Jäger und Sammler: Peter Engert sieht sich als Ernährer der Familie im wörtlichen Sinn

Peter Engert, der Boss von Raiffeisen Leasing, ist ein begeisterter Weidmann. In heimischen Wäldern stellt er dem Nieder- und Rotwild nach, im fernen Afrika jagt er Büffel. Vieles davon kommt in die Tiefkühltruhe und wird vom Meister selbst zubereitet.

Raiffeisen-Leasing-Chef Peter Engert, 46, ist aufgeregt. Der Manager nimmt gerade an ­einer Wildschweinjagd teil. Treiber und Hunde durchstreifen das Gebiet, um die Tiere aus ihren Verstecken zu scheuchen. Plötzlich raschelt es im Gestrüpp, ein Eber springt hervor. Aus dreißig Meter Entfernung drückt Engert den Abzug seine Blaser 9,3x74 R. Die Kugel trifft. Das 150 Kilo schwere Tier wird hinter dem Ohr getroffen – das ist der sogenannte Trägerschuss – und fällt tot zu Boden. „Wenn ich auf die Pirsch gehe, verspüre ich regelrecht ein Jagdfieber. Vor dem Schuss bin ich total konzentriert. Die Entspannung danach ist dafür umso größer“, erzählt der Schütze mit einer für Nicht-Jäger verwunderlichen Begeisterung. Seine Jagdlust beschränkt sich nicht nur auf heimisches Wild. Den Meistschützen reizt auch die Großwildjagd in fernen Ländern. Im vergangenen Jahr zog es den gebürtigen Niederösterreicher nach Malaysia, wo er mit Erfolg einen Wasserbüffel erlegte. „Das Kaliber wog stolze 1,3 Tonnen“, berichtet der Leasing-Chef.

Ernährer der Familie
Jagen in der Steppe oder im Dschungel ist für Engert das Salz in der Jägersuppe. Wesentlich häufiger ist er jedoch in niederösterreichischen Wäldern anzutreffen, wo er allen jagdbaren Wildtieren nachstellt. Engert ist ein ehrgeiziger Schütze. Ohne Beute zurückzukehren ist für ihn nur der halbe Spaß. Denn die Opfer des Schützen werden auch verwertet. „Bei uns kommt all das auf den Tisch, was ich erlege“, erzählt er. Drei Rehe, fünf Hasen, fünf Fasane sowie ein Wildschwein landen durchschnittlich jährlich in der Tiefkühltruhe. „Ich bin Jäger und Sammler und sehe mich als Ernährer der Familie“, beschreibt er sich selbst. Sein Lieblingsgericht: gebratene Leber von jungen Rehen. „Wenn ich Wild erlege, weide ich dieses vor Ort aus und packe die Leber dann gleich in einen Gefrierbeutel, um die Innerei möglichst rasch nachhause zu bringen.“

Genauer Schuss gefragt
Da Engert möglichst viele Teile eines Tiers verkochen möchte, versucht er, das Wild durch Kopf- oder Halsschüsse zu töten. Der Vorteil dabei: „So kann ich das Fleisch des Halses für Suppen verwenden, die Schulter für Schnitzel und den Schlegel als schmackhaften Braten zubereiten“, so der Jäger. Schießt er hingegen mittels eines Blattschusses in die Herzregion des Tieres, werden viele Teile in Mitleidenschaft gezogen und eignen sich dann nicht mehr zum Essen. „Meist koche ich für meine Lebens­gefährtin Angela und mich frisches Wildbret“, schildert Engert. Angela isst zwar gerne Wild, Jagdprüfung will sie aber keine ablegen. Der Kompromiss der Partner: Er jagt und kocht, sie assistiert ihm dabei. Dafür konnte der Schütze aber seine zwei Kinder mit dem Jagdfieber infizieren. „Meinen zwölfjähriger Sohn Daniel nehme ich regelmäßig auf Treibjagden mit, meine Tochter Nadine wird auch bald so weit sein“, erzählt der Familienvater fast stolz.

Vater und Sohn auf der Pirsch
Der Schütze weiß freilich, dass die Jagd auch gefährlich sein kann, deshalb achtet er stets darauf, dass ihm sein Sohn beim Treiben und Aufscheuchen der Tiere nicht von der Seite weicht und zudem eine Licht reflektierende Schutzweste trägt. Der Grund für diese frühe Gewöhnung der Kinder: „Ich möchte, dass sie ­einen natürlichen Bezug zur Natur haben und zu dem, was auf den Tisch kommt.“ Die Krönung nach einer erfolgreichen Treibjagd, bei der hauptsächlich Hasen und Fasane geschossen werden, ist die Zubereitung der Lieblingsspeise seiner Kinder: Spaghetti mit Hasenfleisch-Sugo. Auch Angela ist von den Kochkünsten Peter Engerts angetan. „Sie liebt frisches Wild, weil sie sehr auf eine gesunde Lebensweise achtet, Wild mager ist und ungesättigte Fettsäuren besitzt“, so Engert. Auch gut zubereitete Reh­rücken zählen zu den favorisierten Speisen der Familie. Und wenn der Weidmann es mal hochkulinarisch mag, zieht er die Plachutta-Kochbücher zu Rate.

In fremden Revieren
Fleisch, das die Familienmitglieder nicht selbst verzehren, wird an einen Wildbrethändler verkauft. Ein eigenes Jagdrevier besitzt Engert nicht, er hat zahlreiche Geschäftspartner und Freunde, die ihn zur Jagd einladen. „Meine Freunde haben nicht immer die Zeit, um das freigegebene Wild zu erlegen. Da sie mir vertrauen und wissen, dass ich keinen Zwölfender erlege, der nicht auf der Abschussliste steht, bin ich ein gern gesehener Gast.“ Freunde haben Engert auch zum Jäger gemacht. „2004 rief mich ein Bekannter spontan an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, auch die Jagdprüfung abzulegen“, erzählt Engert. Sein erster „echter“ Jagdausflug führte den Leasing-Chef einst ins Revier seines Nachbarn ins burgenländische Forchtenstein. Nur wenige Minuten nach dem Anpirschen erschien ein Knopfler (einjähriger Rehbock) auf einer Lichtung. Engert war die Jagdgöttin hold: Er schoss seinen ersten Rehbock auf Anhieb und erlernte an diesem gleich die Zu­bereitung von Wildgerichten. Seit damals ist er Feuer und Flamme für die Jagd.
Also Vorsicht, ihr Rehlein, Hirsche und Hasen: Ab der zweiten Jahreshälfte ist der Raiffeisen-Manager nahezu jedes Wochenende auf der Pirsch über Felder und durch Wälder anzutreffen.

Von Carolina Burger

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