Vize-Polizeichefin ist Spielefan: 'Ich will zuhause nicht mehr groß denken müssen'

Michaela Kardeis, die Vizepräsidentin der Wiener Polizei, bewältigt ihren harten Job spielerisch: mit Karaoke, Autorennen oder Mega-Quiz als Ausgleich.

Michaela Kardeis, 38, erwacht. Sie schlägt die Augen auf und versucht, mit der Hand den Fußboden zu er­tasten. Sie greift ins Leere. „Gut so“, denkt sie, „ich liege zuhause in meinem Bett.“ Die Tastbewegung nach dem Boden gibt der Wiener Polizeivizepräsidentin die Gewissheit, dass sie nicht gerade wieder einen beruflichen Marathon hinlegt. Bei großen Einsätzen wie etwa Demonstrationen oder Fußball-Großereignissen arbeitet die gebürtige Salzburgerin nämlich bis zu 26 Stunden am Stück. Kurze Erholungsphasen finden dann lediglich auf einer Luftmatratze im Präsidium statt. Deshalb der Kontrollgriff zum Boden.

Um 8.15 Uhr zum Rapport

Auch wenn so ausgedehnte Dienste nicht alltäglich sind: Als Präsidial­chefin, die 900 Mitarbeiter befehligt, und als Vertreterin des Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl ist Kardeis immer einsatzbereit. Täglich um 8.15 Uhr erscheint sie mit den anderen Führungskräften beim Chef zum Rapport, um Meldung über aktuelle Vorkommnisse zu machen. „Salutiert wird nicht, doch der Ordnung halber steht jeder auf, das gebietet der Anstand“, beschreibt Kardeis die strammen Gepflogenheiten. Das Mobiltelefon ist rund um die Uhr an, die Ausnahme ist der Urlaub. „Ich hasse das Handy“, rutscht es der Spitzenpolizistin raus. Nicht ganz unverständlich, zumal das Gerät schon so manchen Kinoabend zerstört hat, da es kurz vor Filmbeginn zum Einsatz rief. „Mein Mann mag mit mir deshalb gar nicht mehr ins Kino gehen“, sagt sie augenzwinkernd.

Nerven aus Stahl

Die permanente Aufmerksamkeit im Job erfordert nicht nur gute Nerven, sondern bedingt auch, sich dazwischen Ruhepausen zu gönnen. Und das tut Kardeis auf spielerische Art. Die Hobbys wechseln zwar oft – eine Zeit lang bemalte sie Kerzen oder musizierte auf dem Hackbrett. Ein Allzeit-Favorit sind jedoch Gesellschaftsspiele: „Die stehen bei mir hoch im Kurs. Ich will zuhause einfach nicht mehr groß denken müssen.“ Was nicht verwundert, weil Kardeis ­neben ihrem Brotberuf derzeit noch einen Controller-Lehrgang besucht.

Erfolgreiche Grüblerin

Das ist typisch für die Salzburgerin, die Zeit ihres Lebens danach gestrebt hat, beruflich etwas Besonderes zu tun. Einen Uniformtick hatte sie schon als Kind. Vor allem weiße Kittel haben es ihr angetan, und das Helfen war für sie immer selbstverständlich. Eigentlich wollte sie Kinderärztin werden, wechselte jedoch mangels eines freien Turnusplatzes in das juristische Fach. Kardeis war nicht nur die Erste in ihrer Familie, die ein Studium absolvierte, sie war im Jahr 2001 auch die erste Polizei­direktorin Österreichs.

Überraschenderweise bezeichnet sich die Frau, die immer erreichte, was sie sich vorgenommen hat, selbst als Grüblerin und Pessimistin. Funktionieren tut deshalb alles, weil sie immer „einen Plan B, C und D parat“ hat. Viele, die so wie Kardeis ständig unter Strom stehen, sind auch nicht in der Lage, ihr Hirn nach Dienstschluss abzugeben. Deshalb hat die Exekutivbeamtin vor zwei Jahren mit autogenem Training begonnen. „Das hilft sehr beim Abschalten.“

In dieser Zeit kam Kardeis auch erstmals mit Computerspielen in Berührung. „Schuld ist eigentlich mein Mann, der mich mit diesem Virus infiziert hat“, erzählt sie lachend. Und zu Weihnachten 2008 lag unter dem Baum ihre erste PlayStation.

Spielkonsole vom Weihnachtsmann

So, wie andere Paare gemeinsam ein Kreuzworträtsel lösen, ist es für das Ehepaar Kardeis selbstverständlich, sich mit der PlayStation am Wochenende die Zeit zu vertreiben. Langeweile kommt bei den beiden nicht auf. Immerhin gibt es gut 4.000 verschiedene Spiele, unterteilt in Genres wie Abenteuer, Racing, Sport, Rollenspiele und vieles mehr. Das Kardeis-Duo tritt gerne bei Autorennen gegeneinander an oder pilotiert Flugzeuge im Echtzeitmodus. „Eine ganz große Passion von mir ist das Karaokesingen“, verrät die Polizistin. Lieblingslied ist „What’s up“ von 4 Non Blondes.

Ein Hit ist für Kardeis auch „Buzz! – Das Mega-Quiz“. Bei dieser Allgemeinwissen-Show sind, ähnlich wie bei Trivial Pursuit, bis zu 5.000 Fragen zu beantworten. Hierbei ist es freilich schon von Vorteil, wenn man seine grauen Gehirnzellen zuhause wieder einschaltet. „Doch das ist eine andere Art von Konzentration“, sagt die Berufspolizistin.

Tratschen und Gatschen

Ihre Spielleidenschaft teilen sie und ihr Mann auch mit zahlreichen gemeinsamen Freunden. „Gelegentlich veranstalten wir Karaoke-Partys oder spielen Activity“, erzählt Kardeis. Beim Gesellschaftsspiel Activity muss man fast kriminalistische Fähigkeiten haben. Das heißt: schnell sein und Augen wie ein Profiler haben. Binnen 60 Sekunden bestimmte Begriffe zu erraten, die nur pantomimisch dargestellt oder gemalt werden, das liegt der Dame berufsbedingt.

Und wenn der Ehemann keine Zeit zum Spielen hat, lädt Kardeis ihre Jugendfreundinnen zur „Königinnenrunde“. Der Name stammt daher, dass die ers­ten Treffen der Mädels am Dreikönigstag stattfanden. Und da wird getratscht und gegatscht, wie das Mädels eben gerne tun.

Gabriela Schnabel

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