„Ich umgebe mich gerne mit Möbeln, die für die Ewigkeit gebaut wurden."

Bernhard Rzehorska, 36, Geschäftsführer des Hotelausstatters Sign-Design Interior, wohnt gerne in der Vergangenheit. Seine Lieblingsepoche ist der Empirestil des 19. Jahrhunderts.

Vorsichtig zieht Bernhard Rzehorska eine Kartonkiste aus der Lade eines Empire-Sekretärs. Papier raschelt, und ein metallisch schimmernder Frauenkopf kommt zum Vorschein. „Das ist ein Raffhalter. Der wurde im 19. Jahrhundert an der Wand befestigt, damit die Vorhänge richtig fallen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter von Sign-Design Interior, Generalausstatter für die Hotellerie. Wer das Haus des 36-Jährigen betritt, fühlt sich sofort in das imperiale Zeitalter zurückversetzt. Die dunklen Möbel versprühen Stil und Eleganz, wirken aber keineswegs verstaubt. Im Wohnzimmer ziert eine Biedermeier- Sitzgruppe den Raum, die mit zwei Sekretären aus Mahagoniholz um Aufmerksamkeit buhlt.

Die Leidenschaft für die kaiserlichen Besitztümer hat Rzehorska von seinem Großvater, der vor 17 Jahren begann, seinem Enkel kontinuierlich Empire-Möbel zu vererben. In Österreich gibt es nur etwa drei Personen, die auf eine ähnlich vollständige Empire-Sammlung zurückgreifen können. „Ich habe mich im Laufe der Zeit in die Höhe getauscht. Weil ich weniger Wertvolles gegen Teureres gewechselt habe.“

Auf der Jagd nach Raritäten

Der gebürtige Steirer hat sich derart in die Materie eingelesen, dass er von der Entstehungsgeschichte bis hin zu einzelnen Möbeln genau nachverfolgen kann, wie viele Stücke gebaut wurden und noch in Umlauf sind. So ist etwa der grünblaue Luster aus Lindenholz, der einst Prinzessin Ludovika von Bayern gehörte, einer von nur vier Lustern, die zur damaligen Zeit gefertigt wurden. „Einer hängt im Hofmobiliendepot in Wien, einer befindet sich in Deutschland, einer wurde zerstört, und einer hängt bei mir. Das weiß ich, weil ich in der Nationalbibliothek Aufzeichnungen vom Kaiserhof studiert habe, in denen genau vermerkt ist, wie viele Luster damals gebaut und verkauft wurden.“

Die profunde Recherche dient ihm nicht nur für seine private Sammlerleidenschaft, auch im Beruf hilft ihm das Wissen. Schließlich leitet sich das Design vieler moderner Möbel aus Stilrichtungen der Vergangen- heit ab. Der einzige Unterschied: „Hotels brauchen keine Möbel für die Ewigkeit. Sondern müssen sich alle sieben bis zehn Jahre neu ausstatten.“ Zu Beginn machte sich der studierte Jurist und Betriebswirt mit dem Unternehmen Sign Design Consultancy selbständig. Erst 2005 wurde sein Unternehmen auf Sign-Design Interior umgetauft. Seither ist der Familienvater einer von insgesamt vier Geschäftsführern. Zu den Kunden zählen etwa das gerade in Bau befindliche Shangri-La in Wien, aber auch das Grand Hotel Wien oder das Kempinski Emirates Palace in Abu Dhabi. Rzehorska zieht im Hintergrund die Fäden für das geschäftliche Fortkommen.

Flink kniet sich der Manager zum Regal und zieht einen Katalog heraus. „Das ist eine Zeichenblättersammlung des Museums für angewandte Kunst. Leider sind die Entwurfzeichnungen von Tischsammlungen nicht vollständig.“ Ein Umstand, den Rzehorska ändern möchte. In ein, zwei Jahren soll sein erstes Buch über Empire-Möbel erscheinen. Ab und an kann Rzehorska auch einen Innenarchitekten, „der über die Herkunft eines Möbelstücks schwadroniert, obwohl er keine Ahnung hat“, mit seinem Wissen fundiert in die Schranken weisen. Das wirkt zwar wie Balsam auf Rzehorskas Seele, „aber ich muss vorsichtig sein, immerhin sind es ja zum Teil meine Kunden“. Wenn es nicht um Geschichtswissen geht, kann sich der Manager auch von seiner toleranten Seite zeigen. „Von anderen zu lernen ist mir sehr wichtig. Der größte Stolperstein ist das eigene Ego. Wer eine vorgefertigte Meinung hat, kann sich leicht verrennen.“

Sein bisher größter Coup: „Ich habe aus einer privaten Sammlung den echten Spazierstock von Johann Strauß um 500 Euro gekauft und später um ein Vielfaches wieder verkauft.“ Die Sammlerleidenschaft hat vielleicht auch damit zu tun, dass Rzehorska nicht unbedingt ein Anhänger des Kapitalismus ist. „Ich glaube nicht ans endlose Wachsen. Deswegen umgebe ich mich gerne mit Möbeln, die für die Ewigkeit gebaut wurden. Sie versetzen mich in ein anderes Zeitalter zurück.“

– Carolina Burger

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