'Suits on Bikes': Nokias Europa-Chef Greig Williams tauscht Anzug gegen Trikot

Einmal im Jahr tauscht Nokia-Europachef Greig Williams Anzug gegen Trikot, radelt durch die Hinterhöfe Osteuropas und sammelt Geld für die, die das System vergessen hat.

Sie stecken in Trikots mit aufgedruckten Krawatten und haben für Profis offensichtlich ein paar Kilos zu viel auf den Rippen. Die Sechs-Mann-Truppe fiele schon im Gefolge der Tour de France auf, umso mehr tut sie das im rumänischen Hinterland, wo kein Radrennen je Station macht. „Wir sind ein echter Hingucker“, sagt Greig Williams, und das ist durchaus gewünscht.

Der 40-jährige Nokia-Manager radelt seit ein paar Jahren mit einer Gruppe von Managern durch Osteuropa und sammelt auf diesem Rad-Weg Geld für den guten Zweck. Das Projekt „Suits on Bikes“ (Anzüge auf Rädern) geht auf die Initiative in Ungarn stationierter schottischer Manager zurück und heuer ins achte Jahr. Williams stieß vor vier Jahren zur losen Truppe. Das befahrene Terrain ist ihm wohlbekannt, schließlich gehören Länder wie Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, der Kosovo, Albanien oder Mazedonien und Bulgarien zu den 15 Regionen, die er für den finnischen Handy-Weltmarktführer betreut. Normalerweise verkehrt er mit dem Flieger zwischen Sofia, Zagreb und Tirana. Vier Tage im Jahr ist er in diesen seinen „Kernländern“ auf Rad-Tour und trifft statt seiner Vertriebsleute auf „die, die das System vergessen hat“.

Der Manager-Rennstall schwingt sich im Frühsommer in den Sattel und absolviert über ein verlängertes Wochenende eine Zwei-, Drei- oder Vier-Länder-Tour. Tagesetappen zwischen 100 und 120 Kilometern gilt es zu absolvieren: Schotterpiste statt Business Class und Energieriegel statt Frühstücksbuffet. Favoriten für das Gelbe Trikot gibt es keinen, ausgemachten Tempomacher auch nicht. Williams’ ironische Selbsteinschätzung: „Für untrainierte Bürohengste in den 40ern ist das rein körperlich ein ambitioniertes Unterfangen.“ Richtig professionell hingegen ist das Sponsoring.

Start-Kapital

Die Kohle kommt von den Teilnehmern selbst. Jeder bringt 5.000 bis 10.000 Euro als Start-Kapital ein, die in Sozialprojekte fließen – etwa das Jugendzentrum Talita Kum II im rumänischen Jimbolia, das auf Initiative der „Suits“ entstand. „Wenn du in Rumänien mit 50.000 Euro Spendengeld winkst, hast du sofort zig Ideengeber an der Hand“, sagt Williams. „Geld sammeln ist nicht so schwer. Schwierig ist, das Geld gut zu investieren.“ Und das beschäftigt die Manager auch das restliche Jahr über.

„Das Projekt wurde immer größer“, sagt Williams. Fördertöpfe der EU und der rumänischen Regierung wurden angezapft, was schließlich sogar einen Neubau für 40 Kids ermöglichte. Williams: „Das Wichtigste für Kinder sind Strukturen.“ Strukturen meint im rumänischen Hinterland Grundstrukturen im Wortsinne – für Kinder, deren Perspektiven oft Drogenkarrieren oder ungewollte Teenager-Schwangerschaften sind. „Waschräume und regelmäßiges Essen mussten zuerst her“, erinnert er sich. „Dann erst konnten wir mit Sprachunterricht oder Sport beginnen.“

Sport stärkt nicht nur den Körper, „Sport ist sozialer Kitt für Kinder“, sagt Williams. Seine eigenen Kinder (Tochter, 11, zwei Buben mit 5 und 8 Jahren) dürfen jede Sportart ausüben, die sie möchten, „aber eine Mannschaftssportart muss dabei sein“. Das war Vater Williams so wichtig, dass er bis vor kurzem einen Teil seiner Freizeit dafür opferte, Wiener Kids zweimal die Woche im Baseball zu trainieren. „Diesen Sack Flöhe zu organisieren war das beste Management-Training, das ich seit Jahren hatte.“ Dabei ist der Kanadier mit seiner Mischung aus Gelassenheit, Geduld und scheinbar endlosem Energiereservoir ein positiver Prototyp der Globalisierung – mit ausgeprägter sozialer Ader.

Ein geborener Kanadier mit schottischen Wurzeln, verheiratet mit einer Spanierin, die mit ihm drei Kinder in Wien großzieht. „Ich habe keine Wurzeln in einem bestimmten Land. Meine Heimat ist die Familie“, sagt einer, der 120 Tage im Jahr Bodenkontakt mit Rollfeldern hat.

Als Mitglied einer Piloten-Familie scheint ihm selbst die ermüdende Vielfliegerei nichts auszumachen. Luftikus ist er trotzdem keiner. Seine Kollegen beschreiben ihn als „geerdeten, extrem positiven und freundlichen Menschen“, so Nokia-Kollege Alexander Oswald, der sich fragt, ob „Kanadier nicht doch die besseren Nordamerikaner sind“. Bei Williams kommt schottischer Humor dazu, den er beim Life Ball, mit Kilt „berockt“, bewies: „Die Jungs wollten alle unter meinen Rock schauen.“

Den schottischen Geiz verkehrt er ins Gegenteil. Wenn’s um die gute Sache geht, kriegt er nicht genug. Deshalb soll das Team der guten Radler 2012 auf zehn Teilnehmer aufgestockt werden. „Da kommt mehr Geld zusammen.“ Die Betriebs- und Betreuerkosten für das Jugendzentrum müssen bestritten werden.

Da scheut Williams’ Truppe kein Risiko und küsst ab und zu auch den Asphalt. „Wer im rumänischen Hinterland einen Radunfall hat, kann sich einer Schimpf-Ansprache oft sicherer sein als Erster Hilfe“, erinnert sich Williams an einen Unfall. Die „Suits“ bringt das nicht aus der Spur, jetzt fährt halt ein Pannenbetreuer-Auto mit.

– Barbara Mayerl

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