Quelle-Chef Wolfgang Binder: "Wenn ich am Hochstand sitze, komme ich zur Ruhe."

Wolfgang Binder, Geschäftsführer von Quelle Deutschland und Österreich, ist passionierter Jäger. Im Sommer genießt er jedoch die Idylle in seinem Ferienhaus am Chiemsee und tauscht den Stutzen gegen ein Kielboot.

Wolfgang Binder, Geschäftsführer von Quelle Österreich und seit kurzem auch in Personalunion Geschäftsführer der Quelle-Gesellschaft in Fürth, Deutschland, mag seinen Job trotz der großen Verantwortung. Immerhin ist Binder jetzt für 16 Landesgesellschaften mit einem Gesamtumsatz von mehr als 600 Millionen Euro mitverantwortlich. Seine Reisetätigkeit hält sich heute mit etwa zwei Tagen pro Woche in Grenzen. Früher war er bis zu 30 Wochen im Jahr unterwegs. Der Manager kann aber Arbeit und Privatleben auseinanderhalten.

Vorfreude auf den Mai-Bock
Mit seinem Credo „Bis hierher und nicht weiter“ weiß der Mann schon seit vielen Jahren das Managerdasein von seinem Privatleben zu trennen. Der gebürtige Oberösterreicher und zweifache Familienvater setzt sich zu hundert Prozent für seinen Beruf ein, doch seinen Hobbys – Jagen, Bootfahren und Skifahren – bleibt der Mann übers Jahr den Jahreszeiten entsprechend treu. Vom Schnee hat er dieser Tage, wie viele andere auch, endgültig genug. „Ich freue mich schon darauf, im Mai einen Bock zu schießen“, erzählt der begeisterte Jäger. In der Fachzeitschrift „Weidwerk“ werden Jäger, die erst am 1. Mai zu Beginn der Bockschusszeit aufwachen, als „Winterschläfer“ bezeichnet. Doch das berührt den Quelle-Chef nicht. Es ist das erste Wild im Jahr, und für die Wildbretfreunde ist das zarte Fleisch des Maibocks, der erst im Wonnemonat geschossen werden darf, ein wahrer Hochgenuss.

„Die Jagd muss man in sich spüren.“
„Die Einzeljagd auf den Rehbock gehört zu den spannendsten Momenten der jagdlichen Tätigkeiten“, erklärt Binder. „Mir geht es einfach um das Erlebnis. Wenn ich am Hochstand sitze, komme ich auch zur Ruhe.“ Stundenlang vermag er dort auszuharren. Bis so ein kapitaler Hirsch auftaucht, kann es schon dauern. Langeweile kommt trotzdem nicht auf. Ab und zu schießen dem Manager auch berufliche Gedanken durch den Kopf. Dann zückt er seinen Schreibblock, den er immer im Rucksack mit dabei hat, und notiert sich seine Geistesblitze. Die Leidenschaft für die Jagd hat Binder sehr früh gepackt. „Auch mein Vater und Großvater waren begnadete Jäger und haben mich schon als Kind mitgenommen“, erinnert sich der Weidmann. Die Jagdprüfung hat er vor bald drei Jahrzehnten abgelegt. „Diese Prüfung ist so umfangreich und vervollständigt in jedem Fall die Allgemeinbildung“, erklärt Binder.

Weidmanns Stolz: Ein Vierzehnender
Als er nach Abschluss des Studiums zum Textilbetriebswirt in Nagold (Deutschland) 1987 seine berufliche Laufbahn in der Einkaufsleitung Textil bei der Firma Eduard Kettner in Köln antrat, war die Jagd freilich ein großes Thema. Damals schon einer der größten europäischen Ausstatter für Jagd-, Outdoor- und Landhausbekleidung, besaß das Unternehmen Kettner selbstverständlich eine eigene Jagd. „Wir boten unseren Kunden so die Möglichkeit, unsere Produkte auch in der Natur auszuprobieren. Das Jagen war sozusagen eine praxisorientierte Tätigkeit“, erklärt der Manager. Binders weidmännisches Highlight bislang: ein Hirsch mit einem zehn Kilo schweren Geweih, dabei handelte es sich um einen Vierzehnender. Seine Passion teilt Binder nur mit einem seiner zwei Söhne, Manuel, dem älteren. „Für Christian, den jüngeren, ist die Jagd ein rotes Tuch, seit er ein Kalb aufbrechen musste, um die Eingeweide rauszuholen“, erzählt Binder. Ein eigenes Revier besitzt der Quelle-Manager nicht. Wenn ihn die Lust auf die Jagd packt, hat er die Möglichkeit, bei Freunden im Ennstal auf die Pirsch zu gehen.

Hochstand gegen Hausboot getauscht
Doch die Jagd ist für Binder nicht die einzige Entspannung. Seine zweite Passion ist das Wasser. Nachdem der Manager 1994 als Produktmanager für Herrenbekleidung und Schuhe zu Gemex, der Einkaufsorganisation der Metro AG, nach Hongkong übersiedelt war, lernten er und seine Familie das Gesellschaftsleben am Wasser lieben und schätzen: ob Besuche am weltberühmten Victoria-Hafen und auf Kowloon, im schwimmenden Dorf Aberdeen oder Bootsfahrten entlang der Südbuchten Hongkongs, etwa an der Repulse Bay, die an die französische Riviera erinnert. „In Hongkong ist es am Wochenende üblich, dass sich die Menschen gegenseitig auf den Hausbooten besuchen. Das ist ein gesellschaftliches Ereignis und hat durchaus seinen eigenen Charme“, erinnert sich Binder. Außerdem bekommt man quasi „am Weg die Kultur der Chinesen mit“. Kultur will auch ordentlich gepflegt sein: Binder und seine Familie legten sich für die drei Jahre in Hongkong ein 30 Fuß langes Boot der Marke Yamaha zu. Dann wollte er es noch einmal wissen. Binder ging 1997 wieder nach Europa zurück, wo er beim Jagdausstatter Kettner in die Geschäftsleitung einstieg. „Hier sah ich meine Zukunft“, erzählt er. „Ich ging mit dem Ziel zurück, bei Kettner Mit­eigentümer zu werden, doch das funktionierte leider nicht.“

Kein Windjammer, nur ein Kielboot
Es folgten ein zweijähriges Intermezzo beim internationalen Spezialversender Elegance und ein ein-jähriger Sidestep zum Campingausstatter Fritz Berger, bevor Binder zum Versender Quelle gerufen wurde. Dem Jagdsport konnte er nun wieder nach Herzenslust frönen, aber dem Wassersport hat er auch nicht gänzlich abgeschworen. „Heute haben wir am Chiemsee ein kleines Ferienhaus und ein Kielboot der Marke Joker, das für vier Mann ausgelegt ist.“ Das idyllische Domizil besuchen die Binders so oft es ihnen nur möglich ist. „Ich brauche am Weekend einen Ausgleich zur Hektik, um die Woche zu verarbeiten. Das kann auch Segeln sein und tut meiner Seele gut.“ Gesegelt wird bis in den September hinein, „dann wird es unangenehm“. Auch in der kalten Jahreszeit zeigt Binder keine Ermüdungserscheinungen, was seine Sportlichkeit betrifft. Da wird mit der Familie Ski gefahren. Doch damit ist es jetzt vorbei. Die Vorfreude auf den Maibock ist groß. Und im August wird dann der Erntebock erlegt.

Gabriela Schnabel

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