Need for Speed: Damian Izdebski, Gründer von DiTech entspannt beim Rallyefahren

Heiße Reifen und Benzinduft in der Luft: Damian Izdebski, Gründer der Computerkette DiTech, schaltet erst ab, wenn er so richtig aufdreht. Ein Unternehmer auf der Überholspur.

Er sieht ziemlich high aus, als er sich aus dem Beifahrersitz des 330-PS-Boliden schält. Damian Izdebski hat gerade 15 Kilometer Schotterpiste in acht Minuten zurückgelegt. Mit bis zu 230 Stundenkilometern absolvierte er als Co-Pilot von Rallye-Staatsmeister Beppo Harrach den Rundkurs des 26. Rallyesprints in Bruckneudorf.

An diesem Samstag Mitte August gibt der Gründer des mittlerweile größten heimischen PC-Händlers wieder einmal so richtig Vollgas. Wer nach dem 34-jährigen Zwei-Meter-Mann Ausschau hält, sieht ihn mit den Gästen auf der kleinen VIP-Tribüne schäkern. Gefühlte zehn Sekunden später nimmt er mit den Mechanikern den Schaden am Auto in Augenschein, um sich zeitgleich darum zu kümmern, wer von den verdienten DiTech-Mitarbeitern einmal eine Runde mit dem Boliden drehen darf.

Der geborene Tempomacher

Das Kind polnischer Einwanderer hat sich in zehn Jahren vom Ein-Mann-EDV-Dienstleister zu einem der wichtigsten Computer-Dienstleister hochgearbeitet. Für das heurige Jahr ist ein Umsatz von 100 Millionen Euro angepeilt, den Izdebski mit 16 Fachmärkten, einem Online-Shop und immer mehr Firmengroßkunden erzielt.

Zur Erfolgsgeschichte von DiTech gehört auch Aleksandra Izdebska. Abseits der Rennpiste ist sie die Co-Pilotin von Damian Izdebski, und das seit 16 Jahren. Sie schrieb die Rechnungen, als die Festplatten und Prozessoren noch im gemeinsamen Schlafzimmer gelagert wurden, und sie kümmert sich heute als Personalchefin um das Wohl von 270 Mitarbeitern – und natürlich um die beiden Kinder, vier und acht Jahre alt. „Eigentlich haben wir ja drei Kinder“, scherzt sie.

DiTech ist ihr erstes gemeinsames Baby und braucht viel Aufmerksamkeit. „80-Stunden-Wochen sind derzeit die Regel, nicht die Ausnahme“, resümiert Damian Izdebski. Innerhalb von eineinhalb Jahren expandierte man von 5 auf 16 Märkte zwischen Boden- und Neusiedler See. Izdebski ist nicht nur Stratege, sondern auch Perfektionist, der vor jeder Filialeröffnung selbst Hand ans Regal legt, selbst wenn sie wegen eines Unfalls eingegipst ist. „Ich versuche auch die Dinge, die keiner sieht, gut zu machen.“

Wenn etwas nicht passt, sticht ihm das sofort ins Auge – auch auf der Rennstrecke. Als die Wagen in der Pause aufgebockt und repariert werden, holt er selbst den gröbsten Dreck von der Karosserie.

Das Unternehmer-Gen hat Izdebski vom Vater mitbekommen, der in den 80er-Jahren in Warschau einen kleinen HiFi-Laden unterhielt. „Taschengeld gab es nicht. Meine ersten Zloty habe ich mit dem Ausladen von Fernsehern verdient“, erinnert er sich.

Gut integriert

Die Izdebskis sind so etwas wie Österreichs Muster-Migranten geworden. Aleksandra werden ab 23. August mehr Leute kennen als ihren Mann. Da gibt sie im ORF-Sommergespräch die Co-Pilotin von Ingrid Thurnher bei der Befragung von H.-C. Strache, der bekanntlich ein gespaltenes Verhältnis zu Ausländern hat.

An den zehn Rennwochenenden pro Jahr begleitet sie ihren Mann gelegentlich, im Cockpit sitzt er mit einer anderen. Bei Rallyes weist ihm Marion Voll als Beifahrerin den Weg. „Bei der Rallye muss man improvisieren können. Man sieht sich den Kurs kurz an und muss dann den Anweisungen des Beifahrers vertrauen“, sagt er. Außerdem fährt Damian Izdebski klassische Rundkurse: Hockenheim- oder Salzburg-Ring. „Hier kommt der Perfektionist in mir auf seine Rechnung. Mit jeder Runde kann ich meine Leistung verbessern.“ Ob Izdebski das wilde Improvisieren der Rallye oder das monotone Rundendrehen mehr entspricht, weiß er selbst noch nicht so genau. Sicher ist, dass der Adrenalin-Kick und Benzin-Duft das Einzige sind, wo er ganz abschalten kann. „Da drehe ich das Handy ab. Da gibt es keinen anderen Gedanken im Kopf. Eine kurze Unkonzentriertheit könnte die Begegnung mit einem Baum bedeuten“, schwärmt er.

So ein Rennwochenende erschöpft ihn körperlich, geistig ist es wie ein Neustart. „Da komme ich am Montag mit noch mehr Ideen in die Firma“, sagt er, „damit stresse ich meine Mitarbeiter wohl manchmal. Ich bin kein gemütlicher Chef.“ Arbeiten mit Tempomacher Izdebski ist mitunter anstrengend und fordernd. Wer zu seinem Team zählt, hat es aber mit einem „ehrlichen und zuverlässigen Menschen“ zu tun, sagt Freund Mirek Vlahopulos.

Ins Rallye-Cockpit brachte Izdebski eine zufällige Begegnung mit Rennfahrer Beppo Harrach vor eineinhalb Jahren, der heuer mit dem DiTech Racing Team um die Staatsmeisterschaft mitfährt. Izdebski suchte damals nach einem entspannenden Hobby und probierte es mit dem Golfen. „Nach zwei Monaten hat er eingesehen, dass das nicht seines ist“, lacht seine Frau Aleksandra. Sie wusste schon vorher, dass am Green zu wenig Adrenalin ausgeschüttet wird für ihren Turbomann.

– Barbara Mayerl

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