MBT-Schuh-Erfinder Karl Müller: "Gott hat den Erfolg in meinem Leben beeinflusst"

Karl Müller, Erfinder der MBT-Schuhe und kyBounder-Matten, erlebte Himmel und Hölle. Er wurde reich, verarmte und arbeitete sich wieder hoch – mit Gottes Hilfe.

Karl Müller, 57, hat Erfolg. Und den verdankt er Gott. „Ich glaube an Gott in der Bibel, der nicht nur in der Kirche, sondern auch bei Geschäftsleuten präsent ist. Ich spüre ihn, weiß, dass er existiert und den Erfolg in meinem Leben beeinflusst hat“, so sein Credo.

Berg- und Talfahrt
Der Unternehmer und Erfinder der MBT-Schuhe (Masai Barfuß Technologie) machte viel Geld, verarmte komplett und arbeitete sich schlussendlich wieder hoch zum Multi­millionär. Nachdem Müller MBT zum Welterfolg gebracht und acht Millionen Paar Schuhe verkauft hatte, veräußerte er 2006 seine Beteiligung. Heute vermarktet er die von ihm kreierten kyBounder-Matten, ein Steh- und Gehkonzept (siehe Foto) , das gezielt Rückenprobleme vermeidet und Gelenksschmerzen lindert. Das Basismaterial der Matte, einen Mehrkomponenten-Polyurethan-Schaum, baut Müller nun in Schuhe ein, die im Frühjahr 2010 unter dem Namen kyBoots auch in Österreich eingeführt werden. Wie das alles mit Gottes Hilfe ging, erzählt er FORMAT im Zeitraffer.

Vom Work- zum Alkoholiker
Die Offenheit, mit der Müller sein Leben Revue passieren lässt, ist eher ungewöhnlich. „Was immer ich anrührte, wurde zum Goldesel. Ich sah das Geld förmlich auf der Straße liegen“, beginnt er seine Schilderung. Nach seinem Abschluss zum Maschinenbauingenieur in der Schweiz wanderte er 1979 mit einem einzigen Koffer nach Südkorea aus. Er eröffnete Restaurants, vertrieb Textilmaschinen und war der Erste, der in Korea Ski (der Marke Rossignol) importierte. Die korea­nische Sprache in Wort und Schrift hatte er rasch intus. Aber: „Ich rannte nur Geld und Erfolg nach. Ohne es zu merken, ­wurde ich zum Work- und Alkoholiker. Meine Frau verstand mich nicht, wollte sich scheiden lassen.“

Sinn des Lebens
Dann kollabierte sein Körper und zwang ihn zu einem Jahr Auszeit. Müller suchte nach dem tieferen Sinn des Lebens. Er diskutierte mit buddhisti­schen Mönchen, suchte den Rat von Taois­ten und Konfuzianisten, las stapelweise esoterische Bücher und landete schließlich bei der Bibel. Das revolutionäre Leben von Jesus begeisterte den Suchenden. Vor allem seine Aussage in der Bibel, „dass man das ewige Glück niemals durch eine Anstrengung oder Leistung finden wird, sondern geschenkt bekommt, wenn man ihn – Jesus – als seinen persönlichen Erlöser annimmt und ihm nachfolgt“, faszinierte Müller. „So entschied ich mich, von nun an Jesus nachzufolgen.“

Reichtum verschenkt
Um nicht erfolgssüchtig zu werden, verkaufte Müller 1989 alle seine Goldesel in Korea und erwarb in Roggwil, Schweiz, einen Bauernhof, wo er mit seiner Frau und seinen damals vier Kindern ein friedliches Selbstversorgerleben führte. Als er im Matthäus-Evangelium las, dass Jesus einem Jünger empfiehlt, seinen Reichtum den Armen zu schenken, tat er es ihm gleich. Müller eröffnete ein Drogenheim und steckte sein ganzes Vermögen in dieses Sozialprojekt. Inzwischen war der Vater von sieben Kindern, drei davon adoptiert, fast bankrott. Seine Frau Jung-Suk war am Ende, wollte nur mehr fort. Der Geprüfte nahm wieder die Bibel zur Hand und las, dass Gott die Herzen prüfe und nur den segne, der „reinen Herzens ist“. Müller kam zur Erkenntnis, drei seiner koreanischen Geschäftspartner in der Vergangenheit finanziell nicht korrekt behandelt zu haben, und überwies ihnen prompt 100.000 Franken. „Kaum hatte ich das Geld eingezahlt, kam ein Anruf, dass ich die Generalvertretung einer deutschen Firma in Korea übernehmen könne – nach acht Jahren als Feldarbeiter und Selbstversorger in der Schweiz“, erzählt Müller.

Wieder zurück in Korea
Müller ging nach Asien zurück – mit einem positiven Nebenaspekt: Rückenprobleme, die er durch regelmäßiges Spazierengehen auf den weichen Böden der Reisfelder verbessern konnte, beschleunigten die Geburt der MBT-Schuhe. Müller entwickelte einen Schuh, der harte, ebene Böden zu weichen, „unebenen“ macht. Dieser Prototyp wird ab 1996 kommerziell vermarktet. Der Rest der Geschichte ist bekannt. „Ich verkaufte die Firma für sehr viel Geld, 2007 verspekulierte ich den gesamten Verkaufserlös binnen eines Jahres wieder. Jetzt war ich ein so gesegneter Mann, und trotzdem ließ ich mich wieder von der Habgier leiten“, gesteht er heute ein. Und wieder kehrte er um: Kurz vor dem großen Absturz überwies der Unternehmer noch 20 Millionen Franken an zwei Stiftungen, die das Geld für Menschen in Not verwenden.

Gehende Arbeitsplätze
Doch Müller ist eben ein Stehaufmännchen. Er entwickelte die kyBounder-Matten, die bereits ebenso erfolgreich abgesetzt werden wie einst die MBT-Schuhe. Bislang hat er schon einige Tausend Arbeitsplätze in Großfirmen mit den kyBounder-Matten ausgestattet. Zu seinen Referenzkunden zählt etwa die Kontrollbank St. Gallen, die damit bereits 200 Arbeitsplätze ausgestattet hat. Im Goethe-Gymnasium in der Wiener Astgasse läuft gerade ein Pilotprojekt gemeinsam mit der Uniqa-Versicherung und auch die Landeskommandozentrale Vorarlberg arbeitet bereits auf den Matten. Dass es in Müllers Schweizer Headquarter nur mehr „Stehungen“ und keine Sitzungen gibt, ist selbstverständlich. Müller selbst geht täglich durchschnittlich 15 Kilometer auf der Matte. Es gibt auch entsprechende Laufbänder, deren Oberfläche mit der Matte geschäumt ist. „Ich kann bis 44 Stundenkilometer auf dem Band gehen und schreiben“, erzählt Müller. „Mit dem kyBoot werden wir die Schuhindustrie ein zweites Mal wachrütteln. Die Marke ­kybun wird sich wie ein Lauffeuer um die ganze Welt verbreiten“, ist Müller überzeugt. Und wird dann wieder missionarisch: „Vielleicht denken Sie, dass ich den Mund voll nehme. Aber ich sage Ihnen: Wenn Sie Ihr Leben auf Gott ausrichten, dann sehen Sie mehr als nur das, was Ihre ­Augen sehen können. Gott unterscheidet nicht zwischen Geschäft und privat. Wenn er segnet, dann tut er das ganzheitlich“, beendet Müller seine Lebensgeschichte. Ganz im gesunden Stehen.

Von Gabriela Schnabel

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