Im Auge des Betrachters

Juwelier Herbert Schullin entschleunigt beim Abbilden von Gegenständen und Situationen. Meist nimmt er sich Themen vor, die er über einen längeren Zeitraum beobachtet, bevor er sie mit seiner Kamera einfängt.

Wenn Herbert Schullin, 65, beginnt, über Edelsteine zu erzählen, kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen. Egal ob man im Besitz solcher wertvollen Pretiosen ist oder das nie sein wird. „Es gibt nichts, was Farbe so gut beschreiben und ausdrücken kann wie ein Kristall. Die Steine sind Mittler zwischen der realen und der transzendenten Welt. Da ist schon eine gewisse Magie dahinter.“

Nun ja, Schullin ist gelernter Goldschmied und promovierter Politikwissenschaftler, seine Schmuckwerkstatt auf der Wiener Nobelmeile Kohlmarkt genießt internationalen Ruf. Elton John trägt ebenso die Entwürfe aus seiner Präzisionsschmiede wie Anna Netrebko, Barbra Streisand oder Zaha Hadid.

Feine Handarbeit

Schullins Aufgabe ist nach Eigendefinition „das Mädchen für alles“, doch seine Lieblingstätigkeit ist die Schmuckentwicklung, vor allem das Eingehen auf kundenspezifische Gestaltungswünsche. Erst wird eine Handskizze gezeichnet, dann eine dreidimensionale Ansicht kreiert. Und bevor das Geschmeide zur Ausführung gelangt, wird für den Kunden noch ein Wachsmodell angefertigt. Für ihre Arbeiten heimsten der gebürtige Grazer und seine Designer schon drei Staatspreise sowie den Diamonds International Award und den Red Dot Award ein.

Der Meister selbst ist vollkommen schmucklos. „Schneider tragen meist abgetragene Anzüge, Schuster löchrige Schuhe“, argumentiert er lachend. Trotzdem haben Edelsteine auch für ihn persönlich große Bedeutung. „Es wäre vermessen, wenn ich mich nicht auch mit der esoterischen Kraft der Steine beschäftigt hätte. Ich habe viel Literatur darüber gelesen, die auch sehr widersprüchlich war.“ Schullin bezeichnet sich zwar als Realist. Trotzdem hat er den Versuch unternommen, die Kraft der Steine am eigenen Körper auszuprobieren. „Als es mir energetisch schlecht ging, habe ich mir ein kleines Säckchen Rubine umgehängt, und ich hatte das Gefühl, dass mir das geholfen hat.“

Objektive Suche

Ein Instrument, sich mental zu befreien, ist für den Juwelier auch die Fotografie. „Das ist für mich etwas Meditatives.“ Ein Hobby, das dem Mann gerade in der hektischen Weihnachtszeit zupasskam, wenn er keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Da schnappte er sich seine Canon EOS 5D Mark II und begab sich auf die Suche nach geeigneten Objekten. „Meist nehme ich mir Themen vor. Das vergangene Jahr war dies der Donaukanal.“ Er beobachtete die rasante Veränderung am Wasserlauf, der den ersten und zweiten Wiener Gemeindebezirk trennt: die vielen Graffiti, das wachsende Freizeitparadies mit den vielen Cafés und Restaurants und die Skyline, die vis-à-vis des Schwedenplatzes langsam Gestalt annimmt. Sein Lieblingsbild aus den vielen Hunderten ist eine Zille, die bei einem der Treppenabgänge zum Kanal angebunden war. Im Hintergrund ein tätowiertes Pärchen, das schmusend in der Wiese lag. Und das ganze Kunstwerk ist in Schwarz-Weiß ausgearbeitet. Andere Themen sind für den Hobbyfotografen derzeit der Schnee und immer wieder Menschen. Die meisten Abbildungen verschwinden in den Archiven. Geniale Schnappschüsse stellt der Meister hingegen gerne mit entsprechender Hintergrundbeleuchtung an der Wand zur Schau.

Spannende Momente

Fast wichtiger als den Auslöser zu drücken ist Schullin die Beschäftigung mit dem Objekt. „Egal ob Gegenstände oder Situationen, Fotografie ist etwas, worauf ich mich einlasse, weil ich mich wirklich damit beschäftigen muss.“ Mit dem Hobby der Abbildung hat der Juwelier in seiner Jugend mit Bleistift und Zeichenblock begonnen. „Damals habe ich mich ins Café gesetzt und habe Menschen porträtiert.“

Aus diesem Blickwinkel ist für ihn der Moment des Fotografierens spannender als später die Betrachtung des fertigen Bildes. Früher, als es nur die analoge Fotografie gab, hatte Schullin Hemmungen, die Bilder selbst zu entwickeln. Er tat es irgendwie nicht ungern, aber „das war eine echt aufwendige Geschichte im Labor“. Die digitale Fotografie liegt ihm viel mehr. „Ich bearbeite vieles im elektronischen Photoshop. Plötzlich ist es zwei Uhr morgens, und ich denke mir, wo ist die Zeit hin? Aber es macht mir viel Spaß.“

– Gabriela Schnabel

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