Seine Passion ist das musizieren: Einmal als Dirigent und dann am Kontrabass

Die Konstante von Erich Pichorner, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Manpower, ist das Musizieren. Einmal dirigiert er an vorderster Front, dann wieder spielt er den Kontrabass in der letzten Reihe.

Wenn das Marktumfeld schwächer wird und sich die Auftragslage verschlechtert, leiden Arbeitgeber und Arbeitnehmer zumeist gleichermaßen. Einer, der von solchen Witterungsschwankungen am heimischen Arbeitsmarkt jedoch profitiert, ist Erich Pichorner, Österreich-Geschäftsführer des Personalleasing-Unternehmens Manpower. Er freute sich im abgelaufenen Geschäftsjahr über ein Umsatzplus von 54 Prozent auf 129,7 Millionen Euro. Knapp 89 Prozent der Erlöse generiert Pichorner mit Zeitarbeit. Die Österreich-Tochter des weltweit führenden Personaldienstleisters beschäftigte 2010 im Schnitt 3.400 Menschen – um über 1.000 mehr als im Jahr davor. Zeitarbeit wird oft kritisiert – allerdings: Rund ein Viertel der Beschäftigten wird in ein fixes Dienstverhältnis übernommen.

Vertreter des Müßiggangs

Er selbst gehöre, so sagt Pichorner, bereits zu einer Spezies am Arbeitsmarkt, die am Aussterben ist. Denn heutzutage ist die Verweildauer in ein und derselben Firma mit ein paar Jahren häufig relativ kurz bemessen. Pichorner ist schon seit elf Jahren bei Manpower, fünf Jahre davon in der Geschäftsleitung. Der gebürtige Kärntner beschreibt sich als „prononcierten Vertreter des Müßiggangs“. „Ich bin jemand, der sich bewusst nicht zu jenen zählt, die 70 Stunden pro Woche arbeiten.“ Laut seinen Erfahrungen bringt ein Arbeitsplatzwechsel meist Stress in den Alltag eines Menschen und ist deshalb eine psychische Herausforderung. Er bevorzugt das Konstante. „Genau deshalb braucht man auch immer eine Konstante im Privatleben“, so sein Resümee.

Bei ihm sind diese Konstanten das Musizieren, das Lesen und ein „bisserl das Sporteln“. Sein Vater unterrichtete Musik und leitete eine Blaskapelle am Land. Schon mit zwölf Jahren hat der spätere Manager Pichorner Trompete gespielt. Später sattelte er dann auf Posaune um. „Ich war fasziniert von diesem alten Instrument, das schon in der Renaissance eine große Rolle gespielte hat. Aber auch heute sind Posaunen universell einsetzbar – ob im Jazz, in der Klassik oder in der Volksmusik“, legt sich Pichorner noch heute ins Zeug. Eine Fehlstellung der Zähne zwang ihn jedoch bald, auf das geliebte Blasinstrument zu verzichten.

Nach der Matura schnupperte Pichorner kurz ein paar Semester Maschinenbau, bevor er sich mit 23 Jahren entschied, Musikwissenschaft zu studieren. Das eine Studium war vom Fach her nicht das richtige, das andere zu trocken. So kam es, dass der Musikliebhaber – statt eine musikalische Karriere einzuschlagen – im ersten Brotberuf Verkaufsleiter beim Pressevertrieb Academia/Studenten wurde. In dieser Zeit bekam er von einem Bekannten einen Kontrabass geschenkt, was den Manager dazu veranlasste, sich neben seinem Job am Grazer Konservatorium anzumelden, um das neue Instrument zu erlernen. Dort war er dann auch acht Jahre lang ein gelehriger Schüler.

Begleiter von Stummfilmen

Ganz ad acta gelegt hat er seine Leidenschaft nie. Pichorner war lange Zeit Chefdirigent des Ensembles Filmharmonie in Kärnten, dessen symphonisches Blasorchester sich aus begabten Musikern aus dem Klagenfurter Raum zusammensetzt und das in erster Linie Stummfilme musikalisch begleitet. Pichorner spielte zu „Metropolis“, „Der letzte Mann“, aber auch zu Tonfilmen wie dem Edgar-Wallace-Krimi „Der Zinker“. „

Das Musizieren mit der Filmharmonie war lange Zeit die Verbindung zu meiner Heimatstadt Klagenfurt“, erzählt er. Heute spielt er im Akademischen Symphonieorchester Wien, wo freilich auch wöchentliche Proben gefordert sind. Derzeit wird für das Frühlingskonzert im Museums-Quartier geübt; auf dem Programm stehen Ludwig van Beethoven und Dmitri Schostakowitsch. „Die erste Probenstunde ist immer ein Drama, weil das Hirn noch von der Arbeit radelt, aber beim Musizieren volle Konzentration gefordert wird.“ Erst ab der zweiten Stunde fließt es dann richtig. „Dann verliere ich jegliches Gefühl für Zeit und Raum und gehe vollkommen in der Musik auf, bin richtig happy, dass die Zeit wie im Flug vergeht“, beschreibt Pichorner diesen Bewusstseinszustand.

Das Musizieren im Ensemble hat allerdings noch eine andere wichtige Komponente für den Kontrabassisten. „In der Firma ist man der Chef, doch in einem Orchester zählen weder Titel noch Funktionen, sondern nur, dass man sich als Teil eines Ganzen versteht. Das holt einen dann wieder runter auf den Boden.“

– Gabriela Schnabel

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