Rektorin Blimlinger und die Vanillekipferln

An Eva Blimlinger, designierte Rektorin der Akademie der bildenden Künste, ist eine begnadete Bäckerin verloren gegangen. Ihre Spezialität: Vanillekipferln, von denen sie mit Freude 16 Kilo herstellt.

Die Frau ist in der Tat außergewöhnlich. Sie raucht mit Vorliebe Smart Export, lässt sich nicht durch zaundürre Modelvorbilder manipulieren und ist felsenfest davon überzeugt, dass Kochen ebenso ein Fundament fürs Leben ist wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Rede ist von Eva Blimlinger, 49, designierte Rektorin der Wiener Akademie der bildenden Künste, die im Oktober ihren neuen Job antritt. Auch in ihrer neuen Funktion tanzt sie aus der Reihe. Denn gemeinsam mit drei anderen Frauen – Sonja Hammerschmid, Sabine Seidler und Christa Neuper – zählt sie zu den ersten Rektorinnen an Österreichs Universitäten. Blimlinger ist jedoch weder den Emanzen zuzuordnen noch den Ewiggestrigen – Marke Hausfrau anno dazumal.

Die studierte Historikerin und Germanistin war seit den 80er-Jahren freiberuflich im Kunst-, Kultur-, Bildungs- und Forschungsbereich tätig. Sie ist Verfasserin zahlreicher Publikationen in den Bereichen Alltags- und Frauengeschichte, Nationalsozialismus und Zweite Republik. Blimlinger widmete sich der sozialen Position von Gauklern, Seiltänzern und Zauberern ebenso wie der Ökonomie der Projektanten. Bis Oktober leitet sie an der Angewandten noch die Stabsstelle für Projektkoordination und Prozessmanagement im Bereich Kunst- und Forschungsförderung.

Ohne Furcht und Tadel

Dass sich Blimlinger in ihrem neuen Job politisch anpassen wird, ist kaum zu erwarten. „Mal sehen, mir eilt ja schon ein gewisser Ruf voraus. Die Rektorenkollegen wissen, dass ich relativ forsch und dezidiert auftrete. Dass ich jetzt meinen Mund halten werde, ist eher unwahrscheinlich“, gibt sie ohne Umschweife zu. Die gebürtige Wienerin aus dem Bezirk Neubau ist jemand, der gerne entscheidet. „Ich bin in diesem Sinne ein wenig unösterreichisch, wenn ich Nein sage, bleibt es dabei. Diskutieren, pro und kontra ja, aber dann muss man sich entscheiden. Ich bin jedenfalls sehr hoffnungsfroh und motiviert für meinen neuen Job.“

Einzig die Freizeit wird der Frau Rektorin ein wenig knapp werden, vor allem im Advent. Denn da würde sie sich am liebsten vier Wochen ausklinken, um sich ihrer Passion, dem Backen und dem Herstellen von Konfekt, feinen Pasteten und herzhaften Saucen, zu widmen. „Andere machen Yoga, ich stehe in der Küche“, erklärt sie lachend. „Das ist für mich wie Urlaub, weil das Kochen neben meiner vielen geistigen Arbeit etwas Kontemplatives für mich ist.“

In Kochunion mit dem Vater

Wie früher in jeder Familie Usus, war auch bei den Blimlingers das Kochen und die gemeinsame Mahlzeit am großen Tisch ein verbindendes und zentrales Thema. Die Passion zum Zubereiten der Speisen hat Blimligner allerdings vom Vater, denn der war ein ausgezeichneter Koch. Während der Mutter das Alltagskochen vorbehalten war, hat der Vater am Wochenende zelebriert, wie man ein Hendl ausnimmt, den Magen putzt und mit diesen Zutaten eine feine Suppe zubereitet.

Praktische Dinge wie die Zubereitung eines Essen für Freunde oder das Zaubern eines Menüs für damals 20 Schilling wurden Eva Blimlinger im wirtschaftskundlichen Realgymnasium dann sukzessive beigebracht. „So habe ich alles von der Pike auf gelernt“, erinnert sich die Historikerin. Auch heute zaubert sie gerne für Freunde am Herd, aber auch für sich selbst, zur Verwunderung vieler. Das wiederum wundert Blimlinger nicht, denn laut Statistiken sind gerade 30 Prozent der Österreicher in der Lage, richtig zu kochen.

„Das ganze Chichi, das heute in den Kochshows zelebriert wird, regt mich auf“, macht sich Blimlinger Luft. „Da wird den Leuten suggeriert, dass diese Art von Kochen – Zitronengras an irgendwas – exquisit ist. Dabei ist das eine absurde Entwicklung, weil nur mehr jene zum Kochlöffel greifen, die ein höheres Bildungsniveau haben.“ Mit Kochen hat das für die Rektorin nicht viel zu tun, denn wer keine g’scheite Rindsuppe zubereiten kann, versteht nichts vom Kochen, basta!

Vier Jahre fürs Kipferl

Dass Blimlinger trotz ihrer Passion keine Kochlehre einschlug, lag daran, dass sie sich in ihrer Jugend im „feministischen Umfeld bewegte“ und in diesem, „Kochen megaout“ war. Was ihr jedoch keiner nehmen konnte, war die Liebe zum Backen. Schon als Kind hatte sie „tonnenweise Kekse gebacken“. Heute ist sie in Insiderkreisen bekannt für ihre „Blimlingerischen Vanillekipferln“. Bis die Rezeptur schlussendlich passte, dauerte es vier Jahre: Da wurde das Know-how der Mutter berücksichtigt, das von Haubenkoch Johann Lafer und das eines dritten Kipferl-Bäckers. Im Vorjahr buk Blimlinger 16 Kilogramm vom Halbmond-Gebäck.

Freunde können insgesamt aus 25 Grundrezepten für Weihnachtsbäckerei auswählen. Die einen mögen Schokokugeln, die anderen mit Marzipan gefüllte Datteln, ein Spezialfreund bekommt handgemachte Cognactrüffeln. Und jährlich probiert die passionierte Bäckerin neue Rezepte aus. „Wenn es konveniert, wird es in mein Backprogramm aufgenommen“, erzählt sie. Häufig kommen Anfragen, ob man die Blimlingerischen Leckereien nicht käuflich erwerben kann. Die Rektorin winkt ab: „Wenn ich wollte, könnte ich jederzeit aussteigen und im Sinne von burgenländischer Hochzeitsbäckerei ein Business aufziehen. Doch das ist nicht meine Absicht.“ Viel eher überlegt sie, ihre vielen Rezepte einmal in Buchform zu binden, um die Blimlingerischen Naschereien der Nachwelt zu hinterlassen.

– Gabriela Schnabel

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