Martin Frechen, Chef des Plüschtier-Imperiums Steiff, ist ein heißer Typ

Martin Frechen, Geschäftsführer des Plüschtier-Imperiums Steiff, hat sich der Kunst des Grillens nach der Niedergar­methode verschrieben. Bis eine Schweinsschulter genossen werden kann, dauert es ganze elf Stunden!

Seine Leidenschaft für Steiff-Tiere begann im Kindesalter mit dem Affen Jocko. Heute ist Martin Frechen, 41, Geschäftsführer des schwäbischen Plüschtier-Imperiums Margarete Steiff, das als Geburtsstätte des Teddys gilt. Steiff hat viele Jahre gut mit dem Verkauf seiner Plüschtiere an Sammler verdient, das ist inzwischen vorbei. Das letzte fette Umsatzjahr war 2002, als der Teddybär seinen 100sten Geburtstag feierte. Damals kauften die Sammler noch brav alle Sonderkollektion auf. „Im streng gesicherten Steiff-Archiv lagern mehr als 50.000 Teddybären, Steiff-Tiere, Schnittmuster und wichtige Dokumente seit 1890“, erzählt Frechen. Im Sammlerbereich konnte man kaum etwas falsch machen, fast alles wurde zu Gold. „Dann kam der Knick“, erzählt Frechen. Die Steiff-Umsätze gingen stark zurück, die limitierten Auflagen wurden zu Laden­hütern. „Durch die Wirtschaftskrise ging der Markt nochmals runter“, so der diplomierte Ökonom. Heute haben die Sammler am Gesamtumsatz nur noch fünfzig Prozent Anteil. Vor 2002 lag der noch bei satten 80 Prozent. Doch das Familienunternehmen muss nicht um seine Existenz bangen. Insgesamt erzielt die Steiff Beteiligungs-Holding mit den Töchtern Margarete Steiff, Alligator-Ventile (Weltmarktführer bei Pkw-Ventilen) und Schulte-Mohair, aus dem die Teddys gefertigt werden, rund 100 Millionen Euro Gesamtumsatz.

Vom Plüschtier- zum Lifestyle-Konzern
Frechen versucht nun, aus der Marke Steiff einen Lifestyle-Konzern mit Schwerpunkt Spielzeug, Kinderbekleidung, Frotteewaren, Schultaschen etc. zu formen. „Steiff ist eine starke Marke. Der Plüschtiermarkt hat in Deutschland ein Volumen von 100 Millionen Euro jährlich, der Markt für höherwertige Kinderbekleidung jedoch 1,7 Milliarden Euro. Seit 1999 fertigen wir Kinderkleidung, der Umsatz wächst seither jährlich zweistellig. Genaue Zahlen gibt der Fami­lien­konzern nicht bekannt. Zeit zum Erholen bleibt dem Manager demnach kaum. „Meist bin ich zwölf Stunden am Stück im Job, und dreimal die Woche bin ich beruflich in Deutschland und Rest-Europa unterwegs.“

Heiß geliebter Griller
Wenn Frechen allerdings in seinem Einfamilienhaus in Neu-Ulm nächtigt, liest er seinem siebenjäh­rigen Sohn Moritz und dem Affen Jocko Gutenachtgeschichten vor. Und das Wochenende widmet er ebenfalls seiner Fami­lie. Die wird seiner allerdings auch nicht immer habhaft, da der Kuscheltier-Manager dann stundenlang vor seinem heiß ­geliebten Griller zubringt. Kein Scherz. Frechen besitzt einen „Joe’s BBQ-Smoker“, der indirektes Grillen ermöglicht. Dabei befindet sich das Grillgut nicht über, sondern neben der Kohle. Hitze und Garquelle sind komplett getrennt. Das Fett und der Fleischsaft tropfen daher nicht in die Kohle, die Bildung von schädlichen Stoffen wird so verhindert. Für das Foto-Shooting in Wien nahm der Manager mit einem Weber-Kugelgrill vorlieb, übrigens sein ers­tes Grillgerät. Wie er zu diesem kulinarischen Hobby kam? „Das ist einfach so passiert.“ Frechen gerät förmlich ins Schwärmen, wenn er von seiner Grillerei erzählt. Der Mann hat seinen „Smoker“ sogar am Handy abgespeichert. Freilich nebst Bildern von seiner Frau Susanne und Sohn Moritz.

Mann am Feuer
Nun legt Frechen los. „Also, man kann nur Huhn und Schwein indirekt grillen“, erklärt er. Spareribbs dauern bis zu vier Stunden, „bis das Fleisch vom Knochen fällt“. Eine Schweinsschulter benötigt elf Stunden auf niederer Temperatur. Ganz wichtig ist natürlich, dass die Hitze nie über 160 Grad steigt. „Das ist unter Grillern verpönt.“ Und: Zum Befeuern verwendet er anstatt Kohle Obsthölzer wie Apfel, Kirsche oder Birne. Ein Hobby, das ein Wochenende füllt. „Am Tag eins wird das Fleisch gekauft, dann über Nacht eingebeizt, und erst am nächsten Tag wird gegrillt“, erklärt der Profi. Eine seiner Spezialitäten sind in Alufolie gegarte Stücke, die permanent mit Bier aufgegossen werden. „Schmeckt echt lecker, einfach ausprobieren“, macht Frechen Gusto auf das Feiluft-Garen. Langeweile kommt bei Frechens Grill-Sessions nie auf. „Wir laden fast jedes Wochenende Freunde ein und haben ­Arbeitsteilung vereinbart. Ich bin für die Hauptspeise, meine Frau Susanne für die Beilagen zuständig.“ Obwohl der Steiff-Manager ohnehin ein großes Wissen rund um das Grillen besitzt, möchte er dieses demnächst noch vertiefen. „Wir werden bei Klaus Winter die Barbecue Academy Grillschule am Bodensee besuchen, um weitere Finessen zu lernen“, so Frechen. Dieses Weekend ist allerdings reine Männersache. Die Frauen machen die Beilagen ja ohnehin aus dem FF.

Von Gabriela Schnabel

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