Intersport-Chefin Gabriele Fenninger tankt Kraft im Kreise ihrer Familie

Gabriele Fenninger, Vorstandschefin von Intersport Österreich, hat ihren Job zum Lebensinhalt gemacht. Ihr Privatleben ist spartanisch: Zwiegespräche mit dem Mann am Morgen, der Sonntag mit der Großfamilie und zwei Wochen Urlaub pro Jahr reichen.

Es gibt Menschen, die arbeiten, um Geld zu verdienen. Es gibt Menschen, denen macht ihr Job einfach Spaß. Und es gibt Menschen, die ihren Job zum Lebensinhalt machen. Zu diesen Menschen gehört Gabriele Fenninger, 60, Vorstandsvorsitzende der Intersport-Genossenschaft Österreich und Geschäftsführerin von Intersport Austria, die 150 heimische Sporthändler mit Waren beliefert. Während andere Arbeitnehmer in diesem Alter bereits ihre Pension herbeisehnen, freut sich die Managerin, dass ihr Vorstandsvertrag im Mai dieses Jahres bis 2013 verlängert wurde. „Was zählt, ist: Wie lange kann ich meine Power meinem Unternehmen zur Verfügung stellen? Mein Alter ist eigentlich unwesentlich“, stellt die Managerin klar.

Eine echte Lebensaufgabe

Wer Fenninger kennt, weiß, dass sie umsetzt, was sie sich vorgenommen hat. Eine Eigenschaft, die diese Frau zusätzlich auszeichnet, ist Kontinuität. Und die zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben: Fenninger ist bei Intersport ein Urgestein. Sie heuerte beim größten österreichischen Sporthandelsunternehmen vor 32 Jahren im Rechnungswesen an. Mit ihrem Mann ist sie seit 41 Jahren verheiratet, und seit zwölf Jahren fährt sie jeden Sommer in die Türkei auf Urlaub.

„Gewechselt werden nur die Orte“, erzählt die agile Frau. Wer hier den Eindruck gewinnt, dass Fenninger nach Anerkennung heischt, der irrt. Die Medienpräsenz von Fenninger ist gleich null. „Wir tönen nicht groß mit unseren Leistungen nach außen, wir konzentrieren uns auf die Arbeit“, erklärt sie. Um sie für diese Story zu gewinnen, musste echte Überzeugungsarbeit geleistet werden. In einem Zwei-Stunden-Gespräch war der gebürtigen Oberösterreicherin kaum zu entlocken, wie ihre Work-Life-Balance aussieht. Die Wahrheit ist: Fenninger arbeitet täglich bis 22 Uhr. Ein Workaholic, wie er im Buche steht? Mitnichten, sie geht voll in ihrem Job auf. „Das, was ich tu, mache ich gerne, und das lebe ich auch. Es gibt nur zwei Dinge in meinem Leben, die mir wichtig sind: meine Familie und Intersport“, erklärt sie.

Auch Fenningers Ehemann weiß, wie wichtig der besseren Hälfte ihr Beruf ist. „Wir sind ein gut eingespieltes Team, und das funktioniert wunderbar“, streut sie ihm Rosen.

Allen Schikanen zum Trotz an die Spitze

Trotzdem beschritt die Managerin einen steinigen Weg, um dort hinzugelangen, wo sie heute steht. Sie hat von der Pike auf gelernt, war Mädchen für alles und hilft auch heute noch beim Etikettieren, wenn Not am Mann ist. Als sie vor fünf Jahren an die Spitze der Genossenschaft geholt wurde, blies ihr rauer Wind entgegen. Den Vorwurf in dem damals von Männern dominierten Unternehmen, dass sie keine Akademikerin ist, parierte sie, indem sie das negative Ergebnis ins Plus drehte und den Umsatz zuletzt um 7,4 Prozent auf 667,7 Millionen pushte. Beim Rationalisieren hat die Frau beherzt agiert: „Unsere Mitarbeiter waren das Letze, was ich angegriffen hätte. Ich habe das obere Management ausgedünnt und die Mitte verstärkt. Was zählt, ist Leistung“, beschreibt sie ihren Führungsstil.

Alle eingekocht

Doch genug der Power Woman at Work. Fenninger hat auch ein Privatleben. Sie gesteht, dass sie keine Frühaufsteherin ist. „Das gemeinsame Frühstück“ mit ihrem Mann Franz ist ihr „sehr wichtig und der Sonntag heilig“. Gespräche mit ihrem Mann finden bei Fenninger eben morgens statt. Arbeitsbeginn ist um neun Uhr. Dann geht es Schlag auf Schlag, immerhin muss sich Fenninger um vier Länder – Österreich, Tschechien, die Slowakei und Ungarn – kümmern. Aber am Sonntag nimmt sich die sportliche Lady alle Zeit der Welt für sich und ihr Hobby: Das sind schnelle Spaziergänge mit den Easytone-Sportschuhen von Reebok – „die machen einen festen Po“ –, ein paar Saunagänge danach und das Einkochen ihrer Lieben nach allen Regeln der Kunst.

Arbeitsteilung ist angesagt. „Ich suche die Rezepte aus, und Franz erledigt den Einkauf. Gott sei Dank ist er schon in Pension und hat sich zu einem perfekten Hausmann entwickelt“, erzählt die Managerin augenzwinkernd. Er kauft quasi alles ein, was Standard ist, für das Feintuning zeichnet Fenninger verantwortlich. Großen Wert legt die Hobbyköchin dabei auf die Auswahl der Zutaten, die müssen frisch sein, unbehandelt und gesund. Gemäß dem Motto: Was nützt das beste Rezept, wenn das Fleisch zäh und das Gemüse geschmacklos ist? Wenn Fenninger aufkocht, dann tut sie das im größeren Stil. „Meist sind wir eine große Runde, die ich am Sonntag bewirte. Und meine Freude ist groß, wenn ich vier Generationen meiner Familie an einem Tisch versammeln kann“, beschreibt sie ihre Lust am Kochen. Vier Generationen? Jawohl, Fenninger wurde schon mit 16 Jahren Mutter!

Die Frau lebt vor, dass nicht nur Quantität, sondern vor allem Lebensqualität wichtig ist, um sich in seiner Haut wohl zu fühlen. „Für meine Entspannung reichen mir zwei Wochen Urlaub und meine Sonntage“, bekräftigt sie ihre Philosophie. „Ansonsten bin ich eben ein extrem impulsiver Mensch, ein Rumpelstilzchen, das sich für den Job den Haxen ausreißt und immer hungrig nach etwas Neuem ist.“ Na dann wünschen wir der Powerlady weiterhin viel Spaß beim Arbeiten.

– Gabriela Schnabel

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