Langer Atem, viel Ausdauer: Mit 35 kmh gegen den Wind

Ursula Weixlbaumer-Norz, ­Chefin von Kids   &   Fun Consulting, hat sich dem Ausdauersport verschrieben. Erst als Rezept gegen die Einsamkeit, dann als Ausgleich zum Leben in Airport-Lounges.

Das Schwimmen hat sie schon hinter sich, 1.900 Meter. Jetzt tritt Ursula Weixl­baumer-Norz in die Pedale. Sie hat eine quasi liegende Haltung auf dem Rennrad eingenommen, um den Luftwiderstand zu senken. Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 35 Stundenkilometer. Die ersten zehn Kilometer sind geschafft, plötzlich „verkantet“ die Ironman-Teilnehmerin mit dem Vorderrad und kommt böse zu Sturz. Der ­Rücken ist aufgeschürft und blutet stark. Schmerzen an der Hüfte, und in ihrem Kopf hämmert es. Der Helm hat einen Sprung, der Radrahmen ist verzogen.

Weixl­baumer-Norz schaut, ob noch alle Glieder dran sind, biegt das Rad zurecht und schwingt sich wieder auf den Sattel. Sie bewältigt die restlichen 80 Kilometer – und läuft dann noch 21,1 Kilometer. Endlich im Ziel. Die ­eiserne Lady hat den Halb-Ironman in knapp über sechs Stunden geschafft. „Das war mein wichtigster sportlicher Wettbewerb. Für den habe ich ein halbes Jahr trainiert, aufgeben wäre mir nie in den Sinn gekommen“, erzählt die Geschäftsführerin von Kids & Fun Consulting.

Einsam in Chicago

Sportlich war sie immer schon. Mit dem Vater bestieg die gebürtige Linzerin Berge, mit der Mutter ging sie laufen. Die Liebe zu Marathon, ­Triathlon und Ironman kam allerdings erst später, mehr aus der Not heraus. Als die Betriebswirtin 2003 von McDonald’s nach Chicago geholt wurde, um „Happy Meal“ für den globalen Markt aufzubauen und das Familienmarketing in Europa zu betreuen, kannte sie dort keine einzige Seele. Die ersten zwei Monate saß die Marketingmanagerin abends nur vor der Flimmerkiste. Dann wurde sie aktiv. „Ich bin dem deutschen Stammtisch beigetreten, einer Sport- und einer Laufgruppe, das war der Einstieg in die Sportbewerbe.“

Den ersten Marathon in Chicago lief sie in vier ­Stunden und 30 Minuten. „Das ist wahnsinnig langsam, aber es ging mir mehr darum, Leute kennen zu lernen und durchzukommen.“ Ihr nächstes Ziel war der olympische Triathlon: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer am Rad und zehn Kilometer Laufen. Sie schaffte den Bewerb in zwei Stunden 30 Minuten.

Laufschuhe und Businesskostüm

Ehrgeiz ist Weixl­baumer-Norz’ ständiger Begleiter. Ohne ihn hätte sie nicht diese Karriere hingelegt. Als sie Produktmanagerin bei Nestlé war, heuerte sie ein Headhunter für McDonald’s an. Sie übernahm die Marketingleitung Ost-Europa für 13 Länder. 80 Wochenstunden und ständig im Flieger, das war ihr Leben. Wenn sie mit ihren Eltern telefonierte, fragten die nie als Erstes: „Wie geht es dir?“, sondern: „Wo bist du gerade?“ Was die Sportlerin immer bei sich hatte: Laufschuhe. „Erst packe ich die Schuhe ein und dann schaue ich, ob noch Platz fürs Businesskostüm ist“, lacht sie.

Bald folgte der Ruf ins US-Headquarter in Chicago. Dort verpasste Ursula Weixlbaumer-Norz dem „Happy Meal“ – früher als Junior-Tüte bekannt – ein Facelifting. Sie verhandelte mit den großen Animationsstudios in Hollywood wie Pixar, DreamWorks und Sony über die neuesten Kinderfilme und suchte dann passende Spielsachen für das „Happy Meal“ aus. Sie traf Johnny Depp bei der Premiere von „Pirates of the Caribbean“ und war gern gesehener Gast bei vielen Partys.

Die nächste Station war London, wo die Managerin für das europäische McDonald’s-Familienmarketing verantwortlich zeichnete. Eines Tages dann die Sinn­frage: Möchtest du in die Fußstapfen deines Chefs ­treten? Die Antwort: Nein!

Sie kündigte und begab sich ein Jahr auf Weltreise. „Ich besuchte all die Orte, in denen ich als Manager tätig war, jedoch nie Zeit hatte, sie und ihre Menschen näher kennenzulernen.“ Ihre letzte Station während der Auszeit war ein dreiwöchiger Aufenthalt in einem Meditationszentrum in Indien. „Am Tag meiner Abreise bin ich aufgestanden und habe gesagt, ich muss zurück nach Österreich.“

Nach sieben Jahren Auslandsaufenthalt war es nicht leicht, in der Heimat wieder Fuß zu fassen. Sie gründete das Expat-Network „EuroCircle“, das heute 700 Mitglieder zählt, und machte sich im Kindermarketing mit ­ihrer Firma Kids & Fun Consulting selbständig. Dabei vermittelt sie in Vor­trägen, Workshops und individueller Beratung, wie Unternehmen Kindermarketing als Instrument richtig einsetzen. Zu ihren Kunden zählen die Interspar, die Apothekerkammer und die Falkensteiner Hotels. Zusätzlich coacht sie Führungskräfte.

Die Luft geht ihr trotzdem nie aus. Ihr Ausgleich ist nach wie vor der Ausdauersport. „Ich habe eine bessere Arbeitsmoral und mehr Kraft für den Tag, wenn ich Sport betreibe.“ Allerdings tritt die Unternehmerin derzeit kürzer. Ursula Weixlbaumer-Norz ist nämlich im siebten Monat schwanger, sie erwartet eine Tochter. „Dieses Jahr lasse ich große Bewerbe aus, aber nächstes Jahr wollen mein Mann und ich wieder an kleineren Bewerben teilnehmen. Vor allem ist es uns beiden ein Anliegen, auch unserem Kind mitzugeben, das Sport ein wichtiger Teil des Lebens ist.“

– Gabriela Schnabel

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