Schoko-König Josef Zotter eröffnet essbaren Tiergarten

Schoko-Ikone Josef Zotter hat sich einen Lebenstraum erfüllt: Er lebt mit Familie und der Natur in völliger Eintracht – und ist dabei vollkommen autark. Sein neues Projekt, der „Essbare Tiergarten“, wird demnächst eröffnet.

Josef Zotters Biografie liest sich wie ein modernes Märchen. Der Mann geht 1996 pleite. Er rafft sich wieder auf und stellt im oststeirischen Riegersburg eine Schokoladenmanufaktur auf die Beine, die heute weltweit 8.700 Kunden beliefert, 14 Millionen Euro Umsatz erzielt – und vor allem gänzlich schuldenfrei ist. Sein „Schoko-Laden-Theater“ wird täglich von 1.000 Besuchern frequentiert, und im Frühjahr eröffnet der 49-Jährige seinen „Essbaren Tiergarten“, wo die Besucher verschiedene Nutztierrassen bestaunen, streicheln und anschließend deren Fleich verzehren können. Makaber, oder? Nicht für den Globalisierungsgegner und Weltverbesserer Zotter: „Bei uns hatten die Tiere ein wunderbares Leben. Das gilt für jene, deren abgepacktes Fleisch im Supermarkt liegt, nicht!“
Das ist Zotter in Reinkultur, so tickt der Mann. Und er kann es sich leisten zu polarisieren, denn er ist ­heute komplett unabhängig: „Das ist der größte Luxus, den ich habe, vor allem das Leben mit meiner Familie auf unserem ökologischen Bauernhof.“ Freilich räumt Zotter auch ein, dass man leicht tönen kann, wenn man die entsprechende Barschaft auf dem Bankkonto hat. Sein sieben Hektar großer Bio-Bauernhof, auf dem Hochlandrinder, Stockenten, Ziegen, verschiedene Hühnerrassen und Esel in Eintracht nebeneinander ­leben, hat ein kleines Vermögen gekostet.

Fischteiche statt Maybach

„Für die Investition in meine Fischteiche hätt i mir schon an Maybach (Luxus-Limousine von Daimler-Benz, Anm.) leisten können, doch mi interessiert ­Kohle net, ehrlich!“, sagt Zotter. Geduld ist für den Mann ein Fremdwort. Eine halbe Stunde fischen ohne Fang, das geht gar nicht. Daher hat Zotters Haustechniker Dragan eine vollautomatische Fanganlage gebaut: ein versenkbares Netz, über das die Fische mit Futter gelockt werden. „Dann brauch i nur a bisserl am Seil ziehen, und des Netz klappt zsamm“, freut sich der Biobauer im steirischen Dialekt.
I bin so gern daham. „Jo, i bin a Spinner“, gibt er zu, denn für die Investition könnte er „300 Jahre lang viele Fische kaufen, nur die besten!“. Den Hof bestellt Zotter mit seiner Frau Ulrike und den Kindern Julia, 23, Michael, 22, und Valerie, 5. Dazu kommen eine Bäuerin und ein Nachbar, der die Arbeiten mit dem Traktor erledigt. „I bin so gern daham, dass i scho nimma fortfahrn meicht. Wahrscheinlich komm i schon in die Altersdemenz“, schwärmt Zotter. Das ökologische Denken des Schokoladeproduzenten beginnt beim fahrbaren Untersatz. Er fährt ein Elektro­auto. „Aber net den Roadster von Tesla“, sondern einen Citroën Saxo Electric. Telefonisch erreicht man den Mann nur am Festnetz, er verweigert sich dem Handy, und seit sieben Jahren verzichtet die Familie komplett auf TV.

'I hob jo kan Huscha'

Eigentlich ist es streng konservativ, wie Zotter arbeitet und lebt. Eine Einstellung, die er gerne auch anderen vermitteln möchte, ohne Wenn und Aber. Beispiel: Jungunternehmer sollten eine Starthilfe bekommen, jedoch nach zwei Jahren 50 Prozent Eigenkapital erwirtschaftet haben. Nur so könne Wirtschaft gesund wachsen. Er ist früher selbst auch „schwindlig“ mit Geld umgegangen, hat aber „a Sau g’habt“, und heute verzichtet er gerne auf Fremdkapital: „I hob jo kan Huscha.“ Für ihn sind vor allem Banken, die selbst nur eine Eigenkapital­quote von sieben Prozent haben, eine wirtschaftliche Gefahr. Er selbst hat „weit mehr als 70 Prozent“ und investiert ­sicherheitshalber lieber in Grund und Boden.
Zotters „Am Vieh Theater“. Knapp drei Millionen Euro hat er bereits in seinen 21 Hektar großen „Essbaren Tiergarten“ gesteckt, der Anfang Mai 2011 eröffnet wird. Ebenso wie sein Bauernhof wird der Park dank Photovoltaik-Anlage energieautark sein. Hier kann Zotter all seine Visionen, die er bereits auf dem Bauernhof erprobt hat, ausleben. Der Tierpark wird komplett mit essbarer Vegetation bepflanzt, der mobile Hühnerstall „Mobile Egg“ wandert über das Gelände und düngt es zugleich. Das „Am Vieh Theater“ kann für Veranstaltungen genutzt werden. Wer hungrig ist, kann am „Würstelstand“ alle Tiere verkosten, die im Naturgehege vorher ein super Leben gehabt haben. „Meist ein viel besseres als so mancher Kakao­arbeiter, der unter härtesten Bedingungen arbeiten muss“, erhebt Zotter den Finger.
Auf die Bedingungen in den Kakaoplantagen hat er wenig Einfluss, er stellt aber sein gesamtes Sortiment – das sind mehr als 370 unterschiedlich schmeckende Schokoprodukte – biologisch her. Seit 2004 ist Zotter Lizenzpartner von Fairtrade Österreich und betreibt entsprechende Projekte: So gehen etwa je 10 Cent seiner neuesten Kreation „Lollytops“ an das Caritas-Projekt „Ziegen für Burundi“. Und pro verkaufter „Waldstück“-Schokolade verpflichtet sich der Chocolatier, einen Baum im Regenwald zu pflanzen. „Wir müssen wieder anfangen, Werte zu schaffen, so blöd des a klingt.“

– Gabriela Schnabel

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