Hermann Becker, Grandseigneur der
Porsche-Holding, geht in Pension

Hermann Becker, Grandseigneur der Porsche-Austria- Kommunikation, prägte 40 Jahre Automobilgeschichte mit. Am Montag wird er mit einer großen Feier im Wiener Odeon Theater gebührend verabschiedet.

Hermann Becker, 65, hat mehr als die Hälfte seines Lebens bei Porsche verbracht.

Jetzt, nach 40 Dienstjahren, schließt das Urgestein und "wandelnde Lexikon“ dieses Kapitel und geht in Pension.

Als junger Mann war er der Einzige unter seinen Freunden und Brüdern, der kein eigenes Auto besaß. Also dachte er sich: "Gehst zu Porsche, dann kommst schnell zu einem günstigen Auto.“ 1972 begann der gebürtige Salzburger und Volkswirtschaftler dann in der Marktforschungsabteilung beim Salzburger Autoimporteur zu arbeiten, wurde später Produktmanager und 1987 Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. "Das war nicht wirklich das Meine. Ich wollte lieber Schlachtpläne entwerfen, aber mich nie exponieren und an vorderster Front stehen.“

Wer Becker kennt, weiß, dass sich der Mann stets im Hintergrund hielt. Es war trotzdem die richtige Entscheidung, denn Becker ging in seinem Kommunikationsjob auf. Er machte es sich zur Lebensaufgabe, dass Informationen zwischen Produktion, Verkauf, Mitarbeitern, Eigentümern und Öffentlichkeit transparent wurden. Becker war auch der Erste, der die Familiengeschichte des Hauses Porsche aufzeichnete. Und er modernisierte die Jubilar-Ehrungen der Kollegen, indem er jeden, in Wort und Bild im Kurzfilm darstellte, egal ob Raumpflegerin oder Geschäftsführer.

Das Angebot, 1987 als Geschäftsführer nach Spanien zu wechseln, schlug Becker aus, weil er gerade Vater seines Sohnes Kilian geworden war. Bereut hat er das nie: "Ich habe zu 99 Prozent schöne Sachen im Job erlebt, meine Talente entwickeln dürfen, habe mich verwirklichen können, war kreativ, viel unerwegs und habe viel Applaus bekommen.“

Der Kommunikator erlebte den Aufbruch von Volkswagen hautnah mit, die Zukäufe von Seat und Skoda, die Expansion in den Osten, die Wiedervereinigung in Deutschland, den Zerfall der Tschechoslowakei und die damit verbunden Schwierigkeiten im Autogeschäft - aber auch die große Chance, im Autovertrieb stark zu expandieren. "Luise Piëch, die Tochter des Gründervaters Ferdinand Porsche, war 20 Jahre lang unsere Chefin, und da galt es, Volkswagen muss die Nummer eins sein. Seit 1956 sind wir mit der Marke Volkswagen auch ungebrochener Marktführer in Österreich.“

Im operativen Geschäft galten auch für Becker ganz normale Unternehmensrichtlinien. Trotzdem gab es immer einen sehr persönlichen Kontakt zwischen den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch und der Salzburger Holding. "Wenn auch beide Familien gleiche Anteile am Unternehmen hielten, prägten vor allem die Piëchs die Entwicklung und den Aufbau das Österreich-Geschäftes“, unterstreicht das Porsche-Urgestein. "Die Familien Porsche und Piëch sind Teil der Autogeschichte und haben allesamt viel vom Automobil verstanden. Das ist nicht wie bei manch anderen Unternehmern, deren Produkte zwar auch Kohle bringen, die aber nie jemandem ans Herz gewachsen sind.“ Dieses Statement gilt auch für ihn. Der Mann hat seinen Job nie als Arbeit gesehen, sondern immer mehr als Hobby. "Ich habe einen Zustand zu den VW-Produkten gehabt und und oft auch Herzklopfen bei bestimmten Marken.“

Zeit seines Berufslebens war der Kommunikator aus Leidenschaft täglich zwölf Stunden im Einsatz. Trotzdem fand er Zeit für seine Familie, spielte Tennis, lernte seine mittlerweile verstorbene Frau Sabine beim Reiten kennen und teilte mit ihr auch die Freude am täglichen Laufen. "Beim Laufen finde ich immer mein Seelengleichgewicht, und es ist mein Quell der Kreativität. Bei Kilometer sieben habe ich immer die Lösung für alle Probleme“, erzählt er lachend.

Jetzt, wo er in Pension ist - "ich werde schon Aufgaben bei Porsche noch erledigen“ - und mehr Zeit hat, wird sich Becker wieder auch dem Golfspielen und seinen Kindern Kilian und Marlene widmen. Becker geht allerdings auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Als Mitarbeiter in diesem Unternehmen glaube ich, dass mit den aktuellen Veränderungen die Türe noch weiter aufgegangen ist. Ich wäre gerne 20 Jahre jünger, nicht nur aus diesem Grunde.“ Großen Respekt zollt er Ferdinand Piëch: "Er hat immer über Generationen hinausgedacht, davon war sein ganzes Berufsleben geprägt. Alles, was Piëch sich je ausgedacht hat, ist aufgegangen, gegen jeden Widerstand.“

Und das, was Becker wirklich abgehen wird, "ist, alle drei Monate immer ein schönes, neues Auto zu fahren. Dieses Naheverhältnis zur Technik, aus der Sicht eines Kunden, ist faszinierend.“ Ein kleines Trostpflaster: Becker hat sich zum Abschied einen Porsche-Oldtimer 964 gekauft. Erst muss er noch die Garage dafür bauen, denn "der 964er ist ja nicht zum täglichen Herumfahren, das ist nur ein Spielzeug, ein schönes Produkt, wie eine Installation.“ Gute Fahrt!

- Gabriela Schnabel

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