Hoch hinaus: Kärcher-Geschäftsleiter Gerhard Schwab will 3,6 Meter überspringen

Gerhard Schwab, Geschäftsleiter von Kärcher Österreich, ist ein passionierter Leichtathlet. Derzeit trainiert er für die Senioren-Hallenweltmeisterschaft in Ancona.

Gerhard Schwab, 53, ist Kärcher-Meister für Öster­reich und Zentraleuropa. Kärcher? Das sind die gelb-schwarz gebrandeten Hochdruckreiniger, die die Welt reinigen: von der Christusstatue in Rio de Janeiro bis zum Brandenburger Tor in Berlin. Auf der Visitkarte von Schwab steht freilich Kärcher Geschäftsleitung für Consumer & Marketing. Und der Mann arbeitet auch tatsächlich auf Hochdruck, nicht nur in seinem Brotberuf, sondern auch bei der Ausübung seines Sports: Schwab ist nämlich begeisterter Stabhochspringer. Seine Höchstleistung beim sogenannten „Hochdrücken“ sind 3,60 Meter.

Zehnkampf für jedermann
Auf den Geschmack dieser Sportdisziplin ist der Manager vor acht Jahren quasi bei einer Wirtshausrederei gekommen. „Nach dem Volleyballtraining sind meine Sportkollegen und ich in unserem Leichtathletik-Verein Leibnitz zusammengesessen. Wir haben eigentlich mehr zum Jux beschlossen, einmal bei den Jedermann-Zehnkämpfen teilzunehmen. Ich habe mich dabei auf Stabhochsprung spezialisiert.“ Dieser Zehnkampf ist ein „olympisches“ Erlebnis, an dem jeder Hobbysportler teilnehmen kann. Für Schwab, der zu diesem Zeitpunkt schon Mitte vierzig war, eine große Her­ausforderung. Ein echtes Greenhorn war der Mann allerdings auch damals nicht mehr. Schon in seiner Jugend, im Alter zwischen 15 und 19, war Schwab Leichtathlet. Aufgrund schulischer Verpflichtungen hatte der Junge aber Intensivtrainings hintanstellen müssen. Er spielte danach nur mehr Volleyball. Nachdem er die HTL in Graz absolviert hatte, begann der Ernst des Lebens. Schwab startete seine berufliche Karriere bei AVL-List, war zehn Jahre lang im Bereich der Medizinischen Technik tätig, dann im Metallwarenbereich. Vor 14 Jahren heuerte er bei Kärcher an. Hier fühlt er sich wohl, hat seine Berufung gefunden: „Kärcher ist ein von der Familie Kärcher geführtes Unternehmen. In Zeiten wie diesen ist es sehr angenehm, nicht quartals­getrieben zu sein wie börsennotierte Konzerne“, resümiert er. „Unsere Mitabeiter sind auch im Durchschnitt mehr als zwanzig Jahre im Betrieb.“ Dabei ist Kärcher nicht gerade ein kleiner Betrieb: Mehr als 6.800 Mitarbeiter erzielen in 40 Ländern einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro.

Vorbereitung auf die Europameisterschaft
Der auf Hochdruckreiniger spezialisierte Konzern ist überdies auch stark im Sponsoring engagiert, von Kultur über Sport bis hin zur Umwelt. Kärcher unterstützte unter anderem die FIA World Rally Championschip und das Team „BP Ford Abu Dhabi World ­Rally“. Das war auch der Grund, weshalb Schwab mit dem Motorrad-Virus infiziert wurde: Er schaffte sich eine Ducati 999 an und frönte dem Geschwindigkeitsrausch. Zwei-, dreimal im Jahr war er am Pannonia Ring, am Automotodrom Rijeka oder in Brünn, wo er mit dem heißen Eisen seine Runden zog. Diese Leidenschaft endete ­tragisch: Sein Sohn Philipp verunglückte mit dem Motorrad im August 2007 tödlich. Der Vater stellte seine Rennen geschockt ein. „Ich bin erst wieder ein Jahr später auf die Ducati aufgestiegen, die große Lei­denschaft ist jedoch vorbei“, erzählt er ­heute.
Heute konzentriert sich der Kärcher-Meister voll und ganz auf den Stabhochsprung. Im März finden in Ancona die Hallen-Europameisterschaften für Leicht­athleten statt, dafür trainiert Schwab seit September. 2004 war er schon mal Vize-Hallenweltmeister in seiner Altersklasse, doch diesmal glaubt er nicht, dass er „ein Leiberl reißen kann. Dabeisein ist alles.“ Trotzdem stehen wöchentlich zweimal drei Stunden auf dem Sportplan. „Turnerisch muss man ziemlich fit sein“, so Schwab. Trainiert werden sowohl Ausdauer als auch Kraft. Beides ist enorm wichtig, denn bevor der Mann zum Sprung ansetzt, muss er gut dreißig Meter lang sprinten.

"Kein Alter für einen Leichtathleten"
Schwabs Höchstleistung liegt bei 3,60 Metern. „Den Weltrekord von Sergej Bubka mit 6,14 Metern werde ich nimmer einstellen“, scherzt Schwab. Immerhin ist er 53 Jahre alt. „Das ist kein Alter für einen Leichtathleten“, korrigiert er. Der älteste heimische Sportler in dieser Disziplin ist Alfred Proksch, der im Dezember hundert Jahre alt wurde, er trainiert noch immer, erzählt Schwab begeistert.
Wer sportlich ist, hat auch im Job einen Vorsprung. „Man muss sich auch im Beruf Ziele setzen, sich in kleinen Schritten an diese herantasten und konsequent sein“, so das Credo von Schwab. Bei Kärcher steht Fitness hoch im Kurs. Schwab stellte es seinen Mitarbeitern frei, sich im IMSB-Olympiazentrum Südstadt auf Herz und Nieren (Bewegungsanalyse, Ernährung) testen zu lassen. Das Feedback war groß: „Die Kollegen haben heute ein viel besseres Körperbewusstsein. Es hat sich sogar eine eigene Kochgruppe herausgebildet, die in der Mittagspause gesunde Menüs zubereitet.“

Von Gabriela Schnabel

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