Roland Geyer: "Mein Job ist mein Leben, das kleine Forsthaus ist mein Lebenselexier"

Roland Geyer, Intendant am Theater an der Wien, erdet sich in St. Jakob am Walde und unternimmt mit Hündin Fini ausgedehnte Wanderungen. Sein Herz für Tiere schlägt auch in Wien, für zwei Patenhunde im Heim.

Roland Geyer, 55, Intendant am Theater an der Wien, ­beschreibt sich selbst als „universellen Menschen“. Ein ziemlich eitler Geck, könnte man im ersten Moment meinen. Doch der Operndirektor ist in der Tat ein Tausendsassa. Und zwar in vielerlei Hinsicht. Der erfolgreiche Manager, der mit seinem Musiktheater auf eine 98-­­prozentige Auslastung hinweisen kann, hatte in seiner Jugend ganz andere Neigungen.

Der Mathematiker als Operndirektor
Erst studierte der Mann Wirtschaftsmathematik an der TU Wien und Sportwissenschaften an der Uni. Seine ersten Brötchen verdiente sich Geyer in der EDV-Branche, wo er Software-Design und Organisationsanalyse betrieb. Mit 29 Jahren lenkte er seine Karriere dann in Richtung Kultur. Um sein Know-how in Sachen Musik zu ver­bessern, absolvierte Geyer den Lehrgang für Kulturelles Management an der ­Wiener Musikuniversität. Der gebürtige Wiener wurde Leiter des städtischen Kultur- und Sportwesens von Amstetten und wechselte dann endgültig vom trockenen EDV-Business ins Theaterfach. 1983 gründete Geyer die Amstettener Sommerfestspiele, war Geschäftsführer der Jeunesse Musi­cale und übernahm dann die Leitung des Wiener KlangBogens und des Osterklang-Festivals.

"Mein Job ist mein Leben"
Mit so einer Biografie war Mister ­Universell offenbar ein idealer Kandidat für den Intendantenjob im Theater an der Wien, wo er seit zwei Jahren fast nonstop werkt. „Ich komme in Spitzenzeiten auf gut 80 Wochenstunden“, rechnet der ­Mathematiker vor. Im Jahr produziert Geyer zwischen zehn und zwölf Premieren. Nein, klagen möchte er nicht, gar nicht. „Mein Job ist mein Leben. Der einzige Wermutstropfen dabei ist, dass ich nicht gut abschalten kann“, gesteht Geyer. Kein Wunder, der Mann arbeitet schon jetzt an Produktio­nen, die erst in vier Jahren am Theater aufgeführt werden. „Die Saison 2012/13 ist fast ­fertig, für die Spielzeit 2013/14 habe ich schon ­einen Kompositionsauftrag erteilt“, so Geyer.

Forsthausidylle im Joglland
Doch auch der stärkste Gaul braucht mal eine Auszeit. Dessen ist sich auch der Operndirektor bewusst. Sechs Stunden Schlaf reichen da nicht ganz aus. Geyers Kraftquelle befindet sich in St. Jakob am Walde im sogenannten Joglland, einer waldreichen Mittelge­birgsgegend in der nordöstlichen Steiermark. Dieses Idyll haben Geyer und seine Frau Gabriela vor einem Jahr entdeckt. „Ein purer Zufall. Wir suchten nach einem Ort in Österreich, wo wir mit unserer ­Hovawart-Hündin Fini Urlaub machen konnten. Und da entdeckten wir St. Jakob. Uns hat das Joglland so gut gefallen, dass wir für die nächsten drei Jahre ein hundert Jahre altes Forsthaus gemietet haben“, freut sich Geyer. Zuvor waren er und seine Frau begeisterte Inselurlauber.

Patenschaft für Terrier Shaka
Das gehört jetzt erst einmal der Vergangenheit an. Die beiden sind nämlich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Hund gekommen. Schuld daran sind der Wald und die Tiere an und für sich. „Nein, ich jage nicht“, so Geyer, „im Gegenteil, ich bin Anti-Jäger, eher ein Tierschützer.“ Die Zusammenhänge werden umgehend erklärt. „Im Vorjahr habe ich ein Bild eines stark abgemagerten Staffordshire Terriers in einer Tageszeitung gesehen und mich sogleich im Wiener Tierschutzhaus erkundigt, wie ich helfen kann, damit es dem Tier besser geht.“ Die Antwort: Mit einer Patenschaft und einer monatlichen Spende von 27 Euro könne Geyer dem todgeweihten Hund namens Schaka das Leben retten. ­„Gabriela und ich besuchen Schaka drei- bis viermal die Woche. Dem Hund geht es heute trotz Milztumor relativ gut“, erzählt Geyer.

Steiermark statt Fernreise
Relativ bald nahmen die Geyers einen zweiten Hund in Patenschaft. Einen zwei Jahre alten Rottweiler, der bereits er­blindet ist. Ihrem Mitgefühl verdanken die beiden auch, dass sie ihre Hovawart-Hündin haben. Die heute siebenjährige Hündin gehörte einer Freundin, die schwer erkrankte und sich nicht mehr um das Tier kümmern konnte. Ehefrau Gabriela, die ihren Beruf als Opernsängerin im Vorjahr an den Nagel hängte, machte ihre Hundeliebe nun zum Brotberuf. Gemeinsam mit einer Partnerin bietet sie ihre Dienste als Mensch-Hund-Coach an. Dass bei so viel Tierliebe Urlaubsferndestinationen hintangestellt werden, klingt ganz plausibel. Und St. Jakob am Walde wird von Geyer auch viel genutzt.

Kraft sammeln und Energie tanken
Ab und zu wird der Operndirektor schon als Wahlsteirer bezeichnet, weil er sein Forsthaus vor allem jetzt im Sommer sehr viel nutzt. „Ich habe mich in das Joglland verliebt. Dort gehe ich wandern, obwohl ich weder Bergsteiger noch ein Wandersmann bin“, erzählt Geyer. „Dort erde ich mich, tanke Energie und sammle Kräfte.“ Groß ist das Geyer’sche „Schmuckkästchen“, wie er sein Jagdhaus nennt, nicht. Aber es reicht. „Sechzig Quadratmeter Wohnfläche, eine kleine Terrasse und ein kleiner Garten. Gleich dahinter grenzt ein Wäldchen an“, beschreibt der Manager seine Naturoase. Außerdem ist St. Jakob von Wien aus in einer guten Stunde relativ rasch zu erreichen. „Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Häuschen im Wald und ein bisserl Natur so erden“, gesteht Geyer.

Abschied von Wien?
Die Liebe zur Natur hat er offenbar von seinem Großvater mütterlicherseits geerbt. Bei ihm in Purkersdorf verbrachte der Operndirektor bis zu seinem zehnten ­Lebensjahr viel Zeit. Von den Eltern hat Geyer die Liebe zum Sport mitbekommen. „Ich spielte Fußball, Volleyball, Tennis und trug während des Sportstudiums Zehnkämpfe aus. Eine sportliche Aus­bildung in der Jugend ist eine gute Grundlage für jeden Managerjob, weil beides Disziplin und manchmal auch Leidens­fähigkeit ­erfordert“, erklärt Geyer. All seine Nei­gungen lebt der Manager auch noch heute aus, auch die Mathematik. In der HTL in Favoriten hat Geyer einen wöchentlichen Lehrauftrag für angewandte Mathematik. „Das hält mich jung“, gesteht Geyer. Sein Vertrag für das Theater an der Wien läuft zwar erst 2013 aus. Doch an den Ruhestand denkt der Manager noch lange nicht. Sein nächstes Ziel: ein Opernhaus im Ausland zu leiten. An Nachfrage ­mangelt es jedenfalls nicht. Das Berliner Opernhaus hat Geyer schon einmal an­gefragt.

Von Gabriela Schnabel

Im Bild: Operndirektor Geyer mit seiner Hovawart-Hündin Fini. Mit seiner Frau Gabriela hat er noch zwei weitere Tiere in Patenschaft.

Body & Soul

Raiffeisen-Holding Generaldirektor Klaus Buchleitner - der virtuose Problemlöser

Doris Felber gab nie klein bei. Jetzt feiert sie - und gleichzeitig die Bäckerei - ein Jubiläum.
 

Body & Soul

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Zum Abschied gibts noch eine große Party im Wiener Odeon Theater.
 

body and soul

Hermann Becker, Grandseigneur der
Porsche-Holding, geht in Pension