Hilfe mit Stil: Unternehmer Martin Lenikus hilft dem Kunst-Nachwuchs

Martin Lenikus, Unternehmer der gleichnamigen Immobilien-Gruppe, hat sein Steckenpferd in der Kunst gefunden. Sein Hauptaugenmerk gilt dabei dem jungen Nachwuchs, den er gemeinsam mit den Kunst-Unis fördert.

Bei der Sotheby’s-Auktion „contemporary art“ gingen die Werke von Andy Warhol, Yves Klein oder Gerhard Richter weg wie warme Semmeln. Richters „Neger“ erzielte einen Preis von 5,6 Mio. Dollar, die „Silver Liz“ von Warhol war dem Bieter 8,2 Millionen wert, und den Rekordpreis von 9,3 Millionen erzielte Yves Kleins „Blauer Schwamm“. Martin Lenikus, 47, Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensgruppe, die sich mit Immobilien, der Entwicklung von Designhotels sowie mit Wein- und Obstbau befasst, hat hierzu seine eigene Philosophie: „Ich halte mich mittlerweile fern von arrivierten Künstlern und konzentriere mich dafür konkret auf die Jungen.“ Das tut er seit zehn Jahren. Damals hat es sich der Unternehmer zur Aufgabe gemacht, Nachwuchskünstlern aus dem In und Ausland Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, wo sie ihre Werke gestalten konnten.

Die ersten Ateliers wurden zufällig entdeckt. „Immer wenn wir unsere Häuser revitalisiert haben, gab es naturgemäß leer stehende Räume. Und diese waren vor allem bei jungen Künstlern Objekte der Begierde, da die ja kaum Budget für teure Ateliers hatten“, erzählt Lenikus. Die temporäre Nutzung der einst renovierungsbedürftigen Gebäude hat sich dann vor sechs Jahren bei zwei Häusern, am Bauernmarkt 1 und 9, zur fixen Institution für Kunstschaffende entwickelt. Seither kamen 140 Maler und Bildhauer in den Genuss, von Lenikus gefördert zu werden. „Im Laufe der Jahre sammelten wir so auch eine Reihe an Gemälden, Skulpturen und Papierarbeiten des Nachwuchses, die wir jetzt erstmals der Öffentlichkeit im Rahmen der Ausstellung Boxenstopp am Bauernmarkt präsentieren“, ist der umtriebige Unternehmer stolz auf sein Steckenpferd.

Neue Designhotels und Weinmuseum

Dabei kann man nicht behaupten, dass Lenikus an Arbeitsmangel leidet und nur seinem Kunst-Hobby frönt. Für Herbst plant er den Spatenstich seiner ersten zwei Designhotels in der Wiener Innenstadt: vier Sterne, 33 Zimmer pro Haus – und die Luxusherbergen werden die Handschrift eines international erfolgreichen österreichischen Architektenteams tragen. Mehr verrät Lenikus nicht. Funktioniert das Projekt, sind Hotels in Prag und Budapest angedacht.

Auch das Geschäft mit den Reben soll erweitert werden. Ebenfalls im Herbst soll eine eigene Wein-Produktionsanlage samt dazugehörigem Verkaufsraum und einem Weinmuseum in Angriff genommen werden. „Grinzing ist ein Synonym für Wiener Wein“, erklärt Lenikus. Und deshalb möchte er auch andere Wiener Weinbauern für das Museum begeistern.

Insgesamt verfügt der Immobilien-Manager über 25 Hektar eigene und gepachtete Weinanbauflächen. Das ergibt 150.000 Flaschen Wein pro Jahr, je nach Ertragslage. Doch im Gegensatz zur Kunst, die Lenikus als „Herzensangelegenheit“ bezeichnet, muss der Wein ein Geschäft sein. „Man kann nicht viel Geld verdienen, aber zwölf Prozent Rendite müssen schon rausschauen. Das ernährt den Mann und die Familie“, scherzt er.

Förderinitiative mit Kunst-Unis

Dass der Mann am Hungertuch nagt, darüber muss man sich keine Sorgen machen. „Wir haben Gott sei Dank vor dem Crash im Jahr 2007 viele Immobilien gut verkauft und haben noch einen erklecklicken Anteil an Geldreserven.“ Und wer hat, soll jenen geben, die es brauchen.

Genau das tut Lenikus. Er startete jetzt eine private Förderinitiative mit der Universität für angewandte Kunst und der Akademie der bildenden Künste und hob das „Studioprogramm Lenikus“ aus der Taufe. Zweck dieser Initiative ist die Förderung von je drei Absolventen der beiden Kunst-Unis, die ab Herbst für ein Jahr in den Lenikus-Ateliers am Bauernmarkt 9 arbeiten können und monatlich mit 500 Euro sowie dem Ankauf von Werken durch die Sammlung Lenikus unterstützt werden. „Wir bieten den Stipendiaten auch die Möglichkeit, sich von Künstlern, Kuratoren und Museumsleuten coachen zu lassen, damit sie auch betriebswirtschaftlich an den Markt herangeführt werden“, erklärt Lenikus.

Ergänzt wird diese Initiative durch ein Artist-in-Residence-Programm. Ideengeber für den Kunstcluster in der City war Lenikus’ Freund Christian Fink. Dabei werden internationale Künstler, die bereits Erfolge in der Kunstszene vorweisen können, ebenfalls für je drei Monate in die Ateliers am Bauernmarkt eingeladen. „Das ist sicher ein befruchtender Prozess für den Nachwuchs und die etablierten Künstler“, so Lenikus.

Der kunstsinnige Unternehmer ist dafür bekannt, dass er Dinge immer zu Ende bringt, egal wie. Beispielhaft für seine Hartnäckigkeit ist ein abenteuerliches Erlebnis in seiner Jugend. Damals bildete sich Lenikus gemeinsam mit Freunden ein, im Indischen Ozean ein gesunkenes Transportschiff mit Silberbarren im Wert von einer Milliarde Schilling heben zu müssen. Das Projekt scheiterte letztendlich mangels nötigen Kleingelds für die Bergung des Wracks in einer Tiefe von 4.000 Metern: Die Detailsuche mit Robotern hätte in einem ersten Schritt 25 Millionen Schilling gekostet. Dass die Idee trotzdem genial war, wurde spätestens klar, als der damals reichste Mann der Welt, der Sultan von Brunei, das Transportschiff samt Schatz hob und so sein Vermögen noch ein bisschen vermehrte. Heute hat Lenikus einen viel größeren Schatz als der Sultan, er fördert junge Künstler und hilft ihnen beim Start.

– Gabriela Schnabel

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