Stefan Berger, Kreativ-Chef von Eternit,
hebt ab mit seinem Gleitschirm ab

Er ist ausgestiegen und abgestürzt. Als Kreativ-Manager von Eternit hat Stefan Berger jetzt wieder Boden unten den Füßen. Und hebt mit dem Gleitschirm ab, sooft er kann.

Schauplatz Zwölferhorn, St. Gilgen. Ein prüfender Blick zum Himmel. Die meteorologischen Bedingungen passen. Stefan Berger breitet die Schirmkappe seines Gleitschirms in Flugrichtung aus und sortiert die Leinen. Er kontrolliert den Verschluss des Rettungsgerätes und legt das Gurtzeug an. Jetzt läuft er langsam los, den Gleitschirm hinter sich, bis er sanft abhebt.

So reibungslos wie der Start soll auch die Landung gelingen. 300 Meter über dem Boden setzt Berger zu einer Bodenspirale an. Er fliegt immer engere Kreise. Er rast der Erde entgegen. Die Sinkgeschwindigkeit liegt bei 15 Meter die Sekunde. Doch plötzlich ist der Boden zu schnell da und die Figur noch nicht beendet – der Gleitakrobat stürzt ab. Knochenbrüche und eine Wirbelfraktur sind die Folge. Berger hatte Glück im Unglück: Er wurde sofort ins Unfallkrankenhaus Salzburg geflogen und dort wieder hergestellt. Das war vor zehn Jahren.

„Heute sind meine Flugfiguren nicht mehr so bodennah, und wenn ich abhebe, dann nur mehr zu Panoramaflügen“, versichert der Verantwortliche für Design und Interior bei Eternit. „Wenn man sich nicht überschätzt und das Gerät benutzt, das man eins zu eins beherrscht, ist Paragleiten ein Sport, mit dem man viel Spaß haben kann und den man völlig relaxt genießen kann.“

Ausgestiegen, um abzuheben

Berger ist kein leichtfertiger Mensch, kein Draufgänger. Der Sportsmann ist sogar befähigt, Anfänger im Gleitschirmfliegen zu unterrichten. Doch dafür ist die Zeit momentan sehr knapp. Vor einigen Jahren hatte der Manager dagegen sieben Tage die Woche Zeit, um in die Luft zu gehen. Der damals 22-Jährige hatte sich gemeinsam mit Freunden im Bereich des Hallenbaus selbständig gemacht. Binnen zwei Jahren hatten die Durchstarter in ihrem Unternehmen 90 Mann beschäftigt. „Das war mir alles zu schnell und zu busy“, erinnert sich Berger, „ich wollte nicht nur hackeln, sondern leben. So habe ich mich auszahlen lassen und bin ausgestiegen.“ Sein Plan für das neue Leben: Gleitschirmfliegen. „Das war genau das, was ich machen wollte. Und das habe ich dann eineinhalb Jahre getan.“ In dieser Zeit hat er sein favorisiertes Hobby voll ausgekostet, Tag für Tag, und er war an den schönsten Flugspots der Welt.

Heute verbringt der Manager wieder viel Zeit im Büro. Oder er überprüft die Produktion der Gartengefäße von Eternit in der Schweiz und checkt das Feintuning der Produkte in Frankreich. Die Eternit-Werke Ludwig Hatschek AG sind ein österreichischer Traditionsbetrieb, der vor mehr als hundert Jahren in Vöcklabruck gegründet wurde. Heute ist Eternit mit seinem Werkstoff Faserzement für Dach und Fassade Marktführer in Österreich und erzielt einen Umsatz von 250 Millionen Euro in der Gruppe (Österreich, Deutschland, Schweiz, Slowenien). Sieben Prozent davon sind dem kreativen Part wie Möbeln und Gartengefäßen zuzurechnen, ein Bereich, der international in der Designerszene Erfolge feiert. „Jedes Gefäß ist handgeformt, da ist Leidenschaft dahinter“, erklärt Berger.

Designte Töpfe

Der erste kreative Entwurf für Eternit war die Blumenschale Biasca, auch „Elefantenohr“ genannt, die der Schweizer Willy Guhl 1954 kreierte. Sehr bekannt ist der als Endlosschleife konzipierte Strandstuhl Guhl, der es sogar ins Museum of Modern Art in New York geschafft hat. Der würdige Nachfolger des Guhl ist das neue Outdoormöbel „Dune“. Eternit arbeitet meist mit renommierten Designern zusammen. „Martin Mostböck, der bei Coop Himmelb(l)au arbeitet, entwarf den Twista, der bislang das am meisten umgesetzte Gartengefäß Europas ist“, so Berger.

Ein „Nein“ der Partnerin

Vor dreieinhalb Monaten ist der Manager zum zweiten Mal Vater geworden. Gerne würde er jetzt schon seiner siebenjährigen Tochter Lea-Sophia das Gleitschirmfliegen näherbringen. „Das ist ein super Erlebnis. Ein großes Gefühl von Freiheit, des Loslassens, des Andersseins. Für kurze Zeit lässt sich alles vergessen. Da ist nur das Rauschen der Luft, der Blick nach vorne“, beschreibt Berger die Faszination Fliegen. Doch seine Begeisterung nützt nichts: Trotz aller Beteuerungen, dass Paragleiten wesentlich ungefährlicher sei als andere Dinge, bekommt Berger von seiner Lebensgefährtin Sandra noch kein grünes Licht, um mit der Tochter abzuheben.

Schade. Aber kein Problem, dann fliegt er eben alleine. Er checkt den Verschluss des Rettungsgeräts, legt das Gurtzeug an, läuft langsam los, den Gleitschirm hinter sich, bis er abhebt. Alles geht automatisch. Und absolut stressfrei für Stefan Berger.

– Gabriela Schnabel

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