Soko Donau: Polizeipräsident Gerhard Pürstl schippert die Donau stromabwärts

Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl hat seine juristische Leidenschaft zum Brotberuf gemacht. In seiner kargen Freizeit schippert er mit seiner kleinen Privatjacht die Donau stromabwärts.

Gerhard Pürstl, 47, hat es augenscheinlich sehr gut getroffen. Der Mann hat einen Beruf, der ihn in jeder Hinsicht ausfüllt und ihm dazu auch noch Spaß macht. Ein Privileg, das nur ­wenige besitzen. Seit eineinhalb Jahren ist Pürstl nun Polizeipräsident von Wien und somit Chef von 8.000 Polizeibeamten. Sein Amtsantritt im Jänner 2008 fiel fast zeitgleich mit seinem 20-jährigen Dienstjubiläum im April zusammen. Ein bekannter Ordnungs­hüter, könnte man meinen. Doch der praktizierende Katholik übt seinen Job ohne großes Aufsehen bei der Seitenblicke-Gesellschaft aus. Für die Wiener ist er eigentlich noch ein unbeschriebenes Blatt. Zum Polizeidienst animiert hat ihn sein älterer Bruder Werner, der Leiter der Generalprokuratur und quasi Chef aller Staatsanwälte. „Werner hat mir erzählt, dass es viele gute Jobs bei der Polizei gibt, und so habe ich mich beworben.“ Der zweite Bruder Adolf leitet übrigens die Amtsdruckerei der Polizeidirektion Wien. Lausbuben waren alle drei: „Der Inspektor hat uns als Kinder schon ab und zu am Ohr gezogen“, gestand Pürstl, in seiner Vergangenheit alles andere als ein reiner Musterschüler.

Vom Lausbuben zum Ordnungshüter
Aus dem in Wien-Währing aufgewachsenen Lausbuben Gerhard wurde später ein Gesetzeshüter im wahrsten Sinne des Wortes. Nach seiner Promotion trat Pürstl als rechtskundiger Beamter bei der Bundespolizeidirektion ein. Pürstl war zuletzt Vorstand des Büros für Rechtsfragen und Datenschutz. Die Juristerei hat ihn bis heute nicht losgelassen. Nebenbei schrieb der Manager in Uniform die 1.300 Seiten umfassende Straßenverkehrsordnung und das Sicherheitspolizeigesetz, so wie etliche andere Fachbücher, allesamt im Manz-Verlag erschienen. „Sicherheit und Verkehr sind eben meine Steckenpferde“, erklärt er, warum er sich eine solche – freilich auch ein wenig pres­tigeträchtige – Zusatzaufgabe aufhalst. Wer es so lange in einer Branche aushält, muss offenbar eine große Affinität zu seinem Brotberuf haben. Dieser Traumberuf vieler Buben ist im echten Leben nämlich ein beinharter Job. „Ich arbeite sicherlich sechzehn Stunden am Tag, manchmal achtzehn“, rechnet der oberste Wiener Polizist vor, „und von fünf Werktagen bin ich bis zu vier Abende nicht zuhause.“ Pürstl will nicht jammern, gar nicht. Trotzdem bezeichnet er seinen Job als „familienfeindlich“. Ihn betrifft das heute kaum mehr, sein Sohn Gerrit, 22, und Tochter Aglaia, 20 (Griechisch: die Glänzende), bedürfen keiner Betreuung mehr. Und seine Frau Angelika, 42, übt ihren Job als Tierärztin auch oftmals bis spätabends aus.

Schwammerlsucher und Kapitän
Doch wie und wann entspannt ein Polizeipräsident? Wo holt er sich seine Energie? „Meine Frau und ich genießen in erster Linie die Wochenenden. Wir fahren gerne Rad, gehen viel wandern und Schwammerln suchen. Ich kenne Pilze, die ein Normalsterblicher nicht erkennen würde“, weist Pürstl auf seine naturkundlichen Kenntnisse hin. Doch sein sogenanntes Haupthobby ist das Bootfahren auf der Donau. Freilich nicht mit dem abgebildeten Polizeiboot. Mit diesem demonstriert er nur seine Leidenschaft. Sein privates Boot, eine Motoryacht der Marke Bayliner, wollte er aus einem ganz plausiblen Grund nicht ins Bild rücken: „Nicht jeder ist mit der Polizei im ­guten Einvernehmen. Und ein Sachschaden ist schnell passiert.“ Zum Bootssport kam Pürstl vor 13 Jahren durch einen Kollegen, mit dem er durch die blaue Lagune von Bibione schipperte. „Das war ein so wunderbares Erlebnis, dass wir uns entschlossen, ein eigenes Boot anzuschaffen.“ Diesen Traum verwirklichte sich der Polizeipräsident 1996. Doch nur ein Jahr später fiel das Boot einem schweren Wirbelsturm in Italien zum Opfer. „Das war ein schwerer Verlust. Das Boot war ein ­Totalschaden. Da investiert man viel Liebe, und dann ist alles kaputt“, erinnert er sich noch mit Schrecken.

Neues Bootsglück
Die Pürstls gaben jedoch nicht auf. Schafften ein neues Boot an, diesmal allerdings in Österreich. „Italien war uns für einen Wochenendausflug dann doch zu weit. Ehrlich gesagt ging mir die Entfernung auf die Nerven.“ Heute liegt sein Boot in einem Wiener Hafen an der Donau, von wo er je nach Lust und Laune schnell seinem Hobby frönen kann. „Wir nützen unser Boot von Anfang April bis Ende Oktober. Und auf der Donau kann man herrliche Ausflüge unternehmen.“ Da werden die Räder auf die kleine Jacht gepackt, und auf geht’s stromabwärts. „Wenn man den Gashebel umlegt, ist man in einem Tag in Budapest. Doch das tun wir nicht. Für uns ist Bootsurlaub Er­holungsurlaub“, erzählt Pürstl. Es wird angelegt, wo es etwas zu erkunden gibt, das tun die Pürstls dann auf ihren Drahteseln. Sein Urlaubspensum für heuer hat der Polizeipräsident schon absolviert. Jetzt gilt seine volle Konzentration wieder dem Job. Und da warten viele Aufgaben auf ihn. Ein großer Teil davon ist, das Bild der Polizei in der Öffentlichkeit ein wenig zurechtzurücken. „Die Polizei muss sich anders darstellen. Wir sind nicht nur für Kriminelle zuständig, sondern sind auch Teil des Sicherheitsgefüges der Stadt“, kommentiert Pürstl. Vor allem müsse die Polizei auf den Straßen präsenter sein, raus aus den Wachstuben, sich von administrativer Arbeit loslösen.

Kein Pardon für schwarze Schafe
Natürlich spüre man auch bei der Polizeiarbeit die Wirtschaftskrise: „Zwischen Aktienkurs und Kriminalitätsrate gab es immer schon eine Korrelation, der eine oder andere ist in Krisenzeiten geneigter, in fremde Taschen zu greifen.“ Schwarze Schafe gebe es ge­legentlich auch bei der Exekutive. Pürstl ­unmissverständlich: „Ich stehe hinter der Truppe, wenn sie die gesellschaftlichen Werte berücksichtigt.“ Wenn jemand diesen Pfad verlasse, kenne er kein Pardon. „Vor meiner Amtszeit hatte die Wiener Polizei ihre schwerste Krise, aber heute können wir wieder ruhig arbeiten. Grosso modo ist Wien nach wie vor ein sicheres Pflaster“, betont Pürstl. „Bei uns kann man sich noch frei auf den Straßen bewegen. Und Sicherheit beginnt damit, eine Brücke von Mensch zu Mensch zu schlagen und sich gegenseitig zu helfen. Menschen, die aufhetzen, bedeuten Unsicherheit.“

Von Gabriela Schnabel

Im Bild: Präsident Pürstl mit Joachim Resch, WEGA (2. v. l.), Sabrina Lendway, Polizeidiensthundestaffel, Gerald Goldnagl vom Landeskriminalamt Ost (1. v. l.) und Erich Kraus, See- und Stromdienst (4. v. l.).

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