Unternehmerstolz dank Mikrokredit: Ein Wirtschaftswunder namens Waschmaschine

Wie ein Mikrokredit zehn äthiopischen Behinderten Respekt und Würde brachte – und nebenbei ein regelmäßiges Einkommen sicherte.

Shimeless Wase ist ein schüchterner Mann. Schwer fällt es ihm, den Blickkontakt zu halten. Mal schaut er auf den Boden, dann wieder in den Himmel hinauf. 45 Jahre sei er alt, erzählt er nervös und wirkt zehn Jahre älter. Mit Stolz trägt er seinen blauen Fabrikskittel. Immerhin sei er nun Unternehmer und müsse repräsentieren. Im September ist es warm in Südäthiopien. Besonders heiß ist es in Awassa, wo der kleine Mann seit Jahren lebt. „Das ist gut fürs Geschäft“, lacht Wase und wischt sich mit einem Taschentuch die Schweißperlen von der hohen Stirn. „Sehr gut fürs Geschäft.“
Vor zehn Wochen habe sich sein Leben grundlegend verändert. Gemeinsam mit Freund Tola Roba und acht anderen gründete er eine Wäscherei. Seither gilt er als Unternehmer und wird sogar vom Kebele-Boss – eine Art Bezirkshauptmann – respektvoll behandelt.

Ganz unten in der Hackordnung
Früher hatten Wase und Co wenig zu lachen. Sie wurden beschimpft, ignoriert und führten ein Leben im Schatten. Was sie einte, trennte sie vom Rest: die körperliche Behinderung. Durch Polio gelähmte Hände, Klumpfüße oder Knie-Fehlstellungen. In Äthiopien, wo der Durchschnittsbürger weniger als 85 Euro im Monat verdient, standen sie in der Hackordnung ganz unten. Im Integrated Community Center (ICC) in Awassa lernten sich die zehn kennen. Das Zentrum gehört dem „Licht für die Welt“-Partner Cheshire Services Ethiopia. Dort werden orthopädische Hilfsmittel wie etwa Krücken oder Spezialfahrräder für Menschen mit Behinderungen hergestellt. Außerdem bietet das ICC physiotherapeutische Behandlungen sowie spezielle Weiterbildungskurse in Buchhaltung oder Mechanik an.

Kredit für Waschmaschine
Das nötige Rüstzeug fürs Putz-Business holten sich Wase und Co im ICC, und darüber hinaus ausreichend Selbstvertrauen. Nach Kursende spazierten sie mit dem von Tola Roba verfassten Businessplan zum lokalen OMO Micro Finance Institute und verhandelten einen Kredit von 25.000 Birr (rund 2.000 Euro). Mit dem Geld kauften sie eine Waschmaschine und mieteten ein wenige Minuten von der Uni entferntes Geschäftslokal. Den Studenten wurde „Kleiderreinigung alles inklusive für nur 16 Birr“ angeboten. Damit stachen sie sogar die fünf lokalen Großwäschereien aus.

Dicke Auftragsbücher
Die Putzteufel kamen bei den Studiosi an. Die Auftragsbücher wurden Woche für Woche dicker. Finanzchef Roba – er machte den ICC-Buchhalterkurs – reportiert nun stolze 2.500 Birr Profit pro Monat. Der Mikrokredit plus 14 Prozent (!) Zinsen könne binnen eines Jahres problemlos zurückgezahlt werden, posaunt der Säckelwart.
Firmenchef Wase bastelt indes an einer neuen Werbeoffensive: Im Kebele sollen A4-Zettel mit Preislisten und Telefonnummern verteilt werden. Telefon haben sie zwar noch keines, aber gegen eine kleine Provision dürfen die Putz-Entrepreneure den Apparat des Nachbarn benutzen. Der ist übrigens einer jener, die sie früher nicht gegrüßt haben. „Mit der Waschmaschine hat sich das geändert“, sagt Wase und wirkt gar nicht mehr so schüchtern.

Von Ashwien Sankholkar, Äthiopien

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