Reich an Energie: Mathias Bauer nutzt Feng-Shui-Prinzipien für den Arbeitserfolg

Erfolg ist für Mathias Bauer kein Zufall. Der Chef der Raiffeisen Fondsgesellschaft lebt privat und in der Arbeit mit der chinesischen Harmonielehre Feng Shui. Dazu gehören Kraftwasser, Energiebrunnen und leuchtende Farben.

Der orangefarbene Brunnen in der Zimmerecke gluckst unsicher vor sich hin. Irritiert blickt Mathias Bauer auf sein Heiligtum. „Ich hab ihn wahrscheinlich nicht gründlich genug gereinigt“, murmelt der Chef der Raiffeisen Fondsgesellschaft RCM in seinen Bart. Steht auf, zieht sein Sakko aus und beginnt zu putzen. An seinen Zimmerbrunnen darf nämlich nur er selbst Hand anlegen. Hat sich doch der 49-jährige Banker sowohl in der Arbeit als auch in der Freizeit Feng Shui, der chinesischen Harmonielehre, verschrieben. Und dabei geht es darum, Energie fließen zu lassen.

Raumelemente unterstützen Weitblick
„Als wir vor drei Jahren hierher an den Schwarzenbergplatz übersiedelt sind, haben wir auf meine Anregung alles nach Feng-Shui-Kriterien aus- und einrichten lassen. Wir haben auch einen Kraftpunkt im Zentrum des Gebäudes“, erzählt Bauer, der aus gutem Grund in der obersten ­Etage an vorderster Front sein Zimmer hat. „In meiner Position braucht man Überblick und Horizont. Dieser Weitblick soll von möglichst vielen Elementen im Raum unterstützt werden.“ Da der Vorsitzende der RCM-Geschäftsführung Wien über alles liebt, stärken ihm hinter seinem halbmondförmigen Schreibtisch Panoramabilder von Karlsplatz und Stephansdom den Rücken. Auf anderen Bildern, extra für Bauer gestaltet, finden sich Stationen seiner Karriere wieder: Das Gebäude der Raiffeisen Zentralbank am Stadtpark, wo er 17 Jahre lang arbeitete, lugt ebenso rechts von der Wand wie der Brunnen am Michaelerplatz. „Mit diesem Blick hat mein Berufsleben begonnen. ­Jeden Tag im Sommer ist da ein Geigenspieler gestanden. Der hat sechs Stunden lang das gleiche Lied gefiedelt. Irgend­einen Mozart.“ Heute lacht er darüber.

"Erfolg ist kein Zufall"
Überhaupt scheint der gebürtige Wiener eine Frohnatur zu sein. Allerdings eher eine stille. Wer den Schalk in seinen Augen sehen möchte, muss schnell sein. „Mein Job macht mir immer noch wahnsinnig viel Spaß. Manchmal merkt man das auch. Ich fühl mich hier wohl“, sagt Bauer, der seit 25 Jahren für die Fonds­gesellschaft arbeitet, die er mit aufgebaut hat. Sein Blick schweift selbstbewusst durch den Raum. Er wählt seine Worte
mit Bedacht: „Erfolg ist kein Zufall. In meinem Leben hat es schon immer eine Balance zwischen harter Arbeit und entsprechender Freizeit gegeben. Feng Shui hat mich in vielem bestätigt, was ich vorher schon gelebt habe.“ Sein Lieblingsplatz ist aber der Vorsitz am Konferenztisch. Hier wird hart verhandelt. 90 Prozent der Zeit, die er im Büro verbringt, thront er sozusagen auf einer starken Feng-Shui-Achse mit Fensterblick auf Schwarzenbergplatz und Karlskirche, leitet Gespräche und Verhandlungen. „Ich bin nicht unerfolgreich“, versucht Bauer vergeblich bescheiden zu bleiben. Auf seinem Platz ist noch nie jemand anderer gesessen. „Der gehört mir, der gibt mir Energie.“

Mit vielen Wassern gewaschen
Nach 15 Jahren als Chef des Branchenverbandes VÖIG, dessen Vizepräsident er heute ist, und zwei Jahren als Präsident des
europäischen Dachverbands der Fonds­industrie, ist er mit vielen Wassern gewaschen: „Ich habe einen sehr politischen Job, bei dem ich viel gestalten muss. Dazu brauche ich gute Mitarbeiter. Die sagen mir nämlich auch, was ihnen nicht passt, und reden mir nicht nach dem Mund. Das bringt einen persönlich unglaublich weiter.“ Die Tür zu seinem Büro geht übrigens nach rechts auf. „So kann mir keiner in den Rücken fallen. Außerdem müsste derjenige ja auch erst das Sekretariat überwinden, und das ist praktisch unmöglich“, sagt Bauer mit einem verschmitzten Lächeln. Die rote Sofagarnitur im Raum hat er nach der Feng-Shui-Farbenlehre selbst im Möbelgeschäft bestellt. Überhaupt ­findet sich im Zimmer viel Rot, Orange und Gelb, sonnige Farben für sein Gemüt. Gleich links neben der Tür steht ein Pult. Von dem aus hält er keineswegs Lehrer Lämpel gleich seine Reden, sondern benutzt den Platz mit Weitblick zum Zeitung­lesen. Dafür hat er allerdings wenig Zeit. Denn meist ist der Vater zweier Kinder beruflich unterwegs. Zeit mit seiner Familie ist ihm deshalb teuer.

Eheliche Harmonie
Auch in seinem Haus im Speckgürtel vor den Toren Wiens zieht sich der Feng-Shui-Einfluss harmonisch durch Räume und Garten. „Zuhause bin ich in der Relax- und Genießphase. Da bekomme ich auch sehr viel Energie von meiner Familie zurück. Ich bin seit 23 Jahren mit meiner Frau verheiratet und glücklich. Unser Lebensprinzip ist nachhaltig, das hat auch viel mit Feng Shui zu tun“, sagt Bauer. Mit seiner Frau ist er nicht nur gerne gemeinsam in der Natur, sondern teilt mit ihr neben der Liebe zu Feng Shui auch die Leidenschaft für Golf. „Sie ist besser als ich, aber mit diesem Handicap muss ich wohl leben“, gibt ­Bauer lächelnd, aber mit einem leichten Stirnrunzeln zu. Doch der eheliche Golf-Wettbewerb scheint noch nicht entschieden: „Es ist ein sportliches Anstacheln. Wir ergänzen uns gut und haben den Willen, viel gemeinsam zu unternehmen.“

"Habe gelernt, zu delegieren"
Mathias Bauer nimmt einen Schluck Feng-Shui-Wasser. Auch das gibt es in ­seinem Reich. Krug und Gläser haben die Blume des Lebens am Grund eingeritzt, energetische Linien, die das Wasser rechtsdrehend machen und so den Körper be­leben sollen. „Ich nutze die Prinzipien des Feng Shui, um in meiner Arbeit Erfolg zu haben. Aber ich habe auch gelernt, zu delegieren. Es ist nicht meine Aufgabe, alles zu wissen, sondern jemanden in der Nähe zu haben, der das Detail weiß.“ Mittlerweile murmelt der Brunnen ­leise vor sich hin. Das Wasser fließt in geordne­ten Bahnen über die Rillen und erfüllt so den Raum wieder mit positiver Energie.

Ingrid Krawarik

Im Bild: Im Zentrum der RCM in der Eingangshalle darf jeder am Kraftpunkt auftanken. Auch Chef Mathias Bauer persönlich.

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