Pfeifenberger: "Wenn eine SMS über eine Vogelrarität kommt, muss ich hinterher"

Helmut Pfeifenberger, Geschäftsführer von Brother Österreich, ist begeisterter Birdwatcher. Wenn ihm Pharaonen-Ziegenmelker oder andere gefiederte Freunde vor das Teleskop fliegen, ist er in seinem Element.

Achtung, unbekanntes Objekt im Anflug. Ist es ein Seidenreiher, ein Rallenreiher oder gar ein Kuhreiher? Nur für ein paar Sekunden taucht der gefiederte Freund im Teleskop auf. Helmut Pfeifenberger, 48, Geschäftsführer von Brother Österreich, notiert in seinem Notizbuch „Kuhreiher“. Ein Vogel, den hierzulande kaum jemand gesehen hat. Für den Hobby-Vogelkundler gehört dies zu den glücklichsten Momenten bei der Ausübung seiner Passion. Wenn andere sich darüber wundern, wen kümmert’s? Pfeifenberger ist einer von mehreren Hundert Hobby-Ornithologen in Österreich. Hauptberuflich sind es wahrscheinlich nicht einmal mehr als zwei Dutzend, die sich auf wissenschaftlicher Basis mit dem Leben der Vögel auseinandersetzen. Ganz anders in Großbritannien. Dort hat die Gesellschaft zum Schutz der Wildvögel viermal so viele Mitglieder wie die regierende Labour Party, nämlich eine Million. Doch auch bei uns erfreut sich das „Birdwatchen“ zunehmend großer Beliebtheit.

Seit 14 Jahren bei Brother
Wäre Pfeifenberger in der Grundschule kein Legastheniker gewesen, hätte er sicher eine andere Berufslaufbahn genommen und wäre heute – wer weiß? – vielleicht ein bedeutender Ornithologe. Doch er besuchte statt eines Gymnasiums eine HTL. Der Manager ist jedoch ganz mit dem zufrieden, was er bislang erreicht hat. Schon in der HTL hat er die Fachrichtung Drucktechnik gewählt. Nach seiner Ausbildung startete er bei Pressel Direkt Werbung, wechselte dann zum deutschen Konkurrenten Drescher und ist bereits seit 14 Jahren bei Brother Österreich.Das internationale Unternehmen mit Sitz in Nagoya, Japan, ist in mehr als 100 Staaten mit 61 eigenen Produktionsstätten und Vertriebsniederlassungen tätig, beschäftigt 22.000 Mitarbeiter und erzielt einen Konzernumsatz von mehr als 3,8 Milliarden Euro. Die österreichische Niederlassung vertreibt Drucker, Faxgeräte, Beschriftungssysteme und Schreibmaschinen. Umsatz: 17 Millionen Euro.

Lobau-Expedition als Auslöser
Doch wie, um Himmels willen, kommt ein Techniker auf die Idee, Vögel zu beobachten? „Purer Zufall“, beginnt Pfeifenberger seine Schilderung, während er das Auto Richtung Seewinkel pilotiert. Der gebürtige Wiener war in den Schulferien viel bei Verwandten in Salzburg. „Für die Natur und Tiere habe ich mich immer schon interessiert.“ Seine Lieblingssendung war „Daktari“, und mit der Fotokamera jagte er die Vögel schon als Jugendlicher. Ein Bericht über die englischen Birdwatcher, der 1995 in der Zeitschrift „Geo“ abgedruckt war, erweckte stärkeres Interesse. Durch einen Zufall machte Pfeifenberger bei einer Exkursion von Birdlife Österreich in der Lobau mit. „Das hat mich wahnsinnig fasziniert“, erinnert er sich. Seit damals lassen ihn die gefiederten Freunde nicht mehr los.

Mitglied im "Club 300"
Ein langweiliges Hobby? Ganz und gar nicht. Die Ornithologen befassen sich weltweit mit rund 10.000 Vogelarten, einer der artenreichsten Klassen der Wirbeltiere. Die zahlreichen Amateur-Vogelkundler wie Pfeifenberger liefern wesentliche Beiträge zum Verständnis der Biologie einzelner Arten, Artengruppen oder der Regionalfaunen. „Ich beschäftige mich nur mit der Westpaläarktis“ (Europa, Nordafrika, Mittlerer Osten, Anm. d. Red.), und das ist ausreichend. Das reicht tatsächlich. Alleine in Österreich kann der Manager auf 317 Vögel verweisen, die er gesehen und in seinem Vogel-Kalender dokumentiert hat. Damit ist Pfeifenberger auf der Homepage des Online-„Club 300“, der sich bei seiner Gründung 2001 zum Ziel gesetzt hat, die Marke von 300 verschiedenen Vogelarten in Österreich zu erreichen, im Ranking auf Platz neun gelistet. Auch wenn die Hotspots der Ornithologen in Skandinavien und Großbritannien sind, gibt es auch in Österreich genügend Vogelarten, wie etwa die Großtrappe oder die Zwergscharbe, einen Kormoranvogel, die Seltenheitswert haben. Im Wiener Augarten wurde im Sommer ein Wanderfalke gesichtet, und im Seewinkel machte Pfeifenberger einen Kuhreiher aus.

Beobachtung von Gelbschnabel-Eistauchern
Ein schönes Hobby, das jedoch auch ein entsprechendes Zeitbudget voraussetzt. Pfeifenberger kommt ein bis zwei Tage im Monat an Wochenenden zu seiner Passion. Meist besucht er nahe liegende Vogelschutzgebiete wie den Seewinkel im Burgenland. Doch auch Oberösterreich und Kärnten haben einiges zu bieten. Im Kremstal wurde der Manager einer Ohrenlerche gewahr, am unteren Inn erblickte er eine Schwalbenmöwe, und in Feistritz entdeckte Pfeifenberger einen Gelbschnabel-Eistaucher, der normalerweise in der küstennahen Tundra Russlands und in Nordamerika beheimatet ist. „Ich bin gerne in Kärnten, vor allem im Frühjahr, weil es dort gute Chancen gibt, Vögel zu sehen, weil sie einfach zu weit nach Norden geflogen sind“, erklärt Pfeifenberger.

Birdwatching in Israel
Im Sommer hatte der Manager das Glück, von einem Freund nach Israel zum Birdwatchen eingeladen zu werden: „Es war großartig. In einem ausgetrockneten Flusslauf haben wir Fahlkäuze und Pharaonen-Ziegenmelker beobachten können.“ In Niederösterreich ist der vogelkundige Mann bereits aktenkundig, im positiven Sinn freilich. Denn er hat den ersten Brutnachweis der Mandarinente in Niederösterreich erbracht, die ursprünglich in Ostasien beheimatet war. Manchmal ist es Zufall, manchmal eine sms, die den Birdwatcher in Aufregung versetzt. „Wenn jemand eine seltene Beobachtung macht, informiert er die Bird-Community via sms“, erklärt Pfeifenberger. „Das ist der richtige Kick, dann heißt es, rasch bequeme Sachen überziehen, Fotoapparat und Teleskop einpacken und der Rarität hinterherfahren.“ Vielleicht wundert sich wieder jemand. Doch das kümmert Pfeifenberger wenig.

Von Gabriela Schnabel

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