Leidenschaft für den alten Kram: Ursula Simacek stöbert gerne auf Flohmärkten

Ursula Simacek, die Chefin der gleichnamigen Reinigungsfirma, treibt sich gerne auf Trödelmärkten herum. Sie kauft mit Vorliebe alten Tand – aber stets solchen mit Esprit.

Wenn bei Ursula Simacek, 39, Chefin der gleichnamigen Reinigungsfirma, der Wecker um 5.30 Uhr läutet, heißt das für sie: „Flohmarkt-Tag!“. Egal in welcher Stadt sie sich gerade befindet, macht sich die smarte Blonde regelmäßig schon im Morgengrauen auf den Weg, um nach gebrauchten, dekorativen Waren Ausschau zu halten. Auf ihrer Wunschliste stehen Vasen, Bilderrahmen, Lüster, Tee- und Kaffeeserviceteile, aber auch kuriose Stücke wie Muscheln in allen Größen, Farben und Formen. Seit vielen Jahren schon frönt die Jungunternehmerin ihrem Hobby, und so haben sich auch schon viele Sammlerstücke angehäuft, die sie gar nicht mehr alle zählen kann. Aufbewahren tut sie all diese Kostbarkeiten in mehreren Kellerabteilen. Zum Teil nach Themen, zum Teil nach Farben oder auch nach Jahreszeiten, quasi in einem „geordneten Chaos“, findet Simacek rasch, wonach sie sucht.

"Ich wuchs natürlich in den Betrieb hinein"
So wie die Unternehmerstochter schon von Kindesbeinen an auf Trödelmärkten zuhause war, so selbstverständlich war es für sie, im elterlichen Betrieb ein und aus zu gehen. „Mein Vater hat mich meist zu Geschäftsterminen mitgenommen, so wuchs ich ganz­ ­natürlich in den Betrieb hinein.“ Für Simacek stellte sich nie die Frage, welchen Beruf sie mal ergreifen würde: „Das tägliche Tischgespräch hat sich immer nur um unsere Firma gedreht, sodass es für mich ganz selbstverständlich war, später in den Familienbetrieb einzusteigen.“ Der Familienbetrieb Simacek, der seinen Ursprung im Bereich der Schädlingsbekämpfung hat, wuchs sich binnen drei Generationen zu einem modernen Facility-Management-Betrieb aus. Zum heutigen Kerngeschäft zählen die Reinigung von Betrieben, Spitälern, Zügen, Sicherheitsdiensten sowie der Service von Betriebsküchen.

Bei Simacek alle Stationen durchlaufen
Die Tochter des Hauses packte überall kräftig mit an und war sich nie für einen Job zu schade: Ursula Simacek schnitt Salat in Kantinen, machte Objektleitung bei den Reinigungstrupps und verdingte sich auch als Schädlingsbekämpferin. Später absolvierte sie die Meisterprüfungen für Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung sowie die der Schädlingsbekämpfung. Daneben studierte sie noch Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Wien. Mit 29 hatte sie bereits alle Abteilungen durchlaufen und saß ­alsbald in der Geschäftsführung des Familienbetriebes. Das Kerngeschäft lief ohnehin wie am Schnürchen, und so dachte die Jungunternehmerin bald daran, auch ihre eigenen Ideen zu verwirklichen, vor allem kreativ zu arbeiten. In diesem Sinne gründete sie 2008 das Cateringunternehmen Sim & More. „Hier kann ich ­meine Leidenschaft fürs Dekorieren ausleben und meinen Kunden zusätzlich alles aus einer Hand anbieten, von der Security bis hin zur Reinigung.“ Heute setzt die Simacek-Gruppe etwa 145 Millionen Euro um, beschäftigt 7.000 Mitarbeiter in Österreich, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Rumänien, Bulgarien und Serbien. 33 Prozent erzielt die Gruppe bereits mit dem Verpflegungsbereich. Zu den Großkunden zählen die Bawag P.S.K., der Stadtschulrat, das Rote Kreuz, die Barmherzigen Brüder oder die ÖBB.

Einkaufswagen voller Muscheln
Verpflegung spielt jedoch nicht nur im Job, sondern auch im Privatleben der Reinigungs-Lady eine große Rolle. „Ich liebe es, Feste für meine Freunde zu geben. Dabei kann ich meiner Kreativität vollen Lauf lassen“, schwärmt sie. Am liebsten lädt sie zu sogenannten Themenabenden. Mal müssen die Geladenen in Black Tie (der Mann im Smoking, die Dame im Abendkleid), mal in schrilles Pink gekleidet oder dem Anlass entsprechend im Krampus-Style erscheinen. Die Dekorationen für diese Events stammen teils aus dem Firmen-Fundus, teils aus den von ihr zusammengetragenen Flohmarkt-Utensilien. Aktuell kann die Managerin aus 20 Tee- und Kaffeeservice, zig Porzellanschüsselchen, zwei Einkaufs­wagen voller Muscheln, zahlreichen Bilderrahmen und Beleuchtungskörpern auswählen. „Mein Fokus liegt immer auf edlen ­Stücken. Ich sammle nur Sachen, die Stil und Klasse haben, kaufe nicht jeden Teekessel, dann schon eher ein antikes Kaviar-Set.“ Wie bereits erwähnt, sind einige Abteile mit dem Sammelsurium gefüllt. Auch Simaceks Ehemann muss ab und zu ein Regal freiräumen, damit ein neues Service Platz findet.

Lieblingsstück: der Baccarat-Lüster
Simaceks Lieblingsteil, das sie an einem Pariser Flohmarkt ­erstanden hat, ist ein schwarzer Baccarat-Kristalllüster, den sie von 1.000 auf 150 Euro heruntergehandelt hat. Eine Mezzie, denn vergleichbare Exemplare aus der Zeit um die Jahrhundertwende gibt es meist nicht unter 3.000 Euro. Einer der prominenten Lüster dieser Art hängt im Hotel Negresco in Nizza. Er wurde ur­sprünglich von Zar Nikolaus II. für den Kreml in Auftrag gegeben und kostete bereits 1912 zehn Prozent der Gesamtbaukosten
des Hotels. Was reizt eine junge, moderne Frau daran, sich mit altmodischen ­Teilen zu umgeben? „Damit hole ich mir die Vergangenheit ins Haus“, erklärt die Lady. „So ein Teeservice erinnert mich an meine Großmutter, die mir als kleines Mädchen Kuchen und Tee oder Kakao zur Jause serviert hat. Das sind einfach Reminiszenzen an meine schöne Kindheit.“

Gabriela Schnabel, Carolina Burger

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