Kai Boris Bendix, Neo-Geschäftsführer von Beiersdorf, schlägt gern große Töne an

Kai Boris Bendix, Neo-Geschäftsführer von Beiersdorf Österreich, schlägt gern große Töne an: ob atonale Musik von Schönberg, die Goldberg- Variationen von Bach oder Stücke von Schostakowitsch.

Der Leitsatz von Kai Boris Bendix, „Ich bin dann mal weg“, ist Programm. Innerhalb von acht Jahren hat er jobbedingt öfter das Land gewechselt, immer für dasselbe Unternehmen, den börsennotierten Konsumgüterkonzern Beiersdorf mit Sitz in Hamburg-Eimsbüttel. Seit Anfang Februar ist der bisherige Geschäftsführer von Nivea (Kernmarke von Beiersdorf) India Geschäftsführer von Beiersdorf Österreich. „Ich bin mit Katz und Maus direkt von Bombay nach Wien übersiedelt und hatte einen Klimaschock“, erzählt der charmante Manager lachend. Doch die Vorteile der Donaumetropole überwogen. Bendix: „Kultur pur und der K.-u.-k.-Charme haben mich überzeugt.“ Darauf hat er sich schon mächtig gefreut. „Katz und Maus“ sind in Gestalt von Frau Petra und Sohn Arjun Benjamin Christo mit nach Wien übersiedelt. Doch der gebürtige Münsteraner Bendix hat eben Witz, wie schon der erste Name seines Filius zeigt. Arjun bezeichnet nämlich eine wichtige Heldengestalt im indischen Epos „Mahabharata“, ist aber auch die Bezeichnung eines modernen indischen Kampfpanzers.

Der Neo-Österreich-Chef erzählt lebendig, aber vor allem rasch. Stenografie oder ein Diktiergerät sind von Vorteil, um alle Sager einzufangen. Bei Beiersdorf heuerte der Mann vor 14 Jahren als Trainee an. Er schnupperte drei Monate lang in Bangkok die Luft von Nivea, bevor er Group Brand Manager Nivea Hair Care wurde. Für ihn keine haarige Angelegenheit. Um die Nivea-Haarpflegeprodukte an vor allem jüngeres Zielpublikum zu bringen, kreierte er einen Doppeldecker-Bus mit Chill-out-Lounge und tourte damit durch Deutschland. Die damals noch junge Nivea-Produktrange „Haare“ pushte er so von Platz zehn auf Platz drei. 2003 wurde ihm ein Auslandsjob angeboten. „Osteuropa muss es nicht gerade sein“, dachte sich der umtriebige Mann.

Was kam? Ein Job als Beiersdorf-Managing-Director in Sofia. „Als wir ankamen, war für uns alles grau in grau, entsetzlich! Als ich jedoch 2005 nach Indien wechselte, um dort die Markteinführung für Nivea vorzunehmen, waren meine Frau und ich verliebt in das Land Bulgarien“, schildert Bendix seine Eindrücke im Rückblick. Im „brütend heißen Indien“ musste Bendix bei null anfangen. Er war quasi Mädchen für alles, checkte das Headquarter, verzollte die Waren, verrichtete Büroarbeiten und vertrieb die Produkte. Die Mühe lohnte sich: Bendix pushte den Umsatz von 6 auf 30 Millionen Euro.

Wie hart die Jobs auch waren, Bendix hatte immer ein Stück Heimat mit dabei, und zwar in Form eines Pianos. „Die Mutter war schon sehr musikalisch und spielte mit ihrem Akkordeon bei Nachbarschaftsfesten auf“, erinnert sich der Beauty-Manager. Er selbst begann schon als Kind, Orgel zu spielen. Als er im Volksschulalter war, schaffte die Familie für ihn eine Heimorgel an. „Ich erreichte mit knapper Müh und Not die Pedale“, erzählt Bendix. Alles in allem ließ ihn seine Mutter zehn Jahre lang unterrichten. Sein musikalischer Höhepunkt: Er spielte bei der Hochzeit seiner Schwester eine Bach-Kantate auf der Kirchenorgel.

Verhinderter Rockstar

Später reizte ihn mehr atonale Musik von Arnold Schönberg, Anton Webern und Alban Berg. Als Bach-Fan spielt er heute gern die Goldberg-Variationen, aber auch Klavierkonzerte von Dmitri Schostakowitsch. Als Anfang der 80er Home-Synthesizer in Mode kamen, schaffte sich Bendix den legendären Commodore 64 an, der sowohl als Spielkonsole als auch für Softwareentwicklung geeignet war. Er gilt bis heute als meistverkaufter Heimcomputer der Welt. „Zu dieser Zeit stieß ich auf eine Gruppe, die einen Keyboarder für ihre Band suchte. Wir waren bald ein super Team und hatten beinahe einen Plattenvertrag in der Tasche. Leider musste ich wegen meiner Ausbildung diesen Traum platzen lassen“, erinnert sich der Manager ein wenig wehmütig.

„Ich besitze auch eine große CD-Sammlung“, erzählt Bendix. „Meine Frau ist extrem tolerant, aber leider nur passiv musikalisch interessiert.“ Trotzdem steht Petra voll hinter dem Hobby ihres Mannes und überraschte ihn zu einem Geburtstag mit einem 100 Jahre alten Schimmel-Klavier, als die beiden noch in Bulgarien wohnten.

Die mit viel Liebe restaurierte Antiquität durfte allerdings wegen ihrer Temperaturempfindlichkeit später nicht nach Indien mitübersiedeln. Also wurde ein elektronisches Piano, sprich: ein Yamaha-Clavinova, angeschafft. „Jetzt, da wir wieder in mitteleuropäischem Klima leben, wird auch mein altes Piano in der Wiener Wohnung einen Platz bekommen“, freut sich Bendix darauf, bald wieder die Tasten anzuschlagen.

– Gabriela Schnabel

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