schröder nur wenige Minuten auf. „Das benutze ich sparsam.“

Zurück auf den Kinderspielplatz, in den Prater

Konstantin liebt die Achterbahn im Prater. „Die ist nicht mehr die alte, die mir Vergnügen bereitet hat“, seufzt Schröder, „sondern die ganz schnelle. Da scheiß ich mich an vor Angst. Damit sich Konstantin nicht fürchtet, erzähle ich ihm während der Fahrt meist eine ihm vertraute Geschichte.“ Viel wohler ist dem Albertina- Direktor schon, wenn er mit beiden Beinen auf dem Boden ist, wie beim Fechten oder dem Fußballspielen. Wenn die beiden Herren das Florett ziehen, muss jeder seine Rolle haben. Schröder schlüpft meist in die Rolle von Athos oder Porthos, einem der Musketiere. „Es wird gefochten auf Teufel komm raus. Aber am Schluss müssen wir immer Freunde sein“, erzählt Schröder lachend.

Gekickt wird meist im geräumigen Vorzimmer. Dann wird „gepfeffert, dass es nur so scheppert“. Das Spielen mit seinem Sohn macht Schröder große Freude. Doch sich ständig verstellen zu müssen und in Rollen zu schlüpfen behagt Schröder doch nicht so ganz. „Kinder können letztendlich doch besser mit Kindern spielen“, gibt er zu und verrät seine ganz große Leidenschaft.

Die heimliche Kraftquelle

„Wenn man mich fragen würde, wobei ich mich wirklich entspanne, dann wäre das ganz einfach Zeitunglesen“, outet sich Schröder. Dafür kann er auch ein großes Opfer bringen und um fünf Uhr früh aufstehen, damit er diese zwei, drei Stunden hat, die „Zürcher“, die „FAZ“ und die „Süddeutsche“ zu lesen. Von vorne bis hinten, den Wirtschaftsteil, das Feuilleton, die Politik, die Wissenschaft, „das ist mein wahrer Krafttanker. Und wenn ich das Schönste nennen darf, dann ist das, auf den Malediven zu sitzen mit vielen Zeitungen, die ich liebe. Das ist das, wonach ich suche, wonach ich mich sehne und was mir eines Tages ganz geschenkt werden wird. Ich bin ja vom Wesen her ein Einzelgänger. Ich habe zwar die Fähigkeit zum Social Life, aber vom Wesen her macht mich die Zweisamkeit glücklich, die Stille, die Ruhe.“ Zitat Ende!

– Gabriela Schnabel

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