Zoo-Direktorin Dagmar Schratter beim Rendezvous mit Tier und Mensch

Die Passion der Schönbrunner Zoo-Direktorin Dagmar Schratter sind Tiere jeder Gattung. Am Wochenende widmet sie sich ausschließlich der Hündin Wanda und kocht ihren Lebensgefährten Josef Eisner nach allen Regeln der Kunst ein.

Eigentlich wollte Dagmar Schratter, 57, Krankenschwester werden. Jetzt ist sie im fünften Jahr Direktorin des Tiergartens Schönbrunn. Ein Job, der ihr geradezu auf den Leib geschneidert ist. Als die gebürtige Kärntnerin als Vizedirektor die Nachfolge von Helmut Pechlaner antrat, kannte sie praktisch alle Aspekte eines Zoos von der Pike auf. Sie ist nämlich nicht nur promovierte Biologin, sondern hat auch eine Lehrabschlussprüfung als Tierpflegerin. Bis Anfang der 80er war die Biologin Mitarbeiterin des Verhaltensforschers Otto Koenig und des steirischen Tierparks Herberstein. Dort verfasste sie auch ihre Doktorarbeit über „Die Jugendentwicklung beim Alpensteinbock“.

Zu ihren Lieblingstieren zählen Große Pandas, Panzernashörner und Tauernscheckenziegen – die Liste ließe sich endlos verlängern. Einzig zu den Spinnen hat Schratter nicht gerade ein Naheverhältnis. „Es hat Jahre gedauert, bis ich meine Angst vor Spinnen verloren habe“, gesteht sie. Schratter zählt sicher zu den Menschen, die in ihrem Job ganz und gar aufgehen. Auf die Frage, wie viele Stunden sie arbeitet, antwortet sie: „Eine 40-Stunden-Woche ist es sicher nicht. Der Terminkalender ist nur ein Rahmen, denn ich weiß am Morgen nie, was mich am jeweiligen Arbeitstag erwartet.“

Die Frühaufsteherin ist meist vor 7 Uhr im Tiergarten, und an manchen Tagen ist trotzdem erst um Mitternacht Dienstschluss. Auf der anderen Seite hat Schratter auch „ein großes Privileg“, wie sie zugibt: „Ich habe eine Wohnung im Schlosspark mit kleinem Balkon und Blick zur Gloriette, das ist echte Lebensqualität.“ Sie genießt den täglichen Fußweg von ihrer Wohnung in den Tiergarten, viel mehr Zeit zum Entspannen bleibt ihr unter der Woche kaum.

Umso mehr genießt Schratter die Wochenenden. Wenn sie Freitagabend in ihr Auto steigt und nach hause fährt, lässt sie den beruflichen Stress gänzlich hinter sich. In Steyr, wo sie seit drei Jahrzehnten ihren Hauptwohnsitz hat, erwarten Schratter ihr Lebensgefährte, der Biologe Josef Eisner, und die 14 Jahre alte Gebirgsschweißhündin Wanda. „An den Wochenenden entspanne ich total, lese viel und gehe spazieren.“

Eine echte Passion von Schratter ist das Kochen. Unter der Woche kommt die Biologin ja kaum dazu. Da kommt auf den Tisch, „was Singles rasch zubereiten können: im Sommer Salate und im Winter Nudeln in allen Varianten“, erzählt sie. Doch am Wochenende verwöhnen sich die Lebensgefährten wechselseitig nach allen Regeln der Kunst. Das Besondere dabei: „Einer von uns kauft die Lebensmittel ein, und der andere muss aus diesen Zutaten ein Menü erstellen, allerdings ohne Zuhilfenahme eines Kochbuchs“, erklärt Schratter die Spielregeln. In jedem Fall sind bei dieser Art des Kochens große Kreativität und Fantasie gefragt.

Biber als Fastenspeise

Das Vorbild bei diesen Kochsessionen ist Schratters aus Norddeutschland stammende Mutter, die sich bestens auf Eintöpfe verstanden hat. „Mutter hat immer gesagt, ein Steak in der Pfanne brutzeln, das kann jeder. Mit wenigen Produkten etwas Schmackhaftes zuzubereiten, das ist die eigentliche Kochkunst“, zitiert die Biologin.

Die Vielleserin Schratter schmökert freilich auch gern in Kochbüchern, vornehmlich in alten, wie etwa dem Standardwerk „Süddeutsche Küche“ von Katharina Prato. „Da schaue ich ab und zu rein, sonst sind diese Kochbücher weniger zum Anwenden als zum Lesen da“, so Schratter.

Vor allem im „Universal Lexikon der Kochkunst“ gibt es kuriose Rezepte mit Bären, Wacholderdrosseln oder Bibern, die nachzukochen heute undenkbar wäre. „Der heute unter Schutz stehende Biber landete vornehmlich zur Fastenzeit in hungrigen Mägen“, berichtet die Zoologin. „Da die Katholiken in der Fastenzeit kein Fleisch, wohl aber Fisch essen durften, deklarierten sie den Vierfüßer kurzerhand um. Weil er ständig im Wasser schwimmt und sein Schwanz fischförmig ist, handle es sich beim Biber eindeutig um einen Fisch, ergo um eine geeignete Fastenspeise, kann man nachlesen.“

Aus zoologischer Sicht für Schratter interessant, aber keinesfalls zum Nachahmen. Da hält sie sich lieber an die Rezepte des „Tiger-Kochbuchs“, das ihr eine vierte Klasse Volksschule aus Neufeld im Burgenland geschenkt hat. Der Inhalt: Rezepte wie Fleischlaibchen ohne Fleisch, Speisen, die dem Gedanken der Nachhaltigkeit Rechnung tragen und die jedes Kind nachkochen kann. Das Buch, ein Jahresprojekt der „Tiger-Klasse“, wurde über den Elternverein verkauft. „Um den Erlös haben die Kinder eine Tiger-Patenschaft übernommen“, freut sich Schratter über die Aufmerksamkeit.

Dieses Jahr wird der Job der Zoodirektorin neu ausgeschrieben. Schratter möchte auf jeden Fall weitermachen: „Ich hoffe schon, dass ich diesen Job noch einmal fünf Jahre machen darf. Danach bin ich ohnehin pensionsreif.“

– Gabriela Schnabel

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