Running Men: Österreichs Manager-Elite über ihre schönsten Lauferlebnisse

Der Vienna City Marathon kommenden Sonntag bricht heuer mit mehr als 30.000 Läufern alle Rekorde. Prominente Politiker und Manager erzählen, warum die langen 42 Kilometer süchtig machen.

Die Marathon-Flamme lodert in Wien. Nur noch zwei Tage, dann fällt am Sonntag, exakt um neun Uhr, vor der Wiener UNO-City der Startschuss zum 27. Vienna City Marathon (VCM). Mit mehr als 30.500 Läufern aus 105 Na­tionen ist eine neue Rekordteilnehmerzahl zu verzeichnen. Knapp 7.000 Teilnehmer wollen die Marathondistanz über 42,195 Kilometer bewältigen. Der Rest der Laufbegeisterten stellt sich anderen Herausforderungen, wie dem „Anker Halbmarathon“ (21,097 km), der „tele.ring Staffel“, dem „Coca-Cola Run“ für Kids und Jugendliche, dem „Pink Ribbon Lauf“ im Dienst der guten ­Sache sowie der „Run 1.0 Kids Challenge“.

Rund 300.000 Zuschauer werden die Teilnehmer entlang der Strecke anfeuern. Der sportliche Event, der jährlich inlandswirksame Ausgaben von 18 Millionen Euro generiert, lockt auch immer mehr Manager aus Wirtschaft, Kultur und Politik an. Mit einer schönen Startnummer, der 5000, geht Gerhard Roiss , 58,Vize-Generaldirektor der OMV, an den Start. Der Mann ist top in Form. Erst Mittwoch lief er im Linzer Staffelbewerb dem blinden Läufer Franz Engleder voraus. Zum Laufsport kam der Manager nach seinem 50er. „Da habe ich Dungl & Co gegen das aktive Laufen eingetauscht.“ Roiss interessieren weder Zeit noch Puls, „das Erlebnis findet im Kopf und nicht in den Beinen statt“. Vor großen Wettbewerben spult er 800 bis 1.000 Kilometer runter. Das lohnt, denn mit seiner bisherigen Bestzeit von 3:30 Stunden braucht sich der Manager sicher nicht zu verstecken.

Im Dialog mit der vorbeiziehenden Landschaft
Einer, den man fast täglich in der Prater-Hauptallee beim Training antrifft (im Sommer auch oben ohne), ist SPÖ-Clubobmann Josef Cap, 58. Ihn würde man in die Kategorie süchtig einstufen. Der Politiker ist bereits 21 Marathons gelaufen. „Der schönste ist der Wien Marathon“, gesteht Cap. Seine Bestzeit: 3:36. Warum er läuft? „Das ist einfach ein wunderschöner Dialog mit der vorbeiziehenden Umgebung und der Architektur. Außerdem habe ich die Illusion der ewigen Jugendlichkeit, die auf diese Art vermittelt wird.“ Ebenfalls mit dabei ist am Sonntag Gerhart Holzinger , 63, seines Zeichens Präsident des Verfassungsgerichtshofes. Der Jurist mit der Startnummer 6365 möchte allerdings unbehelligt von der Öffentlichkeit an den Start gehen, gemäß dem Motto „Der Weg ist das Ziel“.

Auch Michael Schottenberg , Leiter des Wiener Volkstheaters, hat die 42,195 Kilometer bereits zweimal gemeistert. Die Eigenschaften, die ihn das Laufen gelehrt haben, machen sich jeden Tag für ihn bezahlt: „Das Wissen und die Erfahrung um die Phasen von Leichtigkeit, Glück und Freude an der Bewegung machen die oft schwierigen Phasen des Durchhaltens mehr als wett.“ Die Extremsportler Gschiegl, Ditz und Fried. Ein Hardcore Man in Sachen Sport ist hingegen Franz Gschiegl, 54, Fondschef der Erste Bank. Er spult jährlich 3.500 Kilometer und sämtliche ­heimische Marathons herunter. Keine Frage, der Sportsmann ist auch am Sonntag mit der Startnummer 436 beim Vienna City Marathon dabei. „Ich will mir mein eigenes Durchhaltevermögen immer wieder aufs Neue beweisen. Es geht ums Ausloten der persönlichen Belastungs- und Schmerzgrenzen“, so sein Statement.

Der Marathon in Wien ist super
Doch Johannes Ditz, Aufsichtsratschef der verstaatlichten Hypo Alpe Adria, suchte eine noch größere Herausforderung. Er lief vergangenen Samstag den Ultra-Run „Two Oceans Marathon“ in Kapstadt: 56 Kilometer. Zu laufen begann der Troubleshooter der Hypo Alpe Adria, nachdem er bei der ÖIAG seinen Job als Vorstand quittiert hatte. „Heute ist das mein Hobby, meine Sucht und meine Therapie.“

Noch eine Extrem-Stufe höher schaltet Michael Fried , Eigentümer der 3D-Objekt-Produktionsfirma „Big Sign“. Für ihn sind Marathons passé. „Ich laufe nur noch Ultradistanzen“, sagt er. Im Vorjahr bezwang der Unternehmer den Jungle Marathon in Brasilien, wo er 200 Kilometer in fünf Tagen bewältigte. Die Challenge dabei: Man muss sich komplett selbst versorgen. Die Ernährung ist noch das geringste Problem dabei. Die Läufer müssen Sümpfe und Flüsse durchqueren und sich vor Zitteraalen oder Stachelrochen schützen.

Gemütlich laufen mit Schilcher-Sturm
Er ist ein Profi: Karl Pall , 47, Google-Chef Österreich. 25 Marathon-Medaillen nennt der Manager sein Eigen. Wien lässt er aus, er arbeitet auf sein großes Ziel im Herbst hin: den Graz-Marathon. „Das ist mein liebster, weil er so gemütlich ist, und außerdem gibt es nachher ­einen Schilcher-Sturm.“ Nicht jeder möchte sich aber auspowern. Bei vielen steht mehr der Gesundheitsgedanke im ­Vordergrund.

So auch bei Martin Gross , dem Chef der Fluglinie Emirates in Österreich. „Ich laufe dreimal die Woche, um fit zu bleiben.“ Einmal trainierte er für den Marathon in Vancouver, den er dann mit einer Zeit von 4:20 Minuten schaffte. Event-Guru und ACTS-Agenturchef Hannes Jagerhofer tut es Gross gleich. Er hält sich ­allerdings lieber an das Laufband. „Da kann ich auch noch um 23 Uhr locker trainieren.“ Im Sommer, wenn er sein Hauptquartier wegen des Beachvolleyball-Turniers am Wörthersee aufschlägt, läuft er freilich in der Natur: „Nach zwanzig Minuten wird mein Kopf frei. Danach bin ich wie neugeboren, egal was der Tag gebracht hat“, so sein Statement.

Andreas Rudas , RTL-Group-Vorstand, meidet Langstrecken, läuft aber dafür kontinuierlich und hält sich so körperlich in Schuss. „Ich laufe seit zehn Jahren täglich knapp eine Stunde.“ Weder Jahreszeit noch Ort hindern ihn an seinem liebsten Sport. Seine Assistentin muss bei Auslandsaufenthalten sogar die Hotels nach den Laufumfeld, sprich: nach Grünanlagen wie dem Hyde Park, auswählen. Trotzdem, Marathon ist Rudas noch keinen einzigen gelaufen. Das begründet er so: „Erstens müsste ich mehr trainieren, und zweitens ist eine Stunde zum Nachdenken fantastisch. Vier Stunden zu laufen wäre mir ­persönlich viel zu langweilig.“

Gabriela Schnabel

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