Kunst und Krempel: Johannes Gutmanns Kaufmannsläden sind zum Benutzen da

Johannes Gutmann, der Vermarkter von Sonnentor-Tee- & -Kräutermischungen, hat ein Faible für alte Kaufmannsläden. Er sammelt Apotheker-Kredenzen, Pez-Automaten und Email-Tafeln.

Die alte Kredenz ist von Spinnweben überzogen. Modriger Geruch hängt in der Luft. Sonnentor-Chef Johannes Gutmann, 44, hat einen Staub­wedel zur Hand, um das alte Möbel von den Spuren der Verwitterung zu befreien.
Die Leidenschaft, Krimskrams aus ­ehemaligen Greißlerläden zu sammeln, ­begleitet Gutmann schon sein ganzes ­Leben lang. Als er vor 21 Jahren begann, unkonventionelle Biokräuter und Gewürze unter der Marke Sonnentor zu verkaufen, hat diese Passion ihm gar geholfen, Geld zu sparen. „Ich hab mit einem Jungunternehmerkredit der Wirtschaftskammer über 200.000 Schilling den Schritt in die Selbständigkeit gewagt, neue Möbel konnte ich mir um dieses Startgeld keine leisten.“ Kurzum renovierte Gutmann alte Kredenzen, um danach auf Bauernmärkten seine Produkte zu offerieren.

"Jeder darf seinen Vogel ausleben"
Ein starker Wille, Beharrlichkeit und die Erkenntnis, gebraucht zu werden, ­bescherten Gutmann Erfolg. Wurde der Kräutermanager noch zu Beginn seiner Arbeit oft als Spinner abgestempelt, ist er nun mit seiner roten Brille und seinen extravaganten Einfällen zum Markenzeichen für Naturprodukte avanciert. „Jeder darf seinen Vogel ausleben. Ich lasse anderen ihren Willen und erwarte im Gegenzug ­Toleranz“, sagt Gutmann. Heute beschäftigt Gutmann 128 Mitarbeiter und exportiert seine Tees und Kräutermischungen in 44 Länder. Derzeit gibt es sieben Sonnentor-Läden in Österreich. Von der aktuell trüben Wirtschaftslage betroffen ist sein Betrieb offenbar nicht. „Wir eröffnen 2010 drei weitere Shops gemeinsam mit Franchisepartnern in Wien und Wien-Umgebung“, verrät Gutmann. Die Expansionspläne für 2010 und 2011 sind mit drei Millionen Euro veranschlagt. Heute ist der Unternehmer mit seinen Produkten zwar schon gut etabliert – 2009 setzte er rund 20 Millionen Euro um –, die Liebe zu den alten Kredenzen ist geblieben. „Meine Utensilien sollen nicht in einem Museum landen und dort verstauben. Lieber benutzte ich sie privat und auch beruflich, einfach weil ich gerne Werte von früher kommunizieren möchte.“ Das wertvollste Stück des Waldviertlers: das Inventar der ältesten Grazer Stadtapotheke aus 1780. „Die ist unter Sammlern gut 50.000 bis 70.000 Euro wert – ich verkaufe jedoch nicht.“

Bewusst altmodisch
Für den 44-Jährigen sind die Utensilien weit mehr als monetäre Spekulation: „Volkskunst, Tradition eben ein bisschen wie Familiensilber, wo jeder seine Spuren hinterlassen hat und wo es auch egal ist, wenn meine Katze noch einen Kratzer dazu macht.“ Kein Wunder, dass sich schon mehr als 4.500 Stücke in Gutmanns Gehöft in Sprögnitz, Nieder­österreich stapeln. Wer bei der Lagerung an eine Rumpelkammer denkt, liegt völlig falsch. Gutmann hat einen ausgeprägten Sinn für Ordnung. Einen Hoftrakt seines Dreiseiters nutzt er, um die alten Pflüge, Email-Tafeln, Flaschen, Etiketten sowie alte Kredenzen aufzubewahren. „Vor drei Jahren habe ich neben meinem Wohntrakt ­einen Fundusbereich für all das alte Zeug eingerichtet.“ Fein säuberlich hat der Mann seine Schätze in Hochregale verstaut. Wenn Gutmann über sein Hobby spricht, leuchten seine Augen: „Ich bewahre die Dinge deswegen so auf, weil mich diese Art der Regalaufstellung an Greißlerläden aus meiner Kindheit erinnert, und die hatte ich wahnsinnig gerne.“ Der Kräutermanager weiß genau, wo sich welcher Gegenstand befindet. Etwa der Pez-Automat aus den 50ern, den ihm ­seine Frau Edith schenkte, zwei Ölbilder, die Gutmann für 100 Schilling einem ­Bauern abkaufte, eine Email-Tafel, auf der „unverkäuflich“ stand und für die er sich weigerte, Geld zu bezahlen.

Feilschen am Flohmarkt
Überhaupt gibt der Sonnentor-Chef für seine Leidenschaft nur dann Geld aus, wenn der Preis stimmt und er schon beim Kauf eine Idee davon hat, wo das Stück hinpassen könnte. „Meine Kaufentscheidung fällt in dem Moment, wo ich weiß, dass das Objekt zu unserer Philosophie passt.“ Fast jeden Sonntag ist Gutmann mit seiner Frau am Trödlermarkt in Eisenstadt anzutreffen. Dort hat er sich längst einen Ruf als geschickter Verhandler gemacht. „Ich feilsche am Flohmarkt gerne, natürlich sind die Stücke immer zu teuer angeschrieben, aber das gehört dazu. Wenn der Händler nicht runter geht, verzichte ich eben auf den Kauf.“ Auf der Suche ist er vor allem nach Jugendstilmöbeln, die vielleicht schon in den nächsten Jahren einen fixen Platz in einem seiner neuen Sonnentor-Shops finden und dort ihren alten Charme versprühen.

Carolina Burger

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