Lukas Hader, Multikraft Geschäftsführer, schaltet beim Fallschirmspringen ab

Lukas Hader, Geschäftsführer von Multikraft, stellt sein Leben in die Erhaltung der Natur. Er kann am besten abschalten, wenn er in 4.000 Meter Höhe mit 200 Stundenkilometern durch die Luft fliegt.

Lukas Hader, 28, ist mit Bionahrung groß geworden. Alles Chemische verbannte die Mutter aus der Küche, ohne Pardon. Geschmeckt hat dem Knirps damals die g’sunde Küche nicht unbedingt: „Am Anfang waren die esoterischen Safterln für mich ein bisserl wie Feuerwasser“, erzählt der smarte Geschäftsführer des Familienunternehmens Multikraft. Heute kann er sich ein Leben ohne natürliche Produkte kaum noch vorstellen, ob privat oder beruflich.

Denn der von seinen Eltern Ulrike und Karl Hader 1977 in Pichl bei Wels gegründete Betrieb Multikraft steht für Produkte rund um Körperpflege, Haus und Garten, Tiere und Landwirtschaft sowie Abwasser- und Abfallwirtschaft. Allen Bereichen gemein sind die Effektiven Mikroorganismen (u. a. Milchsäurebakterien und Hefen), die natürliche Prozesse unterstützen, ohne die Umwelt zu belasten. Auf den Punkt gebracht: Futtermittel kommen so ohne Antibiotika aus, landwirtschaftlicher Boden wird biologisch aufbereitet, und der Gestank von Gülle, im Stall oder im Abwasser, wird zur Gänze eliminiert. „Mein Thema ist sicher der Boden. Denn haben wir einen gesunden Boden, haben wir keine Abwasser- und Klimaprobleme und keine Überflutungen“, so der Pionier.

Kaum zu glauben, doch der Endzwanziger Hader urlaubte kürzlich erstmals drei Wochen am Stück. Von der Welt hat der Youngster trotzdem schon viel gesehen. Ausbildungsjahre in Neuseeland, Australien, Bali, Indien und Japan schmücken seinen Lebenslauf, und vor fünf Jahren gründete der Oberösterreicher mit Partnern sein Unternehmen Micro-Biologic in Saudi-Arabien. Dort setzt er ebenfalls Mikroorganismen für die Landwirtschaft, Tierhaltung und kommunale Abfallwasserwirtschaft ein. Zu seinen Kunden zählt auch das Königshaus, wo ihm der Zoo in Riad, das Biogemüse der Herrscherfamilie al Saud oder Landflächen so groß wie Österreich anvertraut werden.

Bis zum November des Vorjahres war Hader gut zehn Monate im Jahr unterwegs, im Februar übernahm er die Geschäftsleitung des Familienunternehmens. Schwester Katharina leitet die Kosmetikmarke Bioemsan. Die Eltern sind freilich noch unterstützend zur Stelle. „Jetzt habe ich auch Zeit, mir über ein sportliches Hobby Gedanken zu machen“, erzählt der Kulturtechniker. Gleich kam ihm das Fallschirmspringen in den Sinn, das ihn bereits in Neuseeland fasziniert hat. Gesagt, getan, schrieb sich Hader in den Union Fallschirmspringer Klub Linz, den größten seiner Art in Österreich, ein. „Ich brauche einen Sport, bei dem ich einen Kick habe und abschalten kann, Laufen wäre mir auf die Dauer zu langweilig“, erklärt er seine spektakuläre Freizeitbeschäftigung.

Der Mutter war am Anfang ein wenig bange, ob dieses Hobbys in luftigen Höhen. Aber nicht nur ihr: Auch Hader hatte zu Beginn seiner Ausbildung zum Fallschirmspringer seine Adrenalinschübe. Nach dreitägiger Theorie und ein paar Trockenübungen am sicheren Boden absolviert man einen Tandemsprung. Doch bereits beim zweiten Absprung war Hader auf sich selbst gestellt. Begleitet wird man natürlich von zwei professionellen Lehrern, die den Schüler in der Luft guiden.

Der Flieger geht auf 4.000 Meter Höhe. Bis zum Absprung vergehen rund 20 Minuten. Hader konzentriert sich, spielt im Kopf noch alle Regeln durch, dann öffnet sich die Seitentüre. X minus 2 gibt der Absetzleiter zu verstehen, was so viel heißt wie noch zwei Minuten bis zum Sprung. Hader bereitet sich vor, „ready, set, go“, dann springt er in Bauchlage, und der Flugwind zieht ihn im Bruchteil einer Sekunde fort. In den ersten zehn Sekunden fällt er 300 Meter. Die Fallgeschwindigkeit beträgt fast 200 Stundenkilometer. Es wirbelt ihn herum, die 60 Sekunden im freien Fall kommen ihm wie eine Ewigkeit vor. Er zieht rechts den kleinen Fallschirm, schmeißt ihn in den Luftstrom. Die Bag geht auf, die den großen Fallschirm öffnet. Er befindet sich knapp 2.000 Meter über dem Grund. Jetzt schwebt Hader fünf Minuten, die Stille genießend, bis er wieder sicheren Boden unter den Füßen hat.

Bislang hat der Mann schon 40 Sprünge absolviert._ Die Angst hat er verloren, jetzt konzentriert sich der Sportler bereits mehr auf seine Formationen, seine Trackmanöver. „Das Coolste ist die Freifallzeit“, schwärmt er. Das nächste Ziel in luftigen Höhen ist deshalb das Wingsuit Flying, die neue Extremsportart für all jene, die beim Fallschirmspringen mit keiner Wimper mehr zucken. Dabei trägt der Springer einen fledermausartigen Anzug und kann eine Horizontalgeschwindigkeit von bis zu 250 Stundenkilometern erreichen.

Ein Vorbild von Hader ist Felix Baumgartner, der 2003 als erster Mensch in freiem Fall den Ärmelkanal von Dover bis Calais überquert hat. Doch bis dahin fließt noch viel Wasser die Donau hinunter, denn um Wingsuit Flying zu betreiben, braucht man erst mal ein paar Hundert Sprünge am Fallschirm.

– Gabriela Schnabel

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