„In der Natur spare ich berufliche
Themen gänzlich aus"

Karin Weißenböck, Leiterin der Waldviertler „Xundheitswelt“, hat zwei Kraftplätze: das Gabrielenthal, das sie viel durchwandert, und den Herd in ihrer Küche.

Das obere Waldviertel um die idyllische Ortschaft Harbach liegt direkt an der Grenze zu Tschechien. Aber Idylle alleine reicht nicht, um zu überleben. Jobs sind rar, viele junge Leute treten die Landflucht an – oder sie bleiben ganz bewusst und setzen voll auf die Reize dieser Gegend. So wie Karin Weißenböck, 45. Schon mit 19 Jahren leitete die Touristikkauffrau die Rezeption des Hotels und Gesundheitszentrums Moorheilbad Harbach, das auf Stoffwechselerkrankungen und Rehabilitation spezialisiert ist. Mit 27 übernahm sie die Geschäftsführung des Betriebes sowie die des Lebens.Resorts & Gesundheitszentrums in Ottenschlag. „Mein Vater war die treibende Kraft, dass diese Betriebe hier entstanden sind, und ich lebe und liebe dieses Leben, seit ich denken kann“, erzählt Karin Weißenböck.

Tatsächlich stellte Manfred Pascher, damals 37 Jahre alt, schon vor drei Jahrzehnten die Weichen für die Region. Als innovativer Touristiker wollte er nicht länger tatenlos zusehen, wie noch mehr landwirtschaftliche Betriebe zugrunde gingen. Der Pionier forderte die Bauern auf, auf biologischen Anbau umzustellen, und bot ihnen im Gegenzug eine Abnahmegarantie an. Der Grundstein für den „ökologischen Kreislauf“ in Harbach war gelegt.

Waldviertler Gesundheitswelt

Heute vereint das einstige Musterprojekt Landwirtschaft, Gewerbe und Gastronomie in einer für alle Beteiligten vorteilhaften Form. 80 Prozent der Bauern sowie das Hotel Moorheilbad Harbach haben eine Öko-GmbH gegründet, in der Bauern exklusiv ihre kontrolliert biologischen Produkte zu höheren Preisen an ausgewählte Betriebe liefern. Dazu zählen vor allem sieben Tourismus betriebe im nördlichen Waldviertel, die sich zur „Xundheitswelt“ zusammengeschlossen haben. Der ungewöhnliche Name steht für Erholung, Gesundheitsvorsorge, Behandlung und Rehabilitation. Das Gesundheitszentrum Moorheilbad Harbach, das Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs, das Lebens.Resort Ottenschlag, das Brauhotel Weitra, die Waldpension Nebelstein, die Pension Kristall und die Pension Nordwald richten ihr Angebot an Menschen, die mehr für ihre Gesundheit tun wollen.

Die Leitung der Xundheitswelt hat Karin Weißenböck längst von ihrem Vater übernommen. Ein Job, der wenig mit Bauernhofromantik zu tun hat, sondern viel mit Management. „Ein Zehn-Stunden-Tag ist ganz normal, und da wir ein Dienstleistungsbetrieb sind, haben wir auch 365 Tage im Jahr offen“, beschreibt Weißenböck ihren beruflichen Alltag. Neben der medizinischen Betreuung der Gäste legt sie auch großes Augenmerk auf zeitgemäße Ernährung mit Bioprodukten aus dem „ökologischen Kreislauf Moorbad Harbach“.

Trotz all ihres Know-hows musste die Touristikerin auch lernen, richtig mit ihren eigenen Ressourcen umzugehen. Im Alter von 21 Jahren brachte sie bereits ihr Tochter Viktoria zur Welt, und vier Jahre später folgte Sohn Peter. Der Job lief nebenher weiter. „Nur mit Unterstützung meiner Familie, insbesondere meiner Schwester Doris, konnte ich meinem Beruf nachgehen“, bedankt sich Weißenböck. Der Einsatz und der Zusammenhalt der Familie lohnten sich: Das Moorheilbad hat heute fast eine 100-prozentige Auslastung, und mit allen angeschlossenen Betrieben kommt die Xundheitswelt auf 1.600 Betten mit 1.000 Mitarbeitern.

Das Paradies vor der Haustür

Trotzdem will die tüchtige Frau nicht klagen. „Wir haben die tollste Landschaft vor der Tür. Und ich gehe jeden Tag in die Natur, auch wenn es nur 45 Minuten sind. Das hilft mir schon, um vom Alltag runterzukommen.“ Ausgedehntere Wanderungen unternimmt Weißenböck am Wochenende mit ihrem Mann Peter, Tochter Viktoria und dem Schäferhund Artos. „Der Sohn widmet sich lieber dem Fußball“, lacht sie.

Gestartet wird in Weitra, oberhalb vom Gabrielenthal, wo die Lainsitz durchfließt. „Berufliche Themen werden da gänzlich ausgespart. Wir halten einfach Zwiesprache über das Eheleben und die Kinder“, erzählt sie, „zwei, drei Stunden vergehen wie im Nu.“ Weißenböck legt den g’sunden Maßstab aber nicht nur bei sich an. „Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Mitarbeiter eine ausgewogene Work-Life-Balance haben“, erzählt sie. Erst kürzlich konnte die Touristikerin für das Moorheilbad Harbach den ersten Staatspreis als „familienfreundlichster Betrieb“ in der Kategorie Großbetriebe entgegennehmen.

Die bodenständige Frau hat noch eine weitere große Leidenschaft, das Kochen: „Ich habe einen Tick und verzichte gerne auf eine Haushaltshilfe. Ich habe das ganze Jahr über viele Menschen um mich und liebe deshalb die Intimität zuhause“, erklärt sie ihre Affinität zum Kraftplatz Herd. Die Auswahl frischer Zutaten und der liebevoll gedeckte Tisch sind für die Touristikerin fast schon eine meditative Handlung. Eine ihrer Lieblingsspeisen ist ein richtiger Schweinsbraten. „Der ist zwar ziemlich in Verruf gekommen, aber mit Waldviertler Knödeln ein wahrer Genuss“, schwärmt Weißenböck. Und wenn am Speiseplan etwas Gesundes steht, dann brät Weißenböck eine frische Forelle aus der eigenen Fischzucht aus Hirschenwies. Wohl bekomm’s!

– Gabriela Schnabel

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