Helmut Gadner, langjähriger Direktor des St. Anna Kinderspitals will hoch hinaus

Helmut Gadner, 70, langjähriger Direktor des St. Anna Kinderspitals, will immer hoch hinaus: Primär liebt er die Dolomiten, demnächst will er auf den höchsten Gipfel des Kaukasus.

Helmut Gadner, 70, drei Jahrzehnte lang Direktor des St. Anna Kinderspitals, wollte immer hoch hinaus. Das wollen viele. Doch der beherzte Facharzt für Kinderheilkunde und Additivfacharzt für pädiatrische Hämatologie und Onkologie hat es tatsächlich in zweierlei Hinsicht geschafft: Heute überleben dank seines Einsatzes und seiner Forschungsinitiative gut 70 Prozent aller an Leukämie und anderen Krebsarten erkrankten Kinder. 1980, als Gadner ans St. Anna berufen wurde, waren es gerade mal 20 bis 30 Prozent der Patienten. Aber auch privat wollte der Kinderkrebs-Experte immer schon hoch hinaus und besteigt deshalb in seiner Freizeit mächtige Berge.

Gadner spricht langsam, ein wenig nachdenklich, wenn er über den Werdegang des St. Anna Kinderspitals in Wien-Alsergrund erzählt. Vierzig Jahre war er alt, als er von der renommierten Berliner Freien Universität geholt wurde, um im St. Anna Kinderspital die Leitung zu übernehmen. „Das war ein Schock für mich. Die Kinder waren in großen Sälen untergebracht. Eltern durften nur kurz zu Besuch kommen, und die meisten Kinder sind ein Jahr nach der Behandlung rückfällig geworden und gestorben“, skiziert der groß gewachsene Mann die Zustände von einst.

Pionierarbeit im St. Anna

Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Der Mann krempelte die Ärmel hoch und forderte beim Gesundheitsstadtrat einen weitreichenden Umbau und eine Umstrukturierung des Kinderspitals. Im Herbst 1986 wurde der Verein Forschungsinstitut für krebskranke Kinder ins Leben gerufen und mit Hilfe der Medien eine groß angelegte Spendenaktion gestartet. Die aus der Bevölkerung einfließenden Spenden ermöglichten den Ausbau von Labors im leer stehenden Dachgeschoß des St. Anna Kinderspitals. Die Idee, im Kinderspital ein eigenes Forschungsinstitut für krebskranke Kinder aufzubauen, stammte ursprünglich von betroffenen Eltern. „Wir bezogen die Eltern in die Therapie mit ein und ermöglichten es ihnen auch, dass sie bei ihren Kindern schlafen konnten“, erinnert sich der Pionier.

Gadner war voll Enthusiasmus: Trotz seiner Erfolge war es ihm zu wenig, dass die Kinder nur überlebten – er wollte sie heilen. Anstatt den jungen Krebspatienten lebenslang Medikamente zu verabreichen, entwickelte er mit seinen Teams Behandlungen, die im Endeffekt nur noch ein Jahr angewandt wurden, aber erfolgreich waren. Von Gesundung spricht der Arzt erst, wenn ein Leukämiepatient fünf Jahre lang nicht rückfällig wird. „Dann ist es gelungen, diese Krankheit auszulöschen“, erklärt Gadner.

Heute werden tatsächlich 70 Prozent der Kinder geheilt. Aber auch das ist Gadner zu wenig. Er wird nicht müde zu kritisieren, dass die öffentliche Hand für die Kinderkrebsforschung nicht viel übrig hat. „Seit 22 Jahren basiert der Erfolg der Kinderkrebsforschung in Österreich primär auf privaten Spenden“, so Gadner. Die Kontinuität verlange aber langfristig eine Sicherstellung durch die öffentliche Hand. Im 21. Jahrhundert darf die Forschung zur Lebenssicherung krebskranker Kinder keinesfalls reine Wohltätigkeit sein“, wird der sonst ruhige Mann ein wenig bestimmt.

Die St. Anna Kinderkrebsforschung benötigt pro Jahr mehr als fünf Millionen Euro an Spenden, um die Arbeit der Forschungslabors zu sichern. Er selbst und viele andere lassen deshalb keine Gelegenheit aus, für die Forschung zu sammeln. Als begeisterter Bergfex verbindet er deshalb ab und zu gleich das Angenehme mit dem Nützlichen und veranstaltet etwa Bergtouren auf den Großglockner mit sogenannten Survivors, heute gesundeten, ehemals krebskranken Kindern.

Kirchgang geschwänzt und rauf auf die Berg

Schon in jungen Jahren übten Berge eine mächtige Anziehung auf den in Bozen geborenen Gadner aus. „Damals schwänzten wir sonntags den Kirchgang und sind auf die Berge gekraxelt“, erzählt er schmunzelnd. Auch als er längst in Berlin an der Klinik der Freien Universität war, zog es ihn mindestens dreimal im Jahr heim in die Dolomiten: in das Gebiet Rosengarten Latemar, das Brenta-Gebiet nördlich vom Gardasee, die Cortina- Gegend oder auf das 2.203 Meter hohe Sellajoch.

„Heute gehe ich in viel höhere Regionen“, berichtet Gadner. Dazu gehören so traumhafte Wanderungen wie die auf das mit 5.893 Metern höchste Bergmassiv Afrikas, den Kilimandscharo. Diese Tour tut Gadner lediglich als „schönen Spaziergang“ ab. Viel mehr Herausforderung war für ihn etwa der Nevado Huascarán, mit 6.768 Metern der höchste Berg Perus – aber auch mit einigen Schikanen. „Beim Abstieg, mit Zelt und Rucksack bepackt, hat es mich auf den Boden runtergehaut, und ich habe mir die Schulter zerschlagen. Das war vor drei Jahren“, berichtet er von einem Abenteuer.

Aufgeben kennt Helmut Gadner trotzdem nicht: „In nächster Zeit werde ich mir den Elbrus vornehmen, der mit 5.642 Metern der höchste Gipfel im Kaukasus ist.“ Na dann, Berg heil!

– Gabriela Schnabel

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