Leben für die Oper: "Die traurige Nixe Rusalka hat mein kindliches Herz gerührt"

Eva Dintsis ist die Generalsekretärin des Opernballs. Das Haus am Ring ist ihr nicht nur ­Brotberuf, sondern auch Passion. Ihre Freizeit gehört der klassischen Musik, auch im Urlaub.

Frauen beherrschen Multitasking besser als Männer, heißt es in ­einer Studie von Chiphersteller Intel. Es fällt ihnen leichter, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen. Eva Dintsis, Generalsekretärin des Opernballs und Ko-Organisatorin von Desirée Treichl-Stürgkh, kann in der Tat gleichzeitig telefonieren, in diversen Listen nach reservierten Karten suchen und dabei auch noch stets freundlich bleiben. Seit Jahren ist Dintsis die graue Eminenz, ohne die der Ball der Bälle gar nicht stattfinden würde. Jedes Jahr von April bis Februar ist die langjährige Mitarbeiterin der Wiener Staatsoper – sie arbeitete schon ­­unter Lotte Tobisch – damit beschäftigt, den Opernball vorzubereiten.

Jahrzehntelange Staatoperntreue
Trotz aller Unkenrufe lohnt der Aufwand: Im Vorjahr wurde bei einem Umsatz von 3,5 Millionen Euro ein Reinerlös von 1,1 Millionen erzielt. Um­so verwunderlicher, dass der scheiden­de Staatsoperndirektor Ioan Holender bisweilen versucht, den weltbekannten Event madig zu machen: Der Tag, an dem der Opernball stattfindet, ist der einzige, an dem das Haus am Ring nicht subventioniert wird. Dintsis sieht über derartige Verunglimpfungen hinweg. Die gebürtige Wienerin ist eigentlich ein Teil der Wiener Staatsoper. Seit dem Jahr 1982, damals war sie 26 Jahre jung, arbeitet sie für die Staatsoper. Eine ihrer ersten Tätigkeiten war ein Job an der Führungskasse, später hat sie selbst Führungen durch das Haus gemacht. Dafür ist sie auch heute noch als Managerin zuständig.

Schuld hat die Nixe Rusalka
Schon als Kind hat sie ihr Papa an die klassische Musik herangeführt. „Mein Vater war die treibende Kraft. Eines meiner ersten Stücke war ‚Rusalka‘ von Antonín Dvořák, neben Smetanas ‚Verkaufter Braut‘ eine der bekanntesten tschechischen Opern. Die traurige Nixe Rusalka hat damals an mein kindliches Herz gerührt“, erinnert sich Dintsis. Kennen und lieben gelernt hat die Opernball-Generalsekretärin die klassische Musik durch die vielen Schallplatten, die zuhause gespielt wurden. Dvořák hat die junge Frau nachträglich so beeindruckt, dass sie bei der Matura den großen tschechischen Meister in Musik als Thema nahm. Für eine eigene Ausbildung in Gesang oder für ein Instrument reichte ihr Talent nicht. „Ich habe nur Blockflöte gelernt, das hat mich als Kind schon genug gefordert“, erzählt sie.

„Fidelio“ als Premiere
Das erste Bühnen­stück, das sie an der Oper gesehen hat, war „Fidelio“, dirigiert vom großartigen Leonard Bernstein. „Ein Erlebnis, das mir noch heute in den Ohren nachklingt“, so Dintsis. Als sie später für das Lehramt Englisch und Italienisch studierte, verdiente sich Dintsis ihr erstes Geld als Führerin durch die Oper. In dieser Zeit hat Dintsis auch den griechischen Archäologen Petros, ihren heutigen Ehemann, kennen gelernt. Eine Beziehung mit wechselseitigem Nutzen: „Ich lernte Griechisch und Petros durch mich die klassische Musik lieben.“ Beide haben seit 30 Jahren „kali zoe“, was so viel wie ein „gutes Leben“ bedeutet.

2.000 Opern-Platten, 3.000 CDs
Am liebsten sitzt das Ehepaar bei einer Opernaufführung in einer bühnennahen Loge. Doch nicht um des Luxus willen. „Vielmehr weil man die Atmosphäre voll mit­bekommt, ob der Vorhang zu spät fällt, die Sopranistin ihre Haare an einem Kerzenleuchter entflammt oder wenn Tenöre hinter dem Vorhang in Ohnmacht fallen“, erzählt Dintsis. Ihr Credo: Opern live ansehen oder auf Platte oder CD hören. Von den Vinyl-Tonträgern besitzt die Opernball-Generalsekretärin 2.000 Stück. Leider funktioniert der Plattenspieler seit Jahren nicht mehr, also ist sie auf CDs umgestiegen. Von den 3.000 CD-Exemplaren sind zwei Drittel der klassischen Musik zuzuordnen. Ihre ­Favoriten: Donizetti, „Verdi zum Quadrat“, Bellini und Wagner.

Bügeln oder griechische Opern hören
Die Leidenschaft für die Musik beeinflusst auch die Urlaube des Ehepaares Dintsis: Jeden Sommer begeben sich die beiden auf die Spuren eines Komponisten oder Musikers. Meist reisen sie im August, deshalb war Eva Dintsis noch nie bei den Salzburger Festspielen. Im Vorjahr besuch­ten sie eine Ausstellung in Pesaro an­lässlich des 150. Geburtstags von Giacomo Puccini. Dieses Jahr steht Haydn auf dem Programm, da müssen die Dintsis nicht so weit reisen. „Vielleicht machen wir ja einen Kurztrip nach Griechenland“, so Dintsis. Natürlich gibt es auch im Land an der Ägäis berühmte Opernkomponisten, wie Spiro Samara, „aber den kann man sich nicht so nebenbei beim Bügeln anhören“, so Dintsis lachend.

Von Gabriela Schnabel

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