Touristiker Rudolf Tucek ist meist ein
paar Züge voraus – nicht nur im Schach

Touristiker Rudolf Tucek kämpft an mehreren Fronten. Zum einen gegen seine Abberufung als Vorstand der Vienna International, zum anderen gegen einen Schachcomputer. In beiden Fällen geht es um die Stellung.

Der Mann arbeitet viel und gern. Wie viele Stunden pro Woche zusammenkommen? „Die Wahrheit ist, da müsste ich nachdenken, weil ich noch nie zwischen Freizeit und Arbeit unterschieden habe, diesen Kopf habe ich mir nie gemacht“, sagt Rudolf Tucek. Derzeit hat er jedenfalls mehr Freizeit, als ihm lieb ist. Vor zwei Wochen wurde er als Vorstandsvorsitzender des Hotelbetreibers Vienna International (VI) unsanft abgelöst. „Ich bin nur mehr Aktionär der VI“, sagt Tucek, „im Moment.“

Er sei von den Mehrheitseigentümern zu Unrecht abgesägt worden, schimpft er. Nun sind bei der VI, einem der größten heimischen Hotelbetreiber, an dem Tucek über eine Stiftung 8,4 Prozent hält, die Anwälte am Zug. Seine Version zum Hintergrund dieser Affäre: Die börsennotierte Immobiliengruppe Warimpex, deren Gründer auch an der VI beteiligt sind und deren Boss Franz Jurkowitsch auch VI-Aufsichtsratspräsident ist, habe die anderen Gesellschafter benachteiligt und sich unkorrekt verhalten. Störenfried Tucek musste weg, so wird gemunkelt, weil Jurkowitsch seinen Sohn Alexander im Unternehmen nicht entsprechend etablieren konnte. Die Warimpex sieht die Eskalation des Streits in der schwierigen und aufbrausenden Persönlichkeit Tuceks begründet.

Dieser ist ein ehemaliger Leistungssportler, der trotz seiner kniffligen Situation Ausdauer und einen gewissen Humor nicht verloren hat. „Wovor soll ich mich fürchten, meine Großmutter hat zwei Weltkriege erlebt. Solange ich zwei Hände habe und g’sund bin, fange ich halt noch einmal von vorne an.“

Die Frage, ob ein Rudi Tucek seine Work-Life-Balance überdenkt, wenn er so unter Hochspannung steht, stellt er sich nicht, und sie passt auch nicht in sein Weltbild. „Ich kann mit diesem Blödsinn nichts anfangen, mache ohnehin das, was mir Spaß macht“, erklärt er in seiner bekannt direkten Art. „Wenn man Manager oder Unternehmer ist, muss man den Job mit allen Konsequenzen, die er mit sich bringt, ausüben, sonst kann man ja gleich zur Post gehen.“ Ein probates Mittel, um doch ein wenig vom Stress wegzukommen, ist für den Touristiker das Schachspiel. „Schach spiele ich seit meinem vierten Lebensjahr, das hat mich schon immer fasziniert.“

Der vierjährige Knirps wohnte immer den Partien seines Vater mit den Nachbarn bei. Sich Stellungen am Schachbrett zu merken fiel ihm schon als Kind sehr leicht – im Gegensatz zur Rechtschreibung. „Als Legastheniker habe ich mich ziemlich geplagt und immer die Wechstaben verbuchselt“, scherzt er. Da war es natürlich ein Erfolgserlebnis für den kleinen Rudi, dass er beim Schachspielen Lob einheimste, weil er ein gutes Gedächtnis bewies. „Ich habe eben ein gewisses Talent. Ich schaue auf eine Stellung und weiß, was zu tun ist“, erklärt Tucek.

Heute spielt er hauptsächlich gegen Schachcomputer. Ob mangels gleichwertiger Spielpartner oder mangels Zeit, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass der Mann schon 1985 einen der ersten Schachcomputer erwarb, als das noch etwas Exotisches war. Heute hat er Schachsoftware auf all seinen Computern, seinem iPhone und dem iPad installiert. Er spielt, wenn ihm langweilig ist und wenn er stundenlang im Flieger sitzt – und das passiert oft.

Auch abseits der VI hat Tucek genug zu tun: Er ist auch Erfinder und Miteigentümer der für Jugendliche konzipierten Cube-Hotels. Neben den drei bestehenden Häusern sind ein Dutzend neuer Hotels in sechs Ländern in Bau bzw. Planung. Das heißt für Tucek oftmals um fünf Uhr morgens Boarding und Heimflug spätabends. Da hat er genug Zeit, sich ein paar Züge zu überlegen, um den elektronischen Gegner schachmatt zu setzen. Was den Strategen ein wenig ärgert: dass er doch häufig gegen den Schachcomputer ins Hintertreffen gerät. „Es ist gewöhnungsbedürftig, dass man gegen so einen kleinen Blechtrottel verliert. Auf der anderen Seite ist es natürlich ein Hit auf langen Flügen oder Autofahrten.“

Kein Großmeister, aber ein sehr guter Spieler

Wie oft er gegen den Computer antritt oder gewinnt, weiß Tucek genauso wenig, wie er das Ausmaß seiner Arbeitsstunden kennt. „Keine Ahnung, habe ich nie gezählt.“ Kürzlich hat er Bekanntschaft mit einem Schachclub in Wien-Hietzing gemacht, den ihm Senator Burkhard Ernst vom Autohaus Rainer empfohlen hat. Und dort holt er sich ab und zu Ezzes für das strategische Brettspiel. Jetzt kann er anhand der Elo-Zahl einschätzen, wie gut er dieses königliche Spiel tatsächlich beherrscht.

Die Elo-Zahl ist eine Wertung, mit der die Spielstärke von Schachspielern beschrieben wird. Unter 1.000 ist man ein Anfänger, ab 2.700 ein Großmeister. Tucek kommt auf 1.800, das entspricht laut Tabelle „Amateur, Klasse A, sehr guter Vereinsspieler“. Geduldsmensch ist der Hotelmanager allerdings keiner. „Ich bin kein verbissener Schachspieler, der zwanzig Minuten über einer einzigen Stellung hockt. Es taugt mir und macht mir den Kopf frei, that’s it!“ Manche Partien dauern nur zehn Minuten, manche eine Stunde, je nachdem, in welcher Verfassung Tucek ist.

Fragt man ihn, wie er seine derzeitige Auseinandersetzung mit seinen Kontrahenten von der Warimpex auf dem Schachbrett darstellen würde, lautet seine Antwort: „Das ist ganz einfach. Die greifen mit ein paar vereinzelten Bauern an, und wir haben hinten eine solide Stellung. Das wird zwar keine Blitzpartie, aber ich bin sicherlich ein paar Züge voraus.“ Als Schachspieler ist es Tucek gewohnt, auch im Business ein paar Züge vorauszudenken.

– Gabriela Schnabel

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