Interieur-Spezialistin Schmertzing-Thonet

Evamaria Schmertzing-Thonet stattet mit Leib und Seele Wohnungen aus. In ihrer Freizeit begibt sich die Unternehmerin vom Einrichtungshaus Steinwender gerne auf die Spuren geschichtsträchtiger Ereignisse.

Der Name ist Programm. Das Leben von Evamaria Schmertzing-Thonet, 60, wird von Interieur und Geschichte dominiert. Möbel sind ihr täglich Brot, Geschichte konsumiert sie in Form von Büchern. Und die hat sie zu Hunderten in ihrer Bibliothek.

Sie entstammt in fünfter Generation jener Dynastie, die für ihre gebogenen Holzmöbel weltbekannt wurde, und hat gerade alle Hände voll zu tun. In ihrem Einrichtungsgeschäft Steinwender in der Wiener Innenstadt sieht es aus wie in der Theaterrequisite. Alles steht kreuz und quer herum, denn die Interieur-Spezialistin dekoriert gerade ihre Schauräume um. Die neue Kollektion von Ralph Lauren Home und Hermès muss genauso prominent in den Schaufenstern platziert werden wie die entsprechende Weihnachtsdeko. Arbeiten macht Schmertzing-Thonet großen Spaß. „Meine Kinder haben schon ein greisenhaftes Alter, und Großmutter bin ich auch nicht, also was soll ich zuhause“, erklärt sie in ihrer herzerfrischenden Art. „I prefer to work!“

Seit die Unternehmerin vor 13 Jahren bei der Firma Steinwender einstieg, die vorwiegend auf Stoffe und Geschenkartikel spezialisiert war, hat sich viel getan. „Unser Hauptgeschäft ist, auf Englisch gesagt, Interior Decoration“, umreißt Schmertzing-Thonet ihren Laden samt Dependance in Graz. „Das Faszinosum ist nicht, ein Möbel zu verkaufen – sondern der Raum vorher und nachher. Wir planen alles bereits vom Rohbau weg.“ Oft braucht es bis zu drei Monate, bis die Geschäftsfrau ein Offert legen kann, denn so lange kann es dauern, bis sie gemeinsam mit ihren Kunden die gesamte Inneneinrichtung erarbeitet hat.

Mit ihrem One-Stop-Shopping, wo der Kunde alles aus einer Hand bekommt, ist Schmertzing-Thonet in eine Nische gestoßen, die es in der Bundeshauptstadt zu suchen gilt. Und wer es sich leisten kann, zählt selbstredend zu ihren Kunden. Auch wenn die Unternehmerin abwinkt und meint: „Bei uns findet jeder für seine Brieftasche etwas, von drei bis 30.000 Euro.“ Man muss doch eher ein volleres Portemonnaie haben, um sich bei Steinwender seine Träume erfüllen zu können. Prätentiös ist die Dame trotzdem nicht. Ihre Mitarbeiter nennt sie „hinreißend“, und es gibt auch kein Alterslimit in ihrem Team, weder nach oben noch nach unten. Der Jüngste ist 16, der Älteste 68. „Wir verkaufen keine generationsbezogenen Sachen“, erklärt sie, „die Mitarbeiter müssen nur Geschmack haben, auf Menschen eingehen können und ihren Job ordentlich machen. That’s it!“

Dass die Lady sich oft Anglizismen bedient, hat seinen Grund. „Ich war als Mädel sehr viel in England und lese die Hälfte meiner Bücher in Englisch. Diese Sprache ist so prägnant und kann viel besser Gefühle ausdrücken“, ergänzt sie. Und ist schon beim Thema.

Im Schnitt liest der Bücherwurm zwei Bücher die Woche. Der Fokus liegt auf Geschichte, Politik und Krimis. Gleich hat sie ein paar Bücher zur Hand. „Mein neues Lieblingsbuch ist ‚The Hare with Amber Eyes‘. Die Geschichte beschreibt den Aufstieg und Fall der Familie Ephrussi, die Anfang des 19. Jahrhunderts mit Getreide handelte und so reich wie die Rothschilds war. Eine Pflichtlektüre.“

Die Rezensionen sprudeln aus Schmertzing-Thonet nur so raus. Schon greift sie zum nächsten Buch: Die „Prinzessin von Sibirien“ von Christine Sutherland. Spannung bringen ihr Lord Peter Wimsey, der aus moralischen Motiven Verbrechen aufklärt, oder die Klassikerin Agatha Christie. Es folgen „Past Imperfect“ von Julian Fellowes, der mit hinreißender Ironie die Londoner Upperclass der 60er beschreibt, sowie Henry Kissingers „China“. „Ebenfalls eine Pflichtlektüre“, erklärt die Unternehmerin, „weil das nächste Jahrhundert wird chinesisch. Dieser Zug ist abgefahren“, ist sie überzeugt.

Politisch betrachtet

Auch zur Politik der EU hat Schmertzing-Thonet eine sehr konkrete Meinung. Und mit Kritik geht sie nicht sparsam um: „Die EU ist zwar wie eine Firma, hat aber keinen Geschäftsführer und keine Austrittsklauseln, es gibt viele Mitglieder, die machen, was sie wollen, betrügen, lügen. Und dann gibt es ein paar Trottel, die zahlen für alle. Das kann nicht funktionieren im Rahmen einer einheitlichen Wirtschaft.“ Ihre Hoffnung sind Sarkozy und Merkel, „die gerade dabei sind, die EU neu zu definieren, und diese hoffentlich bald straff führen werden“.

Hätte Schmertzing-Thonet noch einmal die Möglichkeit zu studieren, sie würde das Fach Geschichte wählen. In jungen Jahren blieb ihr das versagt, da sie aufgrund des frühen Todes ihres Vaters schon mit 21 Jahren in das Familienunternehmen einsteigen musste. Aber es muss ja nicht unbedingt eine Universität sein. Das Wissen, das sich Schmertzing-Thonet über Geschichte und Politik angeeignet hat, übersteigt das Wissen so manchen Uni- Abgängers. Davon ist die Dame überzeugt.

– Gabriela Schnabel

Body & Soul

Raiffeisen-Holding Generaldirektor Klaus Buchleitner - der virtuose Problemlöser

Doris Felber gab nie klein bei. Jetzt feiert sie - und gleichzeitig die Bäckerei - ein Jubiläum.
 

Body & Soul

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Zum Abschied gibts noch eine große Party im Wiener Odeon Theater.
 

body and soul

Hermann Becker, Grandseigneur der
Porsche-Holding, geht in Pension