Raiffeisen-Holding-General Erwin
Hameseder gibt gern Gas

Erwin Hameseder, der Topmanager bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, gibt gerne Gas: ob beim Motorradfahren, beim Joggen oder wenn es darum geht, seine christlich-sozialen Werte von Moral und Ethik weiterzugeben.

Erwin Hameseder, 55, der Generaldirektor der Raiffeisen-Holding und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, gilt als einer der unbekanntesten Einflussreichen Österreichs. Der frühere Berufsoffizier wird allgemein als „loyaler Mitstreiter“ von Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad beschrieben, als „sehr zäh und geduldig“. Er ist zwar sehr naturverbunden, aber kein Jäger, was in seiner Position erstaunlich ist. Lieber joggt er durch den Wald oder unternimmt „Schönwetter-Ausfahrten“ mit seiner BMW K 1300 S.

Nebstbei engagiert sich der Manager bei der freiwilligen Feuerwehr in seiner Heimat Mühldorf in der Wachau, organisiert Golfturniere für das Haus Pulkau oder sammelt Geld für die Basilika Maria Taferl. „Ich versuche, meine christlich-sozialen Werte von Moral und Ethik weiterzugeben, so bin ich auch erzogen worden“, begründet das der Manager. Seine „Homebase“, wie er sagt, ist die Familie: seine Ehefrau Christa, mit der er seit 33 Jahren verheiratet ist („heute keine Selbstverständlichkeit mehr“), und die Söhne Mario und Michael. Mit den beiden unternimmt er auch seine geliebten Motorradtouren.

Vom Berufsoffizier zum Generaldirektor

Hameseders Leben scheint immer wie auf einer Schiene verlaufen zu sein, mit einer Ausnahme allerdings. Er wollte Lehrer werden, entschied sich dann aber doch anders. Er wechselte zum Bundesheer. Aus der einjährigen Freiwilligenausbildung wurden zwölf Jahre als Berufsoffizier. Eine Zeit, die das Leben des Mühldorfer Buben nachhaltig prägte: Er ist stolz auf seinen Brigadier-Rang und auch darauf, dass er das Führen schon in jungen Jahren erlernen durfte. „Es gibt nach wie vor leider kein Studium, wo man das Führen lernt“, sagt er mit Bedauern.

Im Raiffeisen-Konzern, wo Hameseder nächstes Jahr sein 25-jähriges Jubiläum begeht, ist er für 1.500 Mitarbeiter verantwortlich. „Der einzige Unterschied zu damals: Beim Bundesheer gab ich Befehle, in der Privatwirtschaft bitte und ersuche ich um etwas. Das Resultat muss in letzter Konsequenz gleich sein: Aufgaben möglichst rasch und effizient zu lösen.“

In Hameseders Verantwortung fallen mehrere Bereiche: das Bankgeschäft, die Nahrungsmittelindustrie, Immobilien, Beteiligungen an Bau-, Medien- und Dienstleistungsunternehmen – sowie das jüngste Geschäftsfeld: erneuerbare Energie. Auf der RENERGIE, Betreiber und Entwickler von Alternativenergie (Biogas, Photovoltaik, Windparks, Kleinwasserkraft), liegt auch der Fokus von Hameseder. Mittelfristig plant er sogar einen Börsengang. Sein Bekenntnis dazu ist ganz klar: „Ich bin absolut dafür, dass wir in Österreich aus dem Atomstrom aussteigen. Nicht nur wegen der Katastrophe in Japan, sondern es ist ein Faktum, dass wir etwas in Richtung Energieeffizienz tun müssen.“

Und wenn Hameseder eine Sache durchziehen will, dann ohne Wenn und Aber. Das gilt für alle Lebensbereiche. Sein zeitaufwendiger Job lässt dem Raiffeisen-Mann ja nicht viel Spielraum für Freizeit. Doch die, die er hat, nutzt er sehr effizient. „Ich bin sehr froh, dass meine Frau viele Termine gemeinsam mit mir wahrnimmt, auch das ist keine Selbstverständlichkeit“, betont er.

Ansonsten versucht der schlanke Schnurrbartträger insbesondere am Wochenende „ein bisserl Ruhe zu finden“. Heißt: sich mittels Sport zu konditionieren. „An erster Stelle steht bei mir Joggen, weil es am wenigsten zeitintensiv ist und man es überall machen kann“, erklärt er. „Ich wohne Gott sei Dank so, dass ich in fünf Minuten im Wald bin und auf Forstwegen laufen kann.“ Bei Schlechtwetter trainiert er im hauseigenen Fitnessraum, den er und seine Frau sich gebaut haben, nachdem die Kinder aus dem Haus waren.

Wahnsinn mit Komfort auf zwei Rädern

„Wenn allerdings die Sonne lacht, zieht es mich raus zum Motorradfahren“, schildert er. Zweiräder faszinieren den Raiffeisen-Mann schon seit der Jugend. Mit seiner BMW K 1300 S hat er sich zu seinem 50er einen Traum erfüllt. „Das ist das beste Motorrad, das ich je hatte“, kommt der ansonsten zurückhaltende Mann ins Schwärmen. Die stärkste und schnellste BMW aller Zeiten wird von eingefleischten Bikern gerne als „Wahnsinn mit Komfort“ beschrieben.

„Man kann alles elektronisch einstellen: wie das Fahrwerk ausgestellt ist, ob man allein oder zu zweit fährt, die Maschine weicher oder härter gefedert ist“, erklärt Hameseder. „Eine tolle Sache mit Ur-Power.“ Seine Biker-Liebe teilt Hameseder mit den Söhnen: „Wenn es gerade passt, rufen wir uns zusammen und machen eine Tour durch Nieder- und Oberösterreich.“ Doch auch bei diesem eher unkonventionellen Hobby bleibt Hameseder seinen Prinzipien treu: „Nur die Kraft von so einem Gerät zu nutzen wäre schlecht. Man muss nicht nur konzentriert, sondern auch verantwortungsvoll fahren“, lässt er keinen Verdacht auf jugendlichen Leichtsinn aufkommen.

– Gabriela Schnabel

Body & Soul

Raiffeisen-Holding Generaldirektor Klaus Buchleitner - der virtuose Problemlöser

Doris Felber gab nie klein bei. Jetzt feiert sie - und gleichzeitig die Bäckerei - ein Jubiläum.
 

Body & Soul

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Zum Abschied gibts noch eine große Party im Wiener Odeon Theater.
 

body and soul

Hermann Becker, Grandseigneur der
Porsche-Holding, geht in Pension