Volle Konzentration auf die Kugel: Rainer Trefelik entspannt am Flipperautomaten

Rainer Trefelik, Geschäftsführer des Damenmodengeschäftes Popp & Kretschmer, ist seit seiner Jugend ein Meister am Flipper­automaten. Freispiele und Jackpots erfreuen sein Herz. Ein Tilt macht ihn ziemlich zornig.

Rainer Trefelik, 39, Geschäftsführer des traditionellen Damenmodengeschäftes Popp & Kretschmer, vis-à-vis der Wiener Oper, beschreibt sich selbst als „grundsätzlich ruhigen Menschen“. Er kann aber schon „ein extremes Häferl“ sein, und da „fliegt auch schon mal etwas durch die Gegend oder geht zu Bruch“, gibt der Jungunternehmer ohne Umschweife zu. In seinen Brotberufen –Trefelik ist auch Präsident des Fonds der Wiener Kaufmannschaft – muss der Mann freilich stets Contenance zeigen. Fliegende Porzellantassen kommen ja weder im luxuriösen Fashionshop noch in den Schulen besonders gut an. Doch Trefelik weiß genau, wie er überschüssige Energien kanalisieren kann: „Am besten entspanne ich, wenn ich am Flipper­automaten spiele. Da konzentriere ich mich nur noch auf die ­Kugel und die Koordination der Übungen.“

Flippern: weder online noch zuhause
Obwohl „Flippern“ quasi wieder angesagt ist, sind die wirklich guten Tage der klingelnden, bunt leuchtenden Pinball Machines Mitte der 90er-Jahre zu Ende gegangen. Das Spiel gibt es natürlich schon lange auch online, doch diese virtuelle Art des Kugelspiels findet Trefelik nicht mehr „ganz so lustig“. „Zu­hause flippern finde ich fad, da gibt es keinen Wettbewerb. Das Spannende ist ja, dass man sich auf einem öffentlichen Automaten mit anderen Spielern misst und so auch einen Highscore (bestes Ergebnis) brechen kann. Das war früher, ja früher, das war noch was. Da ist Trefelik mit einem Freund und dessen Vater durch Traiskirchen und ­Baden gezogen, um abendlich an den Flipper-Automaten Punkte ab­zuräumen. „Wir waren so gut unterwegs, dass wir fast immer mit zwanzig Schilling Spielgeld den ganzen Abend ausgekommen sind, weil wir immer viele Freispiele gewonnen haben.“ Heute geht er meist in die Flipperhalle im Wiener Auhof.

Kugelspiel mit Köpfchen
Von seinem Können, aber vor allem von seinem Wissen hat der Mann nichts verloren. Das Reglement beim Flipper-Spielen ist übrigens Seiten füllend. Für jene, die zu jung sind oder nicht zur Interessengruppe des Kugelspiels gehören, hier eine kurze Einführung: Der Flipper­automat ist ein Geschicklichkeitsspielautomat ohne Geldgewinnmöglichkeiten. Ziel des Spiels ist es, eine Metallkugel mithilfe von zwei Hebeln, die im Deutschen ebenfalls „Flipper“ genannt werden, auf einem abschüssigen Spielfeld möglichst lange im Spiel zu halten. Der Spieler betätigt die Flipperhebel über Knöpfe links und rechts des Spielgehäuses. Zwischen den beiden Hebeln befindet sich so viel Platz, dass die Kugel nicht immer getroffen werden kann und dann die Spielfläche zwischen den Flipperhebeln verlässt. Auf dem Spielfeld gibt es unter anderem leuchtende Türmchen; werden die von der Kugel berührt, klingelt es lautstark, und man kann zusätzliche Punkte sammeln.

Bumper, Spinner und andere Feinheiten
Doch was ist so faszinierend am Flippern? „Das wirklich Spannende ist Multiball“, erklärt Trefelik, „da geht es so richtig zur Sache.“ Sprich: Man bespielt gleichzeitig mehrere Kugeln, die man auch alle einlochen muss.“ Wichtig ist jedoch, dass man so viele Treffer wie möglich erzielt. Die Ziele dabei sind beispielsweise sogenannte Bumper, die in engem Abstand zueinander stehen, sodass die Kugel viele Male in hohem Tempo zwischen den Bumpern hin und her geschlagen wird. Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren die „Drop Targets“, werden sie getroffen, versinken sie. Die „Spinner“ wiederrum sind Propeller die sich zu drehen beginnen, wenn sie von der Kugel getroffen werden. Und je öfter sie sich drehen, desto mehr Punkte erzielt man. Kling, kling, kling, brrrrrr! Der Punktestand rattert immer höher hinauf. Freunde der deutschen Sprache mögen verzeihen, dass das ­angelsächsische Vokabular hier Vorrang hat, doch der Erfinder des Flippers war David Gottlieb, ein Geschäftmann aus Chicago, der seine „Flipper“-Firma in den 30er-Jahren gründete.

Freispiel dank Vater
Trefelik freut sich wie ein kleiner Junge. Er pusht den Automa­ten, rüttelt ihn hin und her, damit er den Lauf der Kugel beeinflussen kann. Verdammt, Tilt! Der Tilt-Mechanismus bestraft das Schlagen oder Anheben des Automaten, indem er alle Spieleleme­te außer Kraft setzt und dafür sorgt, dass der Spieler die Kugel verliert. Pech. Und noch einmal. Yeee! Endlich, Trefelik hat ein Freispiel gewonnen. Die Punktezahl geht wieder hoch. Jetzt schafft er gar einen Jackpot. Trifft man ein schwer zu erreichendes Ziel oder schafft man eine komplizierte Trefferfolge, wird der sogenannte Jackpot zu den bisher erreichten Punkten addiert. Wer nun glaubt, der Unternehmer verbringe mehr Zeit in Flipperhallen als im Job, dem sei an dieser Stelle gesagt: Trefelik versucht seine Zeit so gut wie möglich zwischen Popp & Kretschmer und dem Fonds der Wiener Kaufmannschaft aufzuteilen. Sein großer Vorteil dabei: Sein Vater Peter Trefelik ist nach wie vor in die Leitung des Modegeschäftes voll eingebunden. Und so hat Trefelik junior manchmal ein Freispiel.

Gabriela Schnabel

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