Lichtgestalt Rupert Roniger: Ex-Unilever-Manager leitet „Licht für die Welt“

Bei Rupert Roniger, 40, fanden Beruf und Berufung zueinander. Seit 13 Jahren schupft der Ex-Unilever-Manager den Verein „Licht für die Welt“. Er gewann die potente Karl Kahane Foundation als Sponsor und ORF-Legende Chris Lohner als prominentes Testimonial.

Der Schrecken war groß. Als Rupert Roniger 2004 vorschlug, den Namen „Christoffel-Blindenmission“ zu kübeln und durch die neue Wortbildmarke „Licht für die Welt“ zu ersetzen, blieb dem Vereinsvorstand kurz die Spucke weg. Kein Wunder. Die Angst vor einem verpatzten Markenwechsel war groß: Die rund 100.000 Spender könnten vergrault werden und der Verein in die mediale Bedeutungslosigkeit versinken. Heute,12345678
vier Jahre später, haben sich alle Befürchtungen in Luft aufgelöst. Der Bekanntheitsgrad ist gestiegen, und es gibt noch mehr Spender als zuvor. „Der alte Name passte einfach nicht mehr zu uns“, erklärt Roniger: „Abgesehen von Prävention und Heilung von Blindheit liegt unser Arbeitsschwerpunkt auch in der Rehabilitation von anders behinderten Menschen. Außerdem sind wir keine Missionare.“

Vom Hinterzimmer zum Millionenbudget
Das gelungene Rebranding ist exemplarisch für die vom 40-jährigen Roniger geprägte Entwicklung des karitativen Vereins, der heuer sein 20-jähriges Jubiläum feiert. In seinen 13 Jahren als Geschäftsführer baute der gebürtige Niederösterreicher die verstaubte Blindenmission sukzessive zur modernen NGO (Non-Governmental Organization) um. Am Anfang stand ein kleines Hinterzimmer mit zwei Mitarbeitern. Daraus wurde ein schlagkräftiger Betrieb mit 30 Angestellten und einem Jahresbudget von rund neun Millionen Euro. Lediglich 8,3 Prozent davon gehen für PR, Spenderbetreuung und Verwaltung drauf. Das Team in Wien-Meidling betreut mehr als 90 Projekte in Afrika, Asien und Südamerika. Die Schwerpunktländer sind Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik und der Süd-Sudan.

Genug von Tiefkühlkost
Zur Entwicklungshilfe kam Roniger über Umwege. Anfang der Neunzigerjahre machte er ein Auslandspraktikum bei der GiroCredit Bank in New York. „Das dauerte sechs Wochen.“ Im Anschluss wollte er damals Los Angeles und San Francisco erkunden. Jedoch: „Die Flüge waren zu teuer.“ Weil Venezuela-Tickets billiger waren, besuchte er Freunde in Caracas. „Ich war zwei Wochen dort und kam so erstmals mit der Nord-Süd-Problematik in Berührung.“
Die Erfahrung sollte ihn prägen. Nach dem Studium der Handelswissenschaften (Spezialgebiet: Marketing) heuerte er beim Markenartikler Unilever an und vermarktete Takeaway-Produkte, wie Eskimo-Eiscreme oder Iglo Grüne Küche. Richtig ausgefüllt hat ihn der Job aber nie. Roniger: „Ich hatte irgendwann genug von Tiefkühlkost.“

Berufung wird Beruf
Als Christoffel 1995 eine Geschäftsführerstelle inserierte, ergriff er die Chance und machte seine Berufung zum Beruf. Sein üppiges Brandmanager-Salär und das 25-Millionen-Euro-Marketingbudget ließ er zurück. Roniger: „Ich habe den Wechsel nie bereut. Mein Team ist toll, und ich fühle mich in meiner Rolle sehr wohl.“
Drei bis vier Wochen im Jahr ist Roniger in den Projektländern auf Achse, um lokale Partner zu treffen, mit Behördenvertretern zu reden oder Infomaterial für seine Spender zu sammeln. Daheim warten immer Ehefrau – eine Ex-Coca-Cola-Managerin, die nun beim Fonds Soziales Wien arbeitet –, zwei Söhne und eine Tochter. „Meine Freizeit ist knapp bemessen“, sagt Roniger und erkennt eine Parallele zum früheren Job.

Fundraising mit Chris Lohner
Das bei Unilever erlernte Handwerk kann die Lichtgestalt Roniger gut gebrauchen. Marketing, Fundraising und Einsatz prominenter Testimonials, wie etwa Alfred Dorfer und Josef Hader, werden generalstabsmäßig organisiert. Besonderes Engagement zeigt der 65-jährige ORF-Star Chris Lohner. Als ehrenamtlicher „Good Will Ambassador“ wird sie seit 2001 von Roniger international eingesetzt. Jedes Jahr besucht sie mit Medienvertretern ein Projektland – zuletzt Äthiopien. Chris Lohner ist etwa zu verdanken, dass „Licht für die Welt“ ausreichend Cash für eine Augenklinik in Jijiga aufbrachte.

30 Euro fürs Augenlicht
Beim Geldsammeln kennt Roniger keine Grenzen. Zwar stammt die Mehrheit der aufs PSK-Konto 92.011.650 eingezahlten Spenden aus Österreich. Doch auch das Ausland wird angezapft: Die Medicor Foundation Liechtenstein) und die Karl Kahane Foundation (Schweiz) sind etwa zwei potente Sponsoren. Kahane finanzierte konkret ein Augenzentrum in Gondar (Äthiopien).
Laut Roniger gibt es rund 37 Millionen blinde Menschen weltweit. 90 Prozent davon leben in Entwicklungsländern. „Jeder zweite blinde Mensch wäre mit einfachen Mitteln heilbar“, sagt er und startet seinen Spendenaufruf. „Mit nur 30 Euro schenken Sie blinden Menschen in der Dritten Welt das Augenlicht.“ So viel koste eine Operation von grauem Star. Nicht mehr.

Von Ashwien Sankholkar, Äthiopien

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