Om am Bauernhof: Gunda und Werner Unterweger relaxen auf der Turracher Höhe

Das Ehepaar Gunda und Werner Unterweger führt das Fünf-Sterne-Hotel Steirerhof in Bad Waltersdorf sehr erfolgreich. Ihre Wohlfühloase ist ein alter ­Bauernhof auf der Turracher Höhe.

Die Eheleute Gunda, 44, und Werner Unterweger, 45, sind keine Raunzer. Das Modewort „Krise“ kommt ihnen so gut wie nie über die Lippen. Obwohl die Tourismusbranche, in der sie arbeiten, wenig Grund zum Jubeln hat. Im heurigen Sommer ist die Zahl der Übernachtungen in Österreich um 5,2 Prozent auf 29,3 Mio. zurückgegangen. Die Ankünfte verringerten sich um 3,3 Prozent auf 8,3 Mio. Und die Umsätze reduzierten sich um 5,3 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro.

Familienhotellerie muss man leben
Seit neun Jahren leiten die Unterwegers das Fünf-Sterne-Hotel „Der Steirerhof“ in der steirischen Thermenregion-Gemeinde Bad Waltersdorf, das im Besitz von Billa-Gründer Karl Wlaschek steht. Doch auch in Zeiten wie diesen freut sich das Ehepaar über eine 90-prozentige Auslastung. Das Betriebsergebnis liegt bei 30 Prozent. Und mit Preisen zwischen 130 und 190 Euro inklusive Halbpension und Aktivprogramm liegt der Steirerhof sicher nicht im obersten Preissegment. „Und wie geht das bitte?“, fragt sich der gelernte Ökonom. „Das ist eine Summe vieler Dinge“, beginnt Unterweger mit seinen Ausführungen. „Die Ferienhotellerie ist sehr feinfühlig. Am besten sind jene Häuser, die von Familien geführt werden. Das Management muss im Hotel leben, wie ich das mit meiner Frau Gunda und den zwei Kindern mache.“ So hält es der gelernte Koch und Kellner Unterweger seit seinem 15. Lebensjahr. Damals begann er seine Karriere in einem kleinen Hotel im Lungau. „Nur wenn man dem Gast so nahe ist, lernt man auch, auf seine Bedürfnisse einzugehen“, fährt er fort.

Zurück zur neuen Ehrlichkeit
Es kommt vor, dass die Unterwegers manche Tage gar nicht aus dem Betrieb fortkommen. Doch Einteilung ist das halbe Leben. Wenn es die Zeit zulässt, schwingt sich das Ehepaar aufs Rad, geht Wandern, Laufen oder Schwimmen. In der Thermenregion kann man die Natur ja geradewegs vor der Haustür genießen. „Einen richtigen Ausgleich zum Job brauchen wir nicht so dramatisch, denn wir trennen nicht so krass zwischen dem Hotelbetrieb und unserem Privatleben“, sind sich die beiden einig. „Wir nützen auch oft die Mittagspause für Freizeitaktivitäten, leben aber auf der anderen Seite rund um die Uhr im Hotel“, so Unterweger. Entscheidend ist für das Paar, sich bei Bedarf einen entsprechenden Ausgleich zu verschaffen. „Wir nennen das ‚stop and go‘, zurück zur neuen Ehrlichkeit, denn lange Zeit war es ja verpönt, zu sagen, ich schaffe das nicht“, beschreibt Unterweger. „Ein wenig mehr Distanz zum Beruf, nicht so ver­bissen arbeiten, auch wenn man das so gern tut wie wir.“ Eine Oase der Ruhe und des Friedens ist für die beiden Hotelmanager der familieneigene Bergbauernhof auf der Turracher Höhe, einem Alpenpass und einer Landschaft in den Gurktaler Alpen, im Grenzland zwischen Kärnten und der Steiermark.

Hacke Holz, suche Schwammerl
Das 300 Jahre alte Anwesen, das Unter­weger gemeinsam mit seinem Bruder geerbt hat, wird vom Biobauern und Freund Sepp Göldner bewirtschaftet. „Ein paar Tage weg vom durchorganisierten Luxushotel und das einfache Leben am Bergbauernhof genießen, das tut uns wirklich gut“, erklärt Unterweger. Das fällt dem Mann auch gar nicht schwer. Als Kind musste er von hier eine gute Stunde zu Fuß durch Wind und Wetter zur Schule gehen. Wenn die Familie auf der Turracher Höhe weilt, wird am liebsten Holz gehackt, oder es werden Schwammerln gesucht. „Hier tauchen wir in eine ganz andere Welt ein. Hier können wir uns fallen lassen. Hier lernen wir durch das einfachen Leben, wieder demütig zu sein. Eine Grundvoraussetzung für die hochwertige Ferienhotellerie“, wird Unterweger philosophisch. Dienstleistung steht beim Hotelmanager ohnedies an oberster Stelle. Das Ehepaar Unterweger beschäftigt in dem 280-Betten-Haus in Bad Waltersdorf 182 Mitarbeiter. Viele Mitbewerber haben bei vergleichbarer Größe ein Drittel weniger Personal.

Nicht um jeden Preis sich verbiegen
Die gebürtigen Obersteirer haben auch ganz klare Richtlinien, nach denen sie ihr Haus führen. Dazu gehört, dass sich die beiden „sicherlich nicht für alles und jeden verbiegen“. Und Umsatz um jeden Preis ist für das Hoteliers-Ehepaar auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Handy und Laptop etwa sind in den öffentlichen Bereichen des Steirerhofs ein No-go. Und: „Zu gro­ßen Gruppen und Seminaren sagen wir dankend nein. Das wird uns zwar oft als Arroganz ausgelegt, wir wollen jedoch, dass sich unsere Gäste wohl fühlen und nicht von lärmenden Gruppen gestört werden“, erklärt der Hausherr. Lieber geht er das Risiko ein, ein paar leere Zimmer zu haben, als seinen Prinzipien untreu zu werden. Während Werner Unterweger für den kaufmännischen Part im Hotel zuständig ist, kümmert sich seine Frau Gunda um das Wohl der Gäste, den Garten und das stimmige Interior.

Feinstoffliche Energie
Das Thema Wohlfühlen und Spüren ist ohnehin eine Passion der Hausherrin. Auch wenn ihr Mann das nicht so gern hört, erzählt Gunda, dass sie eine Zeitungs- und Fernsehverweigerin ist. „Es ist sicherlich ein Nachteil, dass ich viele Dinge nicht weiß, dafür bin ich aber sensitiver und aufnahmefähiger für andere Probleme“, erklärt sie. Ihren eigenen Ausgleich findet sie beim fernöstlichen Qigong, das sie schon seit 15 Jahren praktiziert. Einmal die Woche steht sie mit ihrem Know-how den Gästen des Steirerhofs zur Verfügung. Gunda ist auch spirituell beschlagen und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema feinstoffliche Energie. „Mein Hobby sind die Energien rund um uns, ein Thema, das ich im Hotel gut ausleben kann“, erzählt sie. Ob beim Auswählen der Farben, der Einrichtungsgegenstände und -materialien, Gunda Unterweger ist stets um Harmonie bemüht. Und das gelingt ihr offenbar ganz gut. Jetzt, wo der Steirerhof so gut läuft, träumt die erfolgreiche Hotelbetreiberin von einem neuen Projekt. „Ich möchte ein Hotel nur für Frauen kreieren“, verrät sie. Bekanntlich gehen Träume ja in Erfüllung. Man muss nur fest daran glauben. Und das tut die gläubige Christin Gunda ja ohnedies.

Von Gabriela Schnabel

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