Ingrid Szeiler, Vorstand in der Vermögens-verwaltungsbank und Balltechnikerin

Ingrid Szeiler, Vorstand in der Vermögensverwaltungsbank von Raiffeisen, war schon als Kind analytisch begabt und technisch interessiert. Diese Anlagen kann sie bei ihrem Hobby, dem Minigolf, jetzt ganz gut einsetzen.

Ganz ehrlich, kennen Sie jemanden, der Minigolf spielt? Sie wissen schon, das sind diese schnuckeligen Miniatur-Golfplätze, die in den 70ern viele Parkanlagen zierten. In Wien gab es einen gleich hinter der Votivkirche. Aber wer dachte, dass diese Jedermann-Variante des Golfsports inzwischen ausgestorben ist, den belehrt Ingrid Szeiler, 43, Vorstand der Raiffeisen Vermögensverwaltungsbank AG, eines Besseren. Sie übt Minigolf nämlich nicht nur ab und zu aus, sondern bestreitet sogar Turniere.

Alalytische Begabungen

Von ihren Anlagen her könnte Szeiler genauso gut Schach spielen, denn die gebürtige Wienerin war schon als Kind analytisch sehr begabt. Sie besuchte das Realgymnasium auf der Schottenbastei, wo die Mädchenquote damals noch sehr gering war. „Alles, was mit Naturwissenschaften zu tun hatte, war einfach von Buben dominiert“, erinnert sich die Managerin. Nicht so in ihrem Fall. Die Faszination für Mathematik und Technik blieb Szeiler nach der Matura erhalten, und so entschloss sie sich, an die Technische Universität zu gehen, um dort Wirtschaftsinformatik zu studieren. Damals war diese Studienrichtung noch ein Studienversuch, an dem Szeiler teilnahm – Frauenanteil: maximal 20 Prozent. Sie genoss die Intimität, denn oft saßen nicht mehr als zehn Hochschüler in den Hörsälen. „Es ging sehr familiär zu, und die Professoren sind viel stärker auf den Einzelnen eingegangen“, berichtet Szeiler.

Das Lernen ging der angehenden Akademikerin offenbar so leicht von der Hand, dass sie begann, parallel Psychologie zu studieren. Trotzdem war sie mit 24 fertige Magistra der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Ihre Diplomarbeit („Das Konzept der Duration und die Struktur der Zinssätze“) schrieb sie bereits in einer Bank, der damaligen Girozentrale. „Ich habe dort als Werkstudent gearbeitet und hatte so eine bezahlte Diplomarbeit, was sehr angenehm war.“ Danach folgte gleich ein Jobangebot in der Research-Abteilung des Instituts. Doch das trockene Analysieren war Szeiler recht bald fad: „Ich wollte mal richtig was in die Hand nehmen und bewarb mich um den Portfoliomanager.“ Kontinuierlich stieg die Managerin die Karriereleiter hoch. Doch als die Girozentrale mit der Bank Austria fusionierte, kam Szeiler mit der neuen bürokratischen Unternehmenskultur nicht ganz klar. Sie wechselte 1996 als Fondsmanagerin zur Raiffeisen KAG.

Die Frühaufsteherin ist teilweise schon kurz nach sieben Uhr im Büro. Sie mag es, wenn die Telefone noch still sind und die Arbeit flott von der Hand geht. In der Woche kommt Szeiler schon auf ihre 60 Arbeitsstunden, doch ein Nine-to-five-Job hat sie noch nie interessiert. Ihre Work-Life-Balance stimmt trotzdem. Den Job lässt sie stückchenweise hinter sich, wenn sie heimwärts nach Aspern fährt, am Stadtrand von Wien. „Da fliegen die Felder und Wiesen an mir vorbei, und der Arbeitsalltag löst sich langsam auf.“ Dann noch eine Runde spazieren gehen oder im Garten „herumgraben“, das macht der Bankerin Spaß. Abends lässt sie den Tag nochmals mit ihrem Lebensgefährten Revue passieren, oder aber die beiden machen sich auf den Weg zu ihrem Verein, dem „Bahnengolfclub Wien“ in Floridsdorf. Dem gemeinsamen Hobby verdankt das Paar auch die Lebensgemeinschaft.

Einfallswinkel ist gleich Ausfallswinkel

Das erste Mal kam Szeiler als Kind mit dem Bahnengolfsport in Kontakt. Seit 1987 spielt die Managerin „professionell“. Das Interesse weckte damals ein Schulkollege. Dann beginnt man, Turniere zu spielen, später Landes- und Staatsmeisterschaften, „und plötzlich war Minigolf ein fixer Bestandteil meines Lebens“, erzählt Szeiler. Wie beim richtigen Golf wird auf Anlagen mit 18 Bahnen gespielt. Ziel des Spiels ist ebenfalls, den Ball mit möglichst wenigen Schlägen in das Loch zu bewegen. Im Gegensatz zum Golf benutzt man jedoch nur einen einzigen Schläger, der dem Putter ähnlich ist.

„Von der Idee her ist Minigolf mit Billard zu vergleichen“, führt die Kennerin aus. „Man spielt teilweise nicht gerade aufs Loch, sondern über die Bande, und da gilt: Einfallswinkel ist gleich Ausfallswinkel“, kommt sogleich die Tüftlerin durch. Mit technischen Kategorien alleine kann man auch bei diesem Sport keinen Pokal gewinnen. „Es geht viel mehr um die Wahl des besten Balles und die ganze Feinadjustierung. Da sind viel Hand-Augen-Koordination, hohe Konzentration und sehr viel Tempogefühl erforderlich.“

Szeiler liebt diese Disziplin auch deshalb, weil es ein Freiluftsport ist, bei dem es selten ideale Wetterbedingungen gibt. Quasi eine Herausforderung, seine Leistungen auch unter widrigen Umständen zu bringen. Für die Bankmanagerin ist Minigolf gleichzeitig auch ein permanentes Üben von Disziplin und Geduld, denn beide Eigenschaften benötigt sie auch täglich im Job.

Seit einiger Zeit widmet sich die Vorstandsdame auch dem großen Golf. Da muss sie aber noch auf einige Runden gehen, um ihr aktuelles Handicap von 30 zu verbessern.

– Gabriela Schnabel

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