Rudolf Mutz, Chef des Wiener Hafens, liebt Ruhe und Schwerelosigkeit unter Wasser

Rudolf Mutz, Geschäfts­führer des Wiener Hafens, ist seit drei Jahrzehnten auf Tauchstation. In ­heimischen Gewässern ebenso wie in den Tiefen des Meeres.

Das Element von Rudolf Mutz, 53, ist ­eindeutig das Wasser. Seit Anfang des Jahres lenkt der Mann als Geschäfts­führer die Geschicke des Wiener ­Hafens. Und in seiner Freizeit ist der Manager seit drei Jahrzehnten passionierter Taucher. „Als ich gesagt habe, dass ich von der Messe Wien in den ­Wiener Hafen wechsle, haben alle geglaubt, ich sitze nur am Kai und zähle Schiffe“, erzählt Mutz lachend. „In Wahrheit ist unser Unternehmen mit 3,5 Millionen Quadratmetern der größte öffentliche Donauhafen mit den Frachthäfen Freudenau, Albern und Lobau und da­mit eines der größten Güterverteilzentren Österreichs.“

Logistik trotzt der Krise

Mittlerweile haben sich etwa 120 logistiknahe Unternehmen auf Flächen des Hafens Wien angesiedelt, die 5.000 Mitarbeiter beschäftigen, jährlich werden elf Millionen Güter umgeschlagen und 77.000 Fahrzeuge an den Autoterminals abgefertigt. Das Logistikunternehmen floriert trotz Wirtschaftskrise. Mit einem Umsatz von 48 Millionen Euro wurde das Ergebnis aus dem Jahr zuvor um drei Millionen übertroffen. Das konsolidierte Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag bei 10,2 Millionen. Das ist eine Steigerung um 24 Prozent.

Mutz ist zufrieden

Trotzdem ist er bestrebt, den Wiener Hafen auch der Bevölkerung näherzubringen. Zum einen soll das Gebiet zwischen dem Personalterminal bei der Reichsbrücke und dem Hafen Wien besser ausgebaut werden. Auf der anderen Seite sind Sightseeingtouren am Hafen geplant. Schon jetzt kann man beim Eisbrecher „Eisvogel“ an Bord gehen. Ja, ganz so unspannend, wie sich das so mancher gedacht hat, ist der Job im Wiener Hafen nicht. Für Wassersportaktivitäten vor der Haustür bleibt Mutz zumindest unter der Woche keine Zeit. Untertags absolviert er im Halbstundentakt Gesprächstermine, bevor er um 17 Uhr Ruhe findet, seine Büroarbeiten zu erledigen. Abends besucht er oft geschäftliche Veranstaltungen.

Silvester am Grund des Attersees

Wer so in die Pedale tritt, braucht auch eine Auszeit, und die findet der gelernte Hochbauingenieur nicht am, sondern unter Wasser. Die Liebe zum Tauchen entdeckte Mutz als junger Mann. „Ich habe damals jeden erdenklichen See erkundet, war eistauchen im Weißensee, flusstauchen und habe sogar einmal auf 30 Meter Tiefe im Attersee das neue Jahr begrüßt“, erinnert sich der Chef des ­Wiener Hafens.

Und wer das Tauchen in „der kalten Finsternis“ in Österreichs Seen gelernt hat, der hat auch weniger Probleme im kristallklaren Meer, ist sich Mutz sicher. Damals hat er unter Wasser noch mit einer Dekompressionstabelle die Zeit ermittelt, die er zum Auftauchen benötigt. Heute macht das alles der Computer. An Erfahrung fehlt es der Wasserratte jedenfalls nicht, bislang hat er insgesamt 800 Tauchgänge absolviert und auch die Ausbildung zum Tauchlehrer gemacht, um mehr Sicherheit zu bekommen.

Bloß nicht auffallen

Mutz weiß, wie er sich im Wasser bewegen muss, um nicht als Mensch aufzufallen. „Grundsätzlich wird jeder Taucher von den Meerestieren als großer, gesun­der Fisch wahrgenommen. Es sind eher die Schnorchler an der Wasseroberfläche, die von den Raubfischen als Beute gesehen werden können“, sagt er. Seit 15 Jahren hat sich der Manager auf das ­Tauchen in wärmeren als den heimischen Gewässern spezia­li­siert. Ob Ägypten, Florida oder die Niederländi­schen Antillen, Mutz findet überall schöne Plätzchen.

Wohlfühlelement Wasser

Dass sich der Manager gerade im kühlen Nass so wohl fühlt, hat mehrere Gründe: „Zum einen ist es die Schwerelosigkeit, das Schweben und die Ruhe, die einen umgibt, wenn man in die Tiefen des Meeres abtaucht.“ Doch auch das Beobachten der wunderbaren Unterwasserlandschaft mit ihren Lebewesen ist ein Erlebnis für sich. „Haben Sie gewusst, dass Langusten sieben Jahre alt werden und nur paarweise leben?“, fragt er mich. Nein, das wusste ich nicht. Mutz hat sich jedenfalls geschworen, „nie im Leben eine Languste zu essen“. Und was ist mit den Fischen, frage ich mich. Ach so, die leben ja nur im Schwarm!

Von der Kriegsmarine geborgen

Eigentlich findet Mutz an allen Meeresbewohnern und der bunten Pflanzenwelt Gefallen. Jahrelang hat er seine Beobachtungen unter Wasser mit der Kamera festgehalten. „Ich habe Hunderte Dias“, erzählt er. Seine Liebe zur Unter­wasserfotografie hörte allerdings abrupt auf, als die Bilder digitalisiert wurden. Das hat offenbar einen an­de­ren Sex, zu wenig technisch vielleicht. Mutz erzählt von seinen vielen Erlebnissen, Tauchgängen, von den Seekühen, den Manatees, die er etwa beim Höhlentauchen in Florida gesichtet hat und die eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 4,5 Metern und ein Gewicht von bis zu 500 Kilogramm erreichen. Fantastisch!

Mut zum Risiko

Höhlentauchen gehört zu den risikoreichsten Taucherlebnissen. Doch der Manager sucht die Heraus­forderung. „Der schönste Genuss ist, allein zu ­tauchen. Fallschirmspringen tut man ja auch nicht zu zweit“, verteidigt er seine Einstellung. Im Roten Meer geriet er mal nach schwerem Seegang auf einem Tauchschiff in Seenot: „Stundenlang haben wir Wasser geschöpft, bis wir in letzter Minute von der Kriegsmarine geborgen wurden.“ Trotzdem: Die wunderbare ­Märchenwelt unter Wasser ist stärker, wenn Mutz die Steilwände hinabgleitet und Mantas, Zebrafische oder andere Exoten des Meeres beobachtet.

„Jeder, der einmal den Kopf unter Wasser gehalten hat, bekommt eine ungefähre Ahnung, wie sensibel das ökologische Gleichgewicht da unten ist“, schließt er. Die Ölpest im Golf von Mexiko, die der britische Energiekonzern BP verursacht hat, wollte Mutz erst gar nicht kommentieren. Er weiß nur allzu gut, welch schreckliche Folgen die Katastrophe für die Meeresbewohner haben wird.

Gabriela Schnabel

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