RLB NÖ-Vorstand Rehor: 'Bis man die Welt des Orgelspiels erobert, dauert es Jahre'

Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, findet hinter den Manualen der Orgel den Ausgleich zum hektischen Berufsleben, in dem Börsenkapriolen, Anlagestrategien und Zinsprognosen den Takt angeben.

Über eine schmale Wendeltreppe in der Wiener Kaasgrabenkirche erreicht der schlanke, mittelgroße Mann das imposante Instrument. Die wuchtige Orgel thront gegenüber dem Altar des zu dieser späten Stunde leeren Gotteshauses. Hier fühlt sich Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, wohl. Der 51-Jährige öffnet die kleine, hölzerne Türe zum Innenleben des klangvollen Instruments. „Alles in Ordnung“, murmelt er. Oder doch nicht? Ein Ton scheint falsch. Routiniert legt er sein Werkzeug an: „Man braucht kein feines Gehör, sondern muss nur die Schwebung erkennen und die Schwingungen wieder vereinen.“ Ihm erscheint einfach, was andere nicht einmal ansatzweise erspüren könnten.

Feinsinniger Banker

Derartige Feinsinnigkeit hat im Arbeitsalltag des Bankers, in dem es die Tasten des Computers und nicht jene der Ma­nuale zu bedienen gilt, keinen Platz. Börsen, Zinskurven, Anlagestrategien sind das täglich Brot des für Finanzmärkte zuständigen Raiffeisen-Managers. Das verlangt kühles Rechnen und rationale Entscheidungen. Doch hier an der Orgel findet die Zahlenakrobatik ihren Ausgleich. Die rechte Gehirnhälfte überwindet machtvoll die linksgesteuerte Alltagsdominanz: „Wenn ich hier oben in der Kirche spiele und improvisiere, ist das ein sehr emotionaler und kreativer Prozess. Da beanspruche ich die Gehirnbereiche, die im Job zu kurz kommen.“

Alle Register ziehen

Zur Einstimmung spielt der Banker ein Präludium von Dietrich Buxtehude, „weil man bei diesem Stück die komplette Klangreihe des Instruments zu hören bekommt“. Seine Hände huschen über die Tasten, während die Füße die Pedalreihe bedienen. „Du musst die Füße so im Griff haben, wie wenn du mit zwei Fingern Klavier spielen würdest“, erklärt Rehor die Arbeit des Organisten, der den gesamten Körper mit einbezieht. Hat eine Hand – was selten vorkommt – Pause, zieht sie die Register, die auf etwa 1.400 Pfeifen zugreifen und Volumen und Klangfarbe verändern. „Je mehr Register im Einsatz sind, desto schöner singt die Orgel.“

Orgelspiel aus Leidenschaft

Für jemanden, der auf Rehors Niveau spielt, ist Orgel Leidenschaft. Und so hätte sich der Banker, der schon mit renommierten Chören und Orchestern CDs aufgenommen hat, auch ein Leben als Musiker vorstellen können. Doch es fehlte die Möglichkeit, nach dem Herzen zu entscheiden. „Das erste Kind war unterwegs. Da war klar, dass ich einen Beruf brauchte, mit dem ich Geld verdienen konnte.“ Heute ist der zweifache Vater glücklich über den Entschluss. „Es reicht in Österreich nicht, wenn du sehr gut bist, weil die Dichte extrem hoch ist. Ich kenne viele glänzende Musiker, die kaum überleben können. Außerdem kann ich mir immer aussuchen, was ich spielen will.“

Tu, was du willst

Entscheidungsfreiheit war ihm schon in der Kindheit wichtig. Sonst hätte der Manager, der mit sieben Jahren zum ersten Mal am Klavier saß, wohl nicht die Ausdauer zum Üben aufgebracht. „Ich habe alle Eigenschaften eines Widders“, lächelt der im April Geborene, „auch eine gewisse Starrköpfigkeit.“ Klavier üben habe ihm nie Spaß gemacht. „Aber wenn ich mich hinsetzte und spielen durfte, was ich wollte, fand ich dar­an auch stundenlang Gefallen.“ Seine Eltern gewährten diesen Freiraum und förderten seine außergewöhnliche Musikbegabung. Nach einer Zeit intensiven Übens kam schließlich das Angebot, Orgel zu spielen. Eine seltene Ehre für einen erst 14-jährigen Jüngling.

In die Welt des Orgelspiels eintauchen

„Bis man die Welt des Orgelspiels erobert,  dauert das schon einige Jahre“, resümiert Rehor. Parallel zum Studium der Volkswirtschaft besucht er die Musikhochschule und wählt Orgelbau als Nebenfach. Das feinmechanische Wissen kann er auch heute noch gut gebrauchen: „Ein Organist sollte sein Instrument verstehen und auch eine Fliege, die im Orgelkopf hängt, selbst entfernen können. Dann braucht nicht immer gleich der Orgelbauer zu kommen.“ Nicht nur das Instrument, auch der Standort ist Rehor wichtig. In der Kirche vereinen sich für den tief religiösen Banker Kunst und Spiritualität: „Ich habe eine lebendige Beziehung zu Gott.“ Für die Kaasgrabenkirche wurde 1995, nicht zuletzt wegen Rehors Engagement, eine neue Orgel gebaut.

Dank eines eigenen Schlüssels kann er jederzeit seiner Leidenschaft nachgehen. Besonders in den Abendstunden oder am Wochenende ist er hier beim Üben anzutreffen. Im Weggehen wirft er seinem Instrument noch einen kurzen Blick zu, ehe er, zum Altar gewandt, niederkniet. Vor Gott und vielleicht auch ein wenig vor der Königin der Instrumente.

Carolina Burger

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